24/05/2026
Für 154 „Maaack“ lieber ne Armbanduhr statt Quarzuhr im Kombiinstrument? Was hättet Ihr gemacht? 🤔😏
154 Mark. So viel kostete eine Uhr im VW Polo Fox. Nicht eine Armbanduhr. Die Uhr im Auto. Im Armaturenbrett. Die Anzeige, die sagt, wie spät es ist.
VW bot den Polo Fox an. Ohne Uhr. Ab 18.090 DM. Wer wissen wollte, wie spät es ist, zahlte 154 Mark extra. Oder trug eine Armbanduhr. Die war billiger.
Das war der Polo 2F. Ein Auto, das so grundehrlich war, dass es nicht mal die Uhrzeit verschenkte.
Oktober 1990. Umfangreiche Modellpflege des Polo II, der seit 1981 auf dem Markt war. VW hätte einen Nachfolger bringen können. Tat es nicht. Weil ein gutes Facelift billiger ist als ein neues Auto. Und weil der Polo II ein gutes Auto war, das nur ein neues Gesicht brauchte.
Neues Gesicht bekam er. Größere Scheinwerfer. Neue Stoßfänger. Neues Heck. Innen neues Armaturenbrett, neue Lenkräder, vollverkleidete Türen. Von außen fast ein neues Auto. Von innen ein komplett neues Cockpit. Unter dem Blech: Derselbe solide Polo.
770 Kilo Leergewicht. In einer Zeit, in der Autos begannen, schwerer zu werden, war der Polo 2F ein Leichtgewicht. 770 Kilo bedeuteten: Wenig Verbrauch. Gute Beschleunigung auch mit kleinen Motoren. Agiles Handling. Und Bremswege, die physikalisch kürzer waren als bei schwereren Autos.
Alle Motoren auf Einspritzung umgestellt. Kein Vergaser mehr. Das klingt nach einem Detail. Für Oldtimer-Fahrer ist es der Unterschied zwischen "springt morgens an" und "springt morgens vielleicht an." Einspritzer starten zuverlässig. Vergaser starten, wenn sie Lust haben.
45 PS aus 1,05 Litern als Basis. 55 und 75 PS aus 1,3 Litern für die Mitte. Und der G40 für die Verrückten.
Der Polo G40. Spirallader – der G-Lader. 113 PS aus 1,3 Litern. Aufgeladen. Nicht mit Turbo, sondern mit einem spiralförmigen Verdichter, der ohne Turboloch arbeitete. Schub von unten. Durchzug überall. 8,6 Sekunden auf 100 in einem Auto, das kürzer war als manche Garageneinfahrt.
BBS-Aluminiumfelgen. Sportsitze mit karierten Bezügen. Tacho bis 240. Kotflügelverbreiterungen. Rote Zierstreifen in den Stoßfängern. 25.690 DM. Das war 7.600 Mark mehr als der Fox ohne Uhr. Dafür bekam man aber BBS-Felgen, 113 PS und einen Tacho, der doppelt so weit ging, wie man jemals fahren würde.
Nur dreitürig. Immer. Steilheck oder "Coupé" – das Schrägheck. Fünf Türen gab es erst beim Nachfolger 6N ab 1994. Der 6N, der eigentlich früher hätte kommen sollen, aber mehrfach verschoben wurde, weil der 2F sich zu gut verkaufte.
Über 500.000 Facelift-Modelle in vier Jahren. Von einem neun Jahre alten Auto. In einer Zeit, in der die Trabant-Fahrer im Osten etwas Neues brauchten und der Polo 2F die Antwort war. Gebaut im Werk Mosel bei Zwickau – dort, wo vorher Trabants liefen.
Keine Klimaanlage. Keine elektrischen Fensterheber. Keine Uhr im Basismodell. Dafür 770 Kilo, Einspritzung und die Ehrlichkeit eines Autos, das genau das bietet, was man braucht. Nicht mehr. Nicht weniger.
Und wer mehr brauchte, kaufte den G40. Und brauchte dann auch keine Uhr mehr – weil er sowieso zu schnell war, um auf die Zeit zu achten.