16/10/2026
‼️Tierschutz im Wandel – Warum wir gerade jetzt Sachlichkeit statt Inszenierung brauchen‼️
Liebe Freunde, Unterstützer und die gesamte Gemeinschaft der Tierrettung Oberösterreich:
Wir müssen heute über ein Thema sprechen, das den Tierschutz in unserem Bundesland zutiefst betrifft:
Es geht um die Frage, wie transparent und ehrlich mit der Öffentlichkeit und den Spendern umgegangen wird.
In der heutigen gedruckten Ausgabe der Kronen Zeitung wird ausführlich über die finanzielle Situation im oberösterreichischen Tierschutz berichtet.
Als Verein, der tagtäglich mit spezialisierter Intensivausrüstung und Einsatzfahrzeugen arbeitet, haben wir uns gestern mit einem sachlichen Kommentar an der Online-Diskussion im dazugehörigen Forum beteiligt.
Unser Ziel war es, aus Sicht der Praxis die strukturellen Unterschiede zwischen reinen Transportleistungen und der extrem aufwendigen Nachbetreuung und Resozialisierung von Tieren aufzuzeigen.
Dieser Beitrag wurde im Online-Forum der Zeitung umgehend verborgen bzw. gelöscht.
Ein heutiger Anruf in der Redaktion ergab, dass der zuständige Redakteur heute krankheitsbedingt nicht im Haus ist und wir uns nächste Woche melden sollen.
Da das Thema aber genau jetzt aktuell ist, nutzen wir unsere eigene Reichweite, um diese sachlichen Gedanken mit Ihnen zu teilen.
Tierschutz lebt vom ehrlichen Dialog und von harten Fakten – nicht von digitaler Zensur!
Ein Blick auf die Strukturen in Oberösterreich:
Wenn tragende Säulen wegbrechen:
Seit dem Ende der großen, historischen Tierrettungen in unserem Bundesland (wie der damaligen VFTÖ) hat sich die Szene massiv verändert. Es sind in den letzten Jahren viele Vereine entstanden – und manche ebenso schnell wieder verschwunden.
Ein Verein ist auf dem Papier schnell gegründet, aber die Realität in der Praxis unterscheidet sich oft stark von der Theorie.
Wenn im Land hochprofessionelle, verlässliche Säulen komplett wegbrechen – wie das schmerzhafte schließen der Tierhilfe Gusental –, reißt das tiefe Löcher in das Rettungsnetz, die durch bloße Lippenbekenntnisse nicht gefüllt werden können.
Dort saßen Leute, die wirklich etwas am Kasten hatten, die Höhenrettungen durchgeführt haben und die man ohne zögern zu einem schwierigen Schäferhund reinschicken konnte.
Dieses Fachwissen ist heute weg, und im Ernstfall klafft in der Region ein massives Vakuum.
Auch die Schließung eigenständiger Strukturen in Regionen wie Steyr, die heute nur noch als Abteilung unter unserem Dach der Tierrettung Oberösterreich mühsam aufrechterhalten werden kann, hinterlässt spürbare Lücken an Manpower und Ressourcen.
Gleichzeitig stehen unsere regionalen Tierheime, wie das Linzer Tierheim oder das Tierheim Freistadt, unter einem enormen Dauerdruck.
Viele Menschen glauben, diese Heime seien durch Subventionen komplett abgesichert. Die Realität ist:
Tierheime, die wie in Freistadt eine eigene Tierrettung betreiben, unterliegen exakt denselben schweren Bedingungen wie wir. Selbst wenn dort Kilometergelder verrechnet werden können, deckt das bei weitem nicht die realen Kosten – die Tierrettung bleibt auch dort ein reines Draufzahlgeschäft, das nur der Tiere wegen betrieben wird.
Was dort im Hintergrund geleistet wird – von der extremen Verantwortung für Großtiere wie Pferde und Kühe über die Resozialisierung bis hin zur zeitintensiven Aufzucht von Wildtieren wie Füchsen oder Rehen –, ist mit hervorragendem Fachpersonal besetzt und verdient höchsten Respekt.
Doch auch in diesen Heimen sind die Kapazitäten und Plätze irgendwann restlos erschöpft.
Wir als Tierrettung Oberösterreich möchten hier ganz offen sprechen:
Wir blasen uns nach außen hin nicht künstlich auf, sondern benennen die Grenzen der Logistik. Nach der Räumung unserer langjährigen Station in Ebelsberg, in die über die Jahre beträchtliche Vereins- und Privatgelder flossen, betreiben wir am aktuellen Standort ganz bewusst keine Quarantänestation mehr.
Der bauliche und finanzielle Aufwand stünde in keinem Verhältnis zu einer nachhaltigen, wirtschaftlichen Vereinsführung.
Es ist ein massiver struktureller Unterschied, ob ein Verein die schwere Verantwortung für die anschließende, intensive Versorgung der Tiere übernimmt, oder ob primär reine Transportleistungen von A nach B erbracht werden.
Wenn man lediglich gerufen wird, um ein Tier von A abzuholen und an der Abladestation B wieder abzugeben, spricht man in der Praxis von einer reinen Fahrtätigkeit (Tier-Taxi) – und das ist etwas völlig anderes als ein voll ausgestatteter Rettungsdienst!
Wenn auf der Straße wertvolle Zeit mit scheinmedizinischen Untersuchungen für die Zuschauer verschwendet wird, anstatt das verunfallte Tier sofort auf direktem Weg in die nächste Tierklinik zu transportieren, gefährdet das im Ernstfall das Überleben des Tieres.
Die Menschen da draußen sind nicht blind und können sehr wohl unterscheiden, wer für das Tier handelt und wer für die Inszenierung.
Die schwerste Aufgabe:
Verhaltensauffällige Tiere und behördliche Grenzgänge.
Die eigentliche Herausforderung im Tierschutz beginnt dort, wo es gefährlich, behördlich kompliziert und hochgradig brisant wird.
Wenn morgen – oft an arbeitsfreien Sonntagen oder mitten in der Nacht, wenn behördliche Stellen nicht erreichbar sind – ein hochaggressiver oder traumatisierter Großhund gesichert werden muss, hilft kein reines „Tier-Taxi“.
Unsere heimischen Tierheime sitzen ohnehin schon voll mit abgenommenen Tieren, während gleichzeitig ununterbrochen unregistrierte Hunde nach Österreich eingeschleppt werden.
Viele Menschen nehmen Welpen auf, die im ersten Moment wie süße Teddybären aussehen, und sind völlig überfordert, wenn Rassen wie der Šarplaninac (Jugoslawischer Schäferhund), Kangal oder Cane Corso in der Pubertät ihre enorme Kraft zeigen [health].
Wenn diese Tiere dann aus verwahrlosten Zuständen oder unhaltbaren Wohnungen gerettet werden müssen, steht die Praxis vor massiven Hürden.
Noch komplexer wird es bei akuten behördlichen Gefahr-im-Verzug-Einsätzen.
Wer die Realität kennt, weiß, was es bedeutet, wenn eine Tierrettung im Auftrag von Amtstierärzten und unter Begleitung der Kriminalpolizei ausrücken muss – wie bei der Abnahme von illegalen, hochriskanten Verpaarungen von Cane Corsos und Malinois.
Solche Einsätze erfordern nicht nur den Mut, mit hochgradig triebstarken Kraftpaketen umzugehen, sondern auch eine hochspezialisierte technische Fahrzeugausstattung inklusive spezieller Sicherheits-Verriegelungen für den geschützten Transport!
Mit einem kleinen City-Flitzer oder mangelnder Fachkenntnis ist hier für Mensch und Tier Gefahr im Verzug.
Natürlich gehört jedes Tier gerettet.
Aber hier gilt ein einfaches Gesetz der Vernunft:
Wenn das Haus des Nachbarn brennt, kann ich nicht eine zehnköpfige Familie bei mir aufnehmen, wenn ich selbst nur drei Räume habe. Ich kann nicht helfen, wenn dadurch am Ende die eigene Familie vor dem Ruin steht. Wir können nicht massenhaft Tiere ins Land holen, wenn wir selbst nicht mehr wissen, wo wir mit den heimischen Fundtieren hin sollen. Durch diese massive Überlastung fehlt den Anlagen oft die Zeit für jahrelange, intensive Resozialisierung.
Die wirklich schweren, verhaltensauffälligen Fälle drohen dadurch, in den hintersten Ecken großer Heime jahrelang verwahrt zu werden und einsam zu verkümmern.
Diese Arbeit wird im Land immer seltener, da sie extrem viel Substanz, eine dafür ausgelegte Anlage und echtes Fachwissen erfordert.
Die bittere Realität:
Was passiert, wenn wir aufgeben?
Ich gehe stramm auf die 70 zu und kämpfe selbst mit einer schweren COPD-Erkrankung. Mein Kopf ist jedoch glasklar!
Mein einziges Ziel ist es, in Oberösterreich eine ordentliche, seriöse Tierrettung aufrechtzuerhalten und diese an eine neue Generation zu übergeben, auf die man sich verlassen kann.
Aber unter den aktuellen Umständen – ohne verlässliche Leute und bei einem durch ungleiche Voraussetzungen verzerrten Spendenmarkt – steht auch für uns die Frage im Raum, ob wir so überhaupt noch weitermachen können.
Die Realität im Land sieht düster aus:
Steyr hat als eigenständiger Verein geschlossen und kann nur noch aufrechterhalten werden, weil mein Kollege Gerhard dort unter unserem Dach der Tierrettung Oberösterreich weiterfährt.
Ohne diese Struktur wäre die gesamte Region Steyr bereits vollkommen ohne Tierrettung. Wenn wir heute ganz aufgeben, bricht die kritische Infrastruktur im Land endgültig zusammen.
Ein einzelnes Tierheim wie Freistadt kann unmöglich die Einsätze für ganz Oberösterreich mit übernehmen – das ist logistisch und personell völlig unmachbar, auch wenn ehemalige Experten aus dem Gusental dort heute noch dankenswerterweise ehrenamtlich aushelfen.
Wenn wir die Flagge einrollen, gibt es in der Fläche des Bundeslandes für echte, schwere Notfälle, behördliche Abnahmen und gefährliche Großtiere keine professionelle und flächendeckende Anlaufstelle mehr.
Es bliebe ein Vakuum zurück, das durch reine Transportdienste ohne die nötige Einsatzerfahrung und Spezialausstattung niemals gefüllt werden kann.
Ein dringender Appell an alle Spender:
Hinterfragen und kontrollieren Sie!
Wir leben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Das Haushaltsbudget vieler Menschen wird knapper. Umso wichtiger ist es, dass Spender genau hinsehen und hinterfragen, wo ihr hart verdientes Geld die größte Wirkung zeigt:
• Fließen die Spenden direkt in die fachliche Arbeit, die Ausrüstung und die Versorgung der Tiere?
• Steht eine echte Struktur hinter dem Verein, oder handelt es sich um eine medienwirksame Inszenierung?
• Werden die Mittel für den Dienst am Tier verwendet oder zur Finanzierung privater Mobilität und Annehmlichkeiten?
Seriöser Tierschutz braucht keine künstlichen Filterblasen oder juristischen Drohgebärden bei Kritik.
Er braucht Ehrlichkeit, Gesetzestreue und wirtschaftliche Vernunft, ein faires Miteinander aller Organisationen und den unvoreingenommenen Fokus auf die Tiere.
Wir danken jedem Einzelnen von euch für die Unterstützung auf diesem ehrlichen Weg.
Euer Team der Tierrettung Oberösterreich