19/05/2026
Aufstockung des Hotels Aurora an der Passerpromenade
Mit dem Fortschreiten der Arbeiten ist rund um die Aufstockung des Hotels Aurora an der Passerpromenade eine Diskussion in den Print- und sozialen Medien entbrannt.
Die Kritik betrifft den Aufbau an so prominenter Stelle, dieser sei unpassend und störend und stelle sogar eine Verschandelung des Theaterplatzes dar.
Die Planung zur Erhöhung des einstöckigen Westflügels des Hotels Aurora geht auf einen Planungswettbewerb der Hoteliersfamilie Aukenthaler zurück. Den Zuschlag erhielt ein Wiener Architekturbüro, das im Jahre 2018 seine Pläne vorstellte. Nach 7 Jahren wird nun ein leicht abgeändertes Projekt realisiert.
Aufgrund der sensiblen städtebaulichen Situation zwischen dem Stadttheater im Norden und der Uferpromenade im Süden wurde das Projekt in Absprache mit dem Landesdenkmalamt entwickelt. Sowohl der Gestaltungsbeirat als auch die Gemeindekommission für Raum und Landschaft stellten dem Projekt im Jahre 2019 ein positives Gutachten aus. Die Genehmigung des Projektes erfolgte im Jahr 2021.
Reflexartig stößt man sich nun an zeitgenössischer Architektursprache, ohne das Projekt und das städtische Umfeld differenziert zu betrachten:
1. Die Bebauung der Passerpromenade (Meraner Seite) besteht aus repräsentativen, hohen Gebäuden (u.a. Villa Schönblick/Elena, Neuhaus), was besonders gut von der Theaterbrücke aus zu erkennen ist. Der bislang niedere Westflügel des Hotels Aurora stellte eine Lücke dar, die durch die Aufstockung in zeitgenössischer Architektursprache geschlossen wird. Die Erhöhung an dieser Stelle war bereits durch Projekte kurz vor dem Ersten Weltkrieg vorgesehen.
Die Gebäudeaufstockung am nördlichen Brückenkopf der Theaterbrücke fügt sich in die architektonische Einheit der herrschaftlichen Promenadenseite ein.
2. Die Maßstäblichkeit ist durch die Erhöhung gewahrt, da der westliche Gebäudeteil dieselbe Höhe aufweist wie das bisherige Hotel Aurora (Ostflügel).
3. Der Bestand (Altbau Westflügel) wird auch nach der Erhöhung gut ablesbar sein. Die beiden Gebäudeteile sind durch eine architektonische Zäsur getrennt, unterstrichen durch die leichte Dachneigung des neuen Gebäudeteiles.
4. Die ursprüngliche textilartige Verblendung mit den florealen Mustern wird nicht mehr realisiert – diese wurde schon 2018 vom Landesdenkmalamt kritisiert. Die neue Verkleidung bleibt ein reversibles Gestaltungselement.
5. Vor Ort wird keine störende Tiefgarage errichtet, im Gegensatz zu vergleichbaren Hotelbauten in den Nachbar-Ortsteilen bzw. Nachbardörfern.
6. Der Theaterplatz und das Stadttheater profitieren vom Aufbau, weil durch den Gebäudeabschluss im Süden der Charakter des Platzes eher unterstrichen als gestört wird.
Die aktuelle Gebäudeerhöhung des Hotels Aurora erweitert den Bestand, wobei die Maßstäblichkeit der Gebäudelinie an der Passerpromenade respektiert wird und zwar in einer Architektursprache, die sich qualitativ von den üblichen Hotelbauten in Meran und in der Umgebung Merans abhebt.
Die einheimische Hoteliersfamilie hat mit diesem Bau vorgezeigt, wie eine Hotelerweiterung an historisch-sensibler Stelle umgesetzt werden kann. Dies sollte zum Maßstab für künftige Hotelzu- und -umbauten in unmittelbarer Nähe werden.
Wenn man sich an Gebäuden des Platzes stört, dann doch an jenem dem Stadttheater gegenüberliegenden Büro- und Geschäftsgebäude von 1967, der mit seinen niederdrückenden Arkaden und der mäßigen Architektur dieses Platzes unwürdig ist. Der Abriss des früheren Gasthofs Walder mit dem Café Central hätte eine Ablehnung weit mehr verdient als die jetzige Aufstockung, die sensibel auf das architektonische und stadträumliche Umfeld reagiert.