05/08/2026
Große Arena statt lebendiger Kultur? Stuttgart setzt die falschen Prioritäten.
Die Hanns-Martin-Schleyer-Halle wurde 1983 eröffnet und ist damit gerade einmal etwas über 40 Jahre alt. 2006 wurde sie zudem für über 12 Mio umfassend modernisiert. Trotzdem diskutiert Stuttgart über Abriss und Neubau einer modernen Großarena – mit Kosten in einer Größenordnung von mehreren Hundert Millionen Euro.
Gleichzeitig zahlreiche kleine Kulturinitiativen, Vereine, freie Künstlerinnen und Künstler sowie lokale Veranstaltungsorte haben mit steigenden Kosten, unsicherer Förderung und immer schlechteren Überlebenschancen zu kämpfen.
Genau hier müssen wir uns fragen: Was verstehen wir eigentlich unter Kultur?
Eine riesige Event-Arena bringt internationale Stars, große Shows und ein gutes Bild für das Stadtmarketing. Sie nutzt jedoch vor allem großen Konzertagenturen, Investoren und überregionalen Veranstaltern. Natürlich entstehen dadurch Steuereinnahmen und wirtschaftliche Effekte. Doch das allein schafft noch keine lebendige Stadtkultur.
Echte lokale Kultur entsteht an anderen Orten: in kleinen Clubs, freien Theatern, Ateliers, soziokulturellen Zentren, Musikbars und Stadtteilinitiativen. Dort treten junge Bands zum ersten Mal auf. Dort werden neue Ideen ausprobiert. Dort begegnen sich Menschen, die sich die Eintrittspreise großer Arenashows vielleicht gar nicht leisten können.
Diese Orte arbeiten selten gewinnorientiert. Sie leben von Engagement, Kreativität und einer verlässlichen öffentlichen Unterstützung. Wenn sie verschwinden, lassen sie sich später nicht einfach durch ein neues Prestigegebäude ersetzen.
Stuttgart braucht Veranstaltungsorte für große Ereignisse. Aber bevor eine funktionierende, erst gut 40 Jahre alte Halle abgerissen und durch ein gigantisches Neubauprojekt ersetzt wird, müssen Sanierung, Umbau und Erhalt ernsthaft geprüft werden.
Eine Stadt zeigt ihre kulturelle Stärke nicht durch die Größe ihrer Arenen, sondern dadurch, wie sie mit ihrer vielfältigen Kultur vor Ort umgeht.
Darum gilt: Erst die lokale Kulturlandschaft sichern und dann erst über neue Großprojekte sprechen.