14/09/2026
🇦🇹 Vom Attersee nach Jerusalem
Die Kronen Zeitung hat Rektor Franz Xaver Brandmayr kurz vor seinem Aufbruch nach Jerusalem am Attersee besucht.
Im Gespräch erzählt er von seinem Weg ins Österreichische Pilger-Hospiz, seinen ersten Eindrücken von Jerusalem und davon, was ihm für seine neue Aufgabe besonders wichtig ist: Seelsorge, Begegnung und der Dialog zwischen den Menschen.
„Wir wollen den Dialog zwischen den Menschen pflegen. Mein großes Interesse ist, alles zu tun, was den Frieden fördert.“
Seit 1. September ist Rektor Brandmayr nun vollständig in Jerusalem angekommen – mit viel Erfahrung, Neugier und, wie der Artikel zeigt, einer guten Portion oberösterreichischem Humor.
Vielen Dank an Vera Lischka und die Kronen Zeitung für die schöne Reportage und die Einblicke in den Beginn dieses neuen Lebensabschnitts.
📷 Kronen Zeitung, 13. September 2026
"Sein Weg führt ihn vom Attersee ins Zentrum der Weltreligionen
Franz Xaver Brandmayr startet mit 70 Jahren neu durch – als Rektor der Austro-Pilgerstätte in Jerusalem
Der Attersee strahlt in türkisblauen Tönen rein ins Wohnzimmer, die Kardinalschnitte steht auf dem Tisch, der Kaffee ist angerichtet, die Koffer sind gepackt. Franz Xaver Brandmayr hat seinen einmonatigen Urlaub hinter sich. „Den ganzen Tag war ich in Badehose unterwegs, nur am Sonntag nicht. In die Kirche bin ich schon angezogen gegangen“, sagt er und lacht. Vor ihm liegt ein neuer Lebensabschnitt.
Am 1. September hat der Oberösterreicher sein Amt als Rektor des rot-weiß-roten Pilger-Hospizes, einer katholischen Pilgerherberge in der Altstadt von Jerusalem, angetreten. Dabei hätte er sich diese Aufgabe vor wenigen Monaten selbst kaum vorstellen können. „Ich habe zuerst gesagt: ,Ihr seid ja wahnsinnig. Ich bin 70 Jahre alt, kann kein Hebräisch, was soll ich denn dort?‘ Das kam für mich überhaupt nicht infrage“, erzählt Brandmayr offen. Doch der Gedanke ließ ihn nicht los. „Dann habe ich mit mir und meinem Herrgott gerungen. Ich habe den Kampf gegen ihn verloren.“
Der Ort und die Menschen beeindrucken Brandmayr
Schließlich sagte er dem Wiener Erzbischof seine Unterstützung zu: „Ich habe gesagt: ,Wenn ihr wirklich niemand anderen findet, dann bin ich bereit.‘“ Offenbar gab es keine bessere Lösung. Alle haben sich auf den 70-Jährigen geeinigt. Dass Brandmayr für diese Aufgabe bestens gerüstet ist, zeigt sein Lebenslauf. Nach einem Jus-Studium trat er in den Jesuitenorden ein, studierte Theologie und Philosophie, arbeitete als Pfarrseelsorger und verbrachte anschließend 13 Jahre als Rektor der Anima in Rom. Dort war er nicht nur Seelsorger, sondern auch Manager von insgesamt 19 Häusern. Zuletzt wirkte er sechs Jahre lang als Probst in Wiener Neustadt. Nun wartet in Jerusalem eine neue Herausforderung. „Ich war nach meiner Ernennung heuer zum ersten Mal in Jerusalem. Dieser Ort, wo Christus gestorben und wiederauferstanden ist, hat eine enorme spirituelle Kraft.“
Noch mehr beeindrucken ihn die Menschen. „Juden wie Palästinenser, Junge wie Alte. Jeder will sich einsetzen. Manche sind radikaler, viele aber sehr vernünftig. Diese Energie hat mich unglaublich fasziniert.“ Und inmitten der angespannten Welt sieht er das Hospiz als Ort der Begegnung. Denn selbst während des Krieges stand das Haus immer offen. Pilger kamen in dieser Zeit zwar kaum noch, aber das Café war gut besucht. „Dort sitzen Juden und Palästinenser nebeneinander. Sie reden zwar nicht unbedingt miteinander, aber sie kommen alle an diesen Ort.“ Genau darin sieht Brandmayr seine wichtigste Aufgabe. „Wir wollen den Dialog zwischen den Menschen pflegen. Bei mir arbeiten Christen und Muslime ohne größere Probleme zusammen. Mein großes Interesse ist, alles zu tun, was den Frieden fördert.“ Er weiß aber auch um die Realität, dass der Konflikt jederzeit eskalieren kann. Ein Gespräch mit dem österreichischen Botschafter vor Ort ist dem gebürtigen Welser besonders in Erinnerung geblieben. „Der hat zu mir gesagt: ,Die haben ja schon seit 70 Jahren Krieg.‘ Und ich habe geantwortet: ,Nein, seit 4000 Jahren.‘“
Das „alte Hirn“ soll noch Hebräisch lernen
Brandmayr ist in Jerusalem als Rektor gleichzeitig Hausherr, Organisator, Manager und Seelsorger. Vor allem Letzteres ist ihm wichtig. „Und ich will Hebräisch lernen. Mal schaun’, was in mein altes Hirn noch so reingeht“, zwinkert er.
Von Konflikten hat er keinerlei Angst und meint, dass einer der sichersten Orte die Altstadt von Jerusalem sei, weil da nicht hingeschossen wird. Der 70-Jährige hat mich mit seiner Energie und seinen Erzählungen auf den Geschmack gebracht – und auf die Frage, ob ich als Touristin in seinem Haus übernachten dürfte, kam prompt: „Na freilich. Sie pilgern ja quasi zu mir. Und ich garantiere Ihnen, die Eindrücke werden sie so überwältigen, dass Sie zur Pilgerin werden“, lacht er und widmet sich dem letzten Bissen seiner Kardinalschnitte. Die wird ihm mit Sicherheit fehlen, „aber Sachertorte, Apfelstrudel und Kaiserschmarrn wird es geben. Ich bin kein Kostverächter, das sieht ja jeder.“ Vera Lischka"