13/06/2026
Tief in den dunklen Wäldern des Bayerischen Waldes, dort wo der Nebel zwischen den alten Tannen wohnt und die Nächte länger erscheinen als anderswo, erzählt man sich vom Bluadigen Dammerl.
Niemand weiß, wie alt er ist. Manche sagen, er stamme aus einer Zeit, als die Grenzen zwischen der Menschenwelt und der Anderswelt noch offen waren.
Sein Weg führt durch vergessene Pfade, verborgen unter Moos, Wurzeln und uralten Geheimnissen.
Wenn roter Nebel durch die Schluchten zieht und das ferne Klirren seiner Ketten durch den Wald hallt, dann ist der Dammerl unterwegs.
In seinen Händen trägt er einen mächtigen Hammer aus dunklem Holz, gewachsen aus den Wurzeln einer längst vergessenen Weltenesche.
Er sucht weder Reichtum noch Macht.
Doch der Dammerl ist kein wahlloser Schrecken.
Er erscheint dort, wo Habgier, Verrat und Ungerechtigkeit die Herzen der Menschen verdunkelt haben.
Sein Auftrag ist es, jene zur Rechenschaft zu ziehen, die Unschuldige betrogen, ihre Versprechen gebrochen oder anderen Leid zugefügt haben.
Er sucht die Schatten, die Menschen in ihren Herzen verbergen.
Und so heißt es im Bayerischen Wald noch heute: Wer in einer stillen Vollmondnacht das Klirren der Ketten hört, sollte den Blick senken – denn der Bluadige Dammerl wandert zwischen den Welten und sieht mehr, als den Menschen lieb ist.