11/09/2026
Residence-Hotel in der Kastaniengasse genehmigt
Vergangene Woche hat die Gemeindekommission für Landschaft ein positives Gutachten zum geplanten Bau des Residence-Hotels in der Kastaniengasse in Obermais abgegeben. Somit wurde das Projekt eben noch fristgerecht abgegeben, bevor die Bettenrechte verfallen.
Das Residence-Hotel entsteht auf einem Weinacker, der sich in Besitz des Weingutes Schloss Rametz befindet. Schon seit den 1990er Jahren ist diese Grundparzelle als Tourismuszone ausgewiesen.
Aus einem tourismuskritischen Blickwinkel heraus muss man in Zeiten des Over-Tourism einem Hotelneubau durchaus kritisch gegenüberstehen. Meran ist eine tourismusintensive Destination und in Südtirol steuert man rasant auf die Marke von 40 Mio. Übernachtungen pro Jahr zu. Der aufgeweichte Bettenstopp hat sich schlussendlich als Bettenbeschleuniger entpuppt.
Auch aus der Perspektive der Bodenverbrauchs und aus landschaftsästhetischer Sicht muss dieser Hotelbau kritisch betrachtet werden: nicht nur verliert Obermais einen schön gelegenen Weinacker, ein Teil des Grundstücks wird verbaut und versiegelt. Aber lassen wir mal die Grundsatzfrage „Hotel ja oder nein“ beiseite, dennoch ergeben sich aus heimatpflegerischer Perspektive spezifische Fragen:
Aufgrund der engen Straßenverhältnisse von nur 3,30 m wird man nicht umhin kommen die Straße zu verbreitern und dafür die bestehende Trockenmauer auf der Seite des Weingutes abzureißen. Anstelle der alten Mauer wird eine neue Begrenzungsmauer errichtet.
Die Einfahrt zum Hotel entpuppt sich ob der engen Straße als kompliziert und dafür wird eine breite Schneise in eine bestehende Trockenmauer geschlagen. Die Mauer ist entlang des Grundstücks unterschiedlich hoch und lässt die Kastaniengasse in diesem Bereich sehr lebendig erscheinen. Allein dies stellt schon einen großen Verlust an der Obermaiser Kulturlandschaft dar.
Schützt die Trockenmauern in Obermais!
Die Trockenmauern in Obermais bestehen abwechselnd aus Granit und Porphyrblöcken (grau/rot) und sind dadurch ein Freistellungsmerkmal des historischen Obermaiser Wegenetzes. Sie sind Zeugen einer bäuerlichen Landschaft mit Weinhöfen und Weingütern, die mit der Zeit Privathäusern und Hotels weichen mussten.
Die historische Kastaniengasse, ehemals Klementgasse, in Obermais muss in ihrer natürlichen Windung erhalten bleiben. Wir vom Heimatschutzverein Meran fordern, dass eine etwaige neue Begrenzungsmauer des Residence-Hotels wieder als reine Trockenmauer errichtet wird und zwar mit denselben Steinen, die beim Abbruch der jetzigen Mauer anfallen.
Laut Plänen entsteht unterhalb des Residence-Hotels ein Wasser- und Pflanzenteich mit Park. Als Sichtschutz ist ein landschaftsverändernder Erdhügel bzw. -wall geplant. Der Heimatschutzmeran fordert, dass keine größeren Erdbewegungen das hydrogeologische Gleichgewicht des Naif-Murkegels beeinträchtigen. Die Naifmure hat beim Ausbruch im August 1902 Todesopfer gefordert und große Verwüstungen (gerade im Grundstück, wo nun der Hotelbau errichtet wird) angerichtet. In den beiden Folgejahren 1903 und 1904 wurde der Naifbach in eine Künette verlegt.
Die Weißplatter-Mure im Juli 2026 hat den Meranerinnen und Meranern vor Augen geführt, welche Gefahren von den Wildbächen am Meraner Osthang ausgehen können.