26/12/2025
Am Heiligen Abend haben wir in Wolfratshausen der Opfer der Mordweihnacht von 1705 gedacht.
Das Video zeigt einen Ausschnitt der Gedenkfeier.
Viele haben uns geschrieben, dass sie die Worte gern noch einmal in Ruhe lesen möchten.
Darum stellen wir hier die vollständige Rede zum Nachlesen zur Verfügung.
Sie ist Erinnerung, Mahnung und Dankbarkeit zugleich.
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Rede zur Gedenkfeier der Mordweihnacht von 1705 - 2025
320 Jahre Sendlinger Mordweihnacht
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Kameraden,
320 Jahre is her.
Und doch ist des, woran wir heut erinnern,
koa fernes Kapitel aus oam Geschichtsbuch.
Es ist Teil dessen, was Bayern geprägt hat
und bis heute prägt.
Wir stehen heut hier am Heiligen Abend.
An am Dog, der für Frieden steht.
Für Licht. Für Besinnung.
Und grod deswegen erinnern wir an a Zeit,
in der ois verloren ging.
Im Jahr 1705 war Bayern besetzt.
Der Spanische Erbfolgekrieg erschütterte Europa.
Der bayerische Kurfürst Max Emanuel hat si
auf die Seit’n Frankreichs gestellt,
verlor den Krieg
und hat ins Exil gemusst.
Zurück blieb ein Land unter fremder Herrschaft.
Hohe Abgaben.
Rücksichtlose Einquartierungen.
Zwangsrekrutierungen.
Männer san gegen ihren Willen
in fremde Armeen kemma.
Familien san auseinandergerissen worn.
Unzufriedenheit, Angst und Verzweiflung
prägten den Alltag.
Aus dieser Lage heraus san Menschen aufgestanden.
Ned aus Machtstreben.
Ned aus Abenteuerlust.
Sondern aus dem Gefühl heraus,
dass des so ned weitergeh ko.
Im Oberland sammelten sich rund 2.800 Männer.
Bauern, Handwerker, Schützen.
Zur sogenannten Landesdefension aufgerufen, das Tölzer Patent.
Hier wo wir stehen sans durchgezogen
und sammelten sich im Kloster Schäftlarn.
Ihre Bewaffnung war schlecht.
Spieße, Mistgabeln, Dreschflegel.
Nur wenige ham Gewehre ghabt.
Es fehlte an Ausbildung,
an Führung
und an militärischer Erfahrung.
Und trotzdem san sie nach München.
In der Hoffnung,
die Besatzung vertreiben zu können.
Man hatte ihnen Unterstützung versprochen.
Man hatte ihnen gesagt,
die Tore der Stadt würden geöffnet.
Doch als der entscheidende Moment da war,
war niemand da.
Die Oberländer standen allein.
Und sie san trotzdem weitergegangen.
Am 25. Dezember 1705
endete dieser Aufstand in einer Katastrophe.
Vor den Toren Münchens,
in Unter- und Obersendling,
wurden nahezu 1.000 Männer getötet.
Es war kein gerechter Kampf.
Es war ein Massaker.
Sie wurden zusammengepfercht,
flehten um Pardon
vergeblich.
Die kaiserlichen Truppen machten keinen Halt.
Nach dem Massaker
wurden führende Beteiligte
wegen Majestätsverbrechens hingerichtet.
Andere verschleppt,
enthauptet,
geviertelt
und zur Abschreckung öffentlich aufgehängt.
Die Wunden waren tief.
Nicht nur in den Familien.
Sondern im ganzen Oberland.
Kräftige Männer fehlten.
Arbeitskraft, Verantwortung, Zukunft.
Es dauerte über hundert Jahre,
bis sich diese Verluste langsam ausglichen.
Und trotzdem erinnern wir heute
nicht an Verlierer.
Wir erinnern an Menschen,
die eingestanden sind.
Für ihre Heimat.
Für ihre Familien.
Für das, was ihnen wichtig war.
Später hat man von Helden erzählt.
Vom Schmied von Kochel.
Von übermenschlicher Kraft
und letzter Tapferkeit.
Vieles davon ist historisch
nicht eindeutig belegbar.
Und doch haben diese Geschichten Bestand.
Weil ein Volk Legenden braucht.
Nicht, um Geschichte zu verfälschen.
Sondern um Leid zu tragen.
Um Opfer einzuordnen.
Um Sinn zu finden.
Diese Helden stehen stellvertretend
für all jene,
die keinen Namen hinterlassen haben –
aber Haltung.
Und genau das verbindet uns bis heute
mit dem Jahr 1705.
Bayern ist nicht stark,
weil es keine Wunden kennt.
Bayern ist stark,
weil es gelernt hat,
diese Wunden gemeinsam zu tragen.
Zusammenhalt war damals entscheidend.
Und er ist es heute noch.
Auch wir leben in einer Zeit,
in der Freiheit nicht selbstverständlich ist.
In der Gemeinschaft gepflegt werden muss.
In der Werte nicht einfach bleiben,
sondern verteidigt werden müssen –
im Alltag,
in Verantwortung
und im Miteinander.
Heute dürfen wir stolz hier stehen.
Nicht aus Überheblichkeit.
Sondern aus Dankbarkeit.
Dankbar für Frieden.
Dankbar für Gemeinschaft.
Dankbar für eine Heimat,
die von Menschen geprägt wurde,
die bereit waren, für sie einzustehen.
Wir legen zu Ehren derer,
die ihr Leben gegeben haben,
einen Kranz nieder.
Ich wünsche allen eine gesegnete,
friedliche Weihnacht.
Eine Weihnacht,
die an die Vergangenheit erinnert,
unsere Gegenwart stärkt
und uns Hoffnung für die Zukunft gibt.
Auf eine friedliche Weihnacht.
Vivat Bavaria.