16/10/2026
JEFF - 5 JAHRE AFUMATI-TIERHEIM... UND KEIN ENDE IN SICHT...
JEFF war heute mit mir in der Klinik. Ich hatte am Hals eine Erhebung entdeckt, die untersucht werden musste.
Zudem ist Jeff jetzt 11 Jahre alt - es erwartet ihn der 6.te kalte Winter im rumänischen Tierheim... und damit wieder monatelang Kälte, Nässe... Deshalb musste ein Generalcheck mit Blutabnahme durchgeführt werden.
Bevor Jeff ins kleine Afumati-Tierheim kam, lebte er in der dreckigen Hölle von Georghenie... Hunger, Dreck, Kämpfe ums wenige Fressen, kein Wasser waren dort an der Tagesordnung.
Noch nie wurde der sanfte, umgängliche, liebe Rüde von irgendeinem Menschen angefragt. Jeff ist im kleinen Afumati-Tierheim alt geworden.
Das ist nicht nur tieftraurig, das ist etwas, was mich zutiefst entsetzt, dass heutzutage solche wunderbaren Hunde keine Chance auf ein Zuhause mehr bekommen.
Nein! Ich widerspreche energisch diesem "Argument" dass viele sich einen Hund nicht mehr leisten können.
Das ist nur die halbe Wahrheit.
Richtig - Tierarztkosten sind explodiert, ein Hund kostet Steuer... wenn ich aber sehe für was Geld ausgegeben wird, was anscheinend überhaupt kein Problem darstellt, wie falsche Nägel, falsche Wimpern, Zi******en, Lifestyle, ausgehen... regelmässig Friseur... usw., dann ist das Argument "kann ich mir nicht leisten" recht hinfällig.
Auf der anderen Seite werden immer mehr Luxusprodukte in Deutschland gekauft, und der Markt für exklusive Urlaube und Produkte ist ein enormer Wachstumsmarkt.
Ergo: es muss demnach in Deutschland immer noch genug Menschen geben, die sich durchaus einen Hund leisten könnten.
Ist es vielmehr nicht so? Dass heutzutage auch von einem Hund fast wie von einem Produkt das und dies sowie jene Voraussetzung verlangt wird - sonst hat er keine Chance?
Ab einem gewissen Alter haben Tierschutzhunde kaum noch Chancen von irgendeinem wahrgenommen zu werden.
Das fängt mit 6 Jahren schon an.
Ein Hund im Alter von 8 Jahren wird oft als "Oma" oder "Opa" beschrieben. Das ist als ob ich zu einem Endvierziger / Anfang Fünfziger sagen würde "Du alter Knacker".
Das ist beste Lebensmitte für einen Hund. Sonst gar nichts.
Ist er dann noch grösser als ein Maltese-Bichon-Hund, dann ist es ganz aus damit, adoptiert zu werden.
Heutzutage wird nicht mehr der Hund an sich gesehen. Als Familienmitglied, als eigener Charakter.
Der Hund hat Bedingungen und Wünsche zu erfüllen. Am besten schon stubenrein, leinenführig, Grundkommandos beherrschen müssen, er darf keine Probleme machen oder Ängste haben - sonst ist das zu unbequem und zu anstrengend.
Dass ein Tierschutzhund die Hölle durchlebt haben mag, die ihn natürlich geprägt hat - das interessiert eigentlich die Wenigsten.
Schließlich habe man das Tier ja gerettet. Und das hat dann gefälligst dankbar zu sein.
Von keinem Menschen, der Gewalt, Hunger, Not durchleben musste, würden normale Menschen je verlangen gefälligst jetzt ewig dankbar und stets mit einem Lied auf den Lippen durchs Leben zugehen, weil der Mensch ja alles überlebt hat, und dafür soll er jetzt natürlich dankbar sein. Bei solchen Menschen zeigt man selbstverständlich Verständnis für Ängste, schlechte Tage, Depressionen, Rückfälle...
Wieso muss aber ein Tierschutzhund, nach allem was er eventuell durchleben und überstehen musste, perfekt funktionieren müssen?
Werde ich nie verstehen.
Wieso gibt man solchen Tieren erst Recht nicht eine Chance, wenn man es doch mit dem Tierschutz so ernst meint?
Jeff muss dafür büßen zu gross und jetzt zu alt zu sein.
Mit seiner Gesundheit.
Mit seiner Beweglichkeit.
So lange sein Leben in einem rumänischen Tierheim verbringen zu müssen, so viele kalte Winter überstehen zu müssen, hinterlässt immer mit der Zeit Spuren im Bewegungsapparat, in den Knochen, in den Gelenken.
Die Zyste ist gutartig, muss aber bei Jeff beobachtet werden. Wird sie grösser, werden wir sie ausschneiden.
Jeff's Zähne wurden kontrolliert, und auch da sind Spuren des harten Lebens verblieben. Ein Zahn muss sofort gezogen werden, die Zähne werden gereinigt.
Die Gelenke haben Arthrose ausgebildet. Jeff benötigt nun eine teure Kombination von Schmerzmedikation und Nahrungsergänzungsmitteln wie Artroprotect oder YuMove.
Die Kosten für das kleine Afumati-Tierheim werden nicht geringer. Sie steigen mit jedem kalten Winter, den ein Langzeitinsasse wieder überstehen muss. Denn mit jedem Jahr werden die Tiere trotz der Möglichkeit des Auslaufs kranker - die Bewegungsmöglichkeiten sind mitnichten mit regelmässigen mehrmals täglichen Spaziergängen zu vergleichen. Nichts in der Wirkung ist vergleichbar mit der Wärme eines geheizten Hauses oder einer Wohnung auf die müden Knochen und Gelenke eines Tierschutzhundes.
Jeff - der wunderbarste Hund, chancenlos, je adoptiert zu werden. Er muss wieder hindurch durch den rumänischen kalten Winter. Weil ihn niemand sieht und will. Zu alt, und nun auch noch nicht mehr gesund.