Die großen Aktionsfelder für den Klimaschutz sind der Energiesektor, der Wärmemarkt, die Mobilität sowie die Verzahnung aller Bereiche, die sogenannte Sektorenkopplung. Hier ist nicht nur die Landesregierung gefragt; gleichzeitig sind auch Wirtschaft und Industrie, Wissenschaft und Kommunen aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten. Hierbei werden die Akteure aus Kommunen und Unternehmen von der EnergieAgentur.NRW als operative Plattform mit breiter Kompetenz im Energiebereich unterstützt: von der Energieforschung, technischen Entwicklung, Demonstration und Markteinführung über die Initialberatung bis hin zur beruflichen Weiterbildung. Weitere Informationen: www.energieagentur.nrw.
Die Klimaziele des Landes sind im nordrhein-westfälischen Klimaschutzgesetz festgeschrieben – eine Minderung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 Prozent und um 80 Prozent bis 2050 gegenüber dem Jahr 1990. Die Ziele für das Jahr 2020 werden – mit Stand heute – erreicht, voraussichtlich sogar leicht übertroffen.
Der Anspruch ist es zu zeigen, dass erfolgreicher Klimaschutz und ein starker Wirtschaftsstandort keine Gegensätze sein müssen. Im Gegenteil: Klimaschutz bietet viele Chancen für Unternehmen, die moderne, energieeffiziente Technologien, Anwendungen und Verfahrensweisen anbieten. Die Nachfrage nach innovativen Produkten und Dienstleistungen für effektiven Klimaschutz nimmt weltweit zu. Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen sollen eine wichtige Rolle auf den Märkten der Zukunft spielen können.
Um insbesondere die energieintensive Industrie zu unterstützen, hat die Landesregierung die Plattform IN4climate.NRW ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Initiative sollen Experten aus Industrie, Wissenschaft und Verwaltung gemeinsamen einen innovativen Arbeitsprozess in Gang setzen, der die Frage bearbeitet, wie sich Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten langfristig klimaneutral gestalten lassen bzw. wie ein Beitrag der Industrie zur Entwicklung klimafreundlicher Produkte aussehen kann. Weitere Informationen: www.in4climate.nrw.
Energieversorgungsstrategie Nordrhein-Westfalen
Zentrales Anliegen der Energieversorgungsstrategie Nordrhein-Westfalen ist es, das Land als einen modernen und umweltfreundlichen Energie- und Wirtschaftsstandort zu stärken. Eine sichere Energieversorgung ist hierfür unersetzlich. Neben der netzseitigen Versorgungssicherheit werden in Nordrhein-Westfalen hierfür moderne und hocheffiziente gasgefeuerte Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen ein zentraler Baustein sein. Das gleiche gilt für den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie von Speichern, die unverzichtbare Systemdienstleitungen zur Sicherstellung der Energieversorgung bereitstellen.
Die Energieversorgungsstrategie setzt energiepolitische Schwerpunkte und identifiziert wesentliche strategische Handlungsfelder, aus denen sich konkrete Maßnahmen und Forderungen ergeben. Das Ziel der Landesregierung ist es, auch unter veränderten nationalen sowie internationalen Rahmenbedingungen und Herausforderungen die Balance aus sicherer, wirtschaftlicher sowie klima- und umweltverträglicher Versorgung mit Energie zu gewährleisten. Hierzu sollen vorhandene Stärken und Standortvorteile bestmöglich genutzt werden, um Nordrhein-Westfalen als Energie- und Wirtschaftsstandort zu stärken.
Zentrale Zielsetzungen der Strategie:
Bis 2030 strebt die Landesregierung ein starkes Wachstum bei Erneuerbaren Energien an: So soll die vorhandene installierte Leistung auf 10,5 Gigawatt Wind und 11,5 Gigawatt Photovoltaik verdoppelt werden. Bis 2050 soll die Energieversorgung vorrangig über Wind, Photovoltaik, Gaskraftwerke in Kraft-Wärme-Kopplung, Geothermie und grünen Wasserstoff gesichert werden.
Zusätzlich bedarf es weiterer Anstrengungen beim Netzausbau sowieeiner Umstellung der Sektoren Mobilität und Wärme auf weitgehende Klimaneutralität. Hierfür müssen die Bedingungen für die Sektorenkopplung verbessert werden, zum Beispiel durch die Einführung einer aufwandsneutralen CO2-Bepreisung.
Strom muss bezahlbar bleiben: Um die hohen Belastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher zu reduzieren, setzt sich die Landesregierung für eine deutliche Senkung der Stromsteuer ein. Zur Entlastung der produzierenden energieintensiven Industrie setzt sich die Landesregierung außerdem auf EU-Ebene für eine umfassende Strompreiskompensation ein.
Die Energieversorgungsstrategie ist die Richtschnur Nordrhein-Westfalens zur Gestaltung einer nachhaltigen Energieversorgung, insbesondere in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität. Nordrhein-Westfalen leistet hiermit auch einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele von Paris.
Energieversorgungsstrategie Nordrhein-Westfalen im Detail:https://www.wirtschaft.nrw/sites/default/files/asset/document/evs_nrw_version_veroeffentlichung_final.pdf
Die Energiewende
Mit der Energiewende sollen zwei große Ziele erreicht werden: Klimaschutz und der Ausstieg aus der Atomenergie. Bis 2025 sollen 40 bis 45 Prozent und bis 2050 mindestens 80 Prozent der Energie deutschlandweit aus regenerativen Quellen kommen. Dazu muss die Energieversorgung grundlegend umgestellt werden: von einer hauptsächlich auf nuklearen und fossilen Brennstoffen basierenden Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien.
Mit seiner hohen Bevölkerungsdichte, seiner Bedeutung als Industriestandort, dem hohen Anteil flexibler fossiler Kraftwerkskapazitäten und energieintensiver Unternehmen ist Nordrhein-Westfalen als Beispiel für die erfolgreiche Umstellung des Energiesystems von großer Bedeutung.
Mittlerweile (2016) werden rund 20 Terrawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen produziert. Mit diesen absoluten Zahlen steht NRW bei der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien und bei der installierten Leistung auf Platz 3 im Bundesländerranking.
Insbesondere im Wind und Photovoltaik-Bereich verfügt das Land noch über weitere Potenziale für einen zukünftigen Ausbau.
Weitere Informationen zum aktuellen Bestand und den Potenzialen der Erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen finden Sie im Energieatlas.
Allerdings stößt besonders der Ausbau der Windenergie in Teilen des Landes zunehmend auf Vorbehalte in der Bevölkerung. Die Landesregierung hat sich von daher zum Ziel gesetzt, die Energiewende zukunftsfähig und verlässlich zu gestalten, in einem Marktumfeld, das Systemstabilität, Versorgungssicherheit auf hohem Niveau und international wettbewerbsfähige Strompreise gewährleistet. Sie soll technologieoffen betrieben werden, zu einer effizienten Vernetzung eines zunehmend von Erneuerbaren Energien geprägten Gesamtsystems führen und einen angemessenen Anwohner-, Landschafts- und Naturschutz beim Ausbau der Windenergie gewährleisten. Auch die Entwicklung von Speichertechnologien hat einen hohen Stellenwert, um auch bei höheren Anteilen an fluktuierenden Erneuerbaren Energien die Versorgungsicherheit gewährleisten zu können.
Die Nutzung von Batteriespeichern ist insbesondere zur Erhöhung des lokalen Eigenverbrauchs von Photovoltaik-Anlagen interessant. Über das Förderprogramm "progres.nrw-Markteinführung" können elektrische Energiespeicher in Verbindung mit Photovoltaik-Anlagen gefördert werden.
Weiterführende Informationen:
Erneuerbarer Energien Atlas des LANUV: Der Energieatlas NRW bietet umfangreiche Informationen zu den Erneuerbaren Energien in Nordrhein-Westfalen. Der Atlas wurde 2017 aktualisiert und enthält nun neben den neuen Karten zum Bestand, den Planungskarten zu Windenergie, Solarenergie und Bioenergie auch ein Wärmekataster, ein Tool zur Berechnung von Windenergieerträgen, neue Windkarten in den Nabenhöhen der neusten Windenergieanlagengenerationen sowie eine Übersicht der Elektrotankstellen.
Potenzialstudien des LANUV: Die Potenzialstudien des LANUV analysieren die Potenziale für die Erneuerbaren Energien in NRW. Es sind Potenzialstudien zu Windenergie, Solarenergie, Biomasse, Wasserkraft, Pumpspeichern und Geothermie vorhanden: www.energieatlas.nrw.de/site/service/download
Förderrichtlinie progres.nrw - Markteinführung: Im Programmbereich Markteinführung der Förderrichtlinie progres.nrw sind Fördermöglichkeiten elektrische Energiespeicher in Verbindung mit PV-Anlagen und für Wasserkraftanlagen enthalten. Die Richtlinie wird von der Bezirksregierung Arnsberg betreut: www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/f/foerderpro_progres_nrw