Als Vorsitzende des SoVD-Ortsverbands Kirchweyhe freue ich mich sehr, Ihnen heute den Sozialverband Deutschland – kurz: SoVD – in Niedersachsen vorstellen zu dürfen.
„100 Jahre SoVD. 100 Jahre Solidarität.“: Mit diesem Slogan hat unser Verband im vergangenen Jahr sein großes Jubiläum gefeiert. 100 Jahre SoVD? Das sorgt oft für überraschte Gesichter. Dafür klingelt es meist sofort, wenn man „Reichsbund“ sagt. Unter diesem Namen wurde unser Verband 1917 als Selbsthilfeorganisation für Kriegsopfer und Hinterbliebene gegründet. Inzwischen heißen wir schlicht SoVD – das klingt zeitgemäßer und passt besser zu dem modernen Sozialverband, der wir heute sind. Im Mittelpunkt stehen bei uns die Sozialberatung, die sozialpolitische Lobbyarbeit und das Ehrenamt.
Als Niedersachsens größter Sozialverband vertreten wir die Interessen von rund 280.000 Mitgliedern – wenn es sein muss, auch vor Gericht. Wir helfen denen, die alleine nicht zu ihrem Recht kommen!
Dazu stehen wir unseren Mitgliedern in landesweit rund 60 SoVD-Beratungszentren zur Seite und bieten dort eine kompetente und individuelle Beratung zu den Themen Rente, Pflege, Gesundheit, Hartz IV, Behinderung sowie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Darüber hinaus unterstützen wir unsere Mitglieder bei Anträgen, Widerspruchsverfahren und Klagen und vertreten sie gerichtlich – bis hin zum Landessozialgericht.
Hier im Landkreis Diepholz gibt es übrigens gleich zwei SoVD-Beratungszentren – in Sulingen und Syke. Sie sehen also: Der Weg zum SoVD ist immer nah!
Doch nicht nur in der Sozialberatung ist der SoVD ein starker Partner: Als sozialpolitische Lobbyorganisation machen wir auch der Politik Druck – für eine sozialere und gerechtere Gesellschaft, die niemanden an den Rand drückt und jeden Menschen in allen Bereichen uneingeschränkt teilhaben lässt.
Ganz wichtig ist, dass wir dabei stets unabhängig bleiben: Wir führen Gespräche mit politischen Parteien und vielen anderen Organisationen, sind aber weder parteipolitisch noch konfessionell gebunden. Als gemeinnützige Organisation orientiert sich der SoVD allein am Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes. Das heißt, dass wir uns für soziale Gerechtigkeit überall in Deutschland einsetzen – und darüber hinaus auch für ein soziales Europa!
Zu unseren politischen Positionen und Forderungen gehört etwa eine Kehrtwende in der bisherigen Rentenpolitik: Das Ziel der gesetzlichen Rentenversicherung muss wieder die Sicherung des Lebensstandards sein! Darum fordern wir eine stufenweise Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent – so, wie wir es bis 2004 hatten.
Außerdem wollen wir Verbesserungen für diejenigen Rentnerinnen und Rentner erreichen, die trotz ihrer Rente auf ergänzende Leistungen der Grundsicherung im Alter angewiesen sind: Bei ihnen wird die gesetzliche Rente voll angerechnet – mit dem Ergebnis, dass das Gesamteinkommen selbst nach lebenslanger Arbeit nicht die Schwelle zur Grundsicherung überschreitet. Übrigens: Das gleiche Problem haben wir auch bei der Erwerbsminderungsrente.
Der SoVD macht sich deshalb für Freibeträge bei der Grundsicherung im Alter und bei der Erwerbsminderungsrente stark – denn damit würde jeder noch so kleine Rentenbezug zu einem Einkommen oberhalb der Grundsicherung führen!
Wer als Rentner wenig Geld hat und kein Eigenheim besitzt, steht außerdem oft vor dem Problem, wie er seinen Wohnraum finanzieren soll. Noch schwieriger wird es, wenn dieser Wohnraum auch noch barrierefrei sein soll. Denn: Bezahlbare und barrierefreie Wohnungen sind vielerorts Mangelware.
Der SoVD fordert daher einen deutlichen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus und die Förderung von bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum sowie die Beendigung und Rückführung der Privatisierung des öffentlichen Wohnungsbestands.
Ein weiteres zentrales SoVD-Thema, das gerade im Alter oft eine wichtige Rolle spielt, ist die Pflege. Im vergangenen Jahr hat das „Zweite Pflegestärkungsgesetz“ die umfangreichste Pflegereform seit Einführung der solidarischen Pflegeversicherung gebracht. Mit der Neudefinition der Pflegebedürftigkeit werden jetzt endlich auch Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen ausreichend berücksichtigt. Dafür hat der SoVD viele Jahre lang gekämpft!
Trotzdem sind wir noch längst nicht zufrieden: So kritisieren wir zum Beispiel die gesenkten Leistungen für Betroffene mit einem niedrigen Pflegegrad in der stationären Pflege – zumal diese Menschen auch noch durch die unabhängig vom Pflegegrad berechneten Eigenanteile stärker belastet werden.
Grundsätzlich ärgert uns aber auch die mangelnde Stärkung der solidarischen Umlagefinanzierung. Wir fordern deshalb ausdrücklich die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung zu einer Bürgerversicherung, an der sich alle beteiligen müssen!
Viel wichtiger ist mir, dass Sie auch unser aktives Verbandsleben vor Ort kennenlernen: In den rund 1.000 niedersächsischen SoVD-Ortsverbänden engagieren sich mehr als 10.000 Ehrenamtliche. Sie organisieren Treffen, Ausflüge, Veranstaltungen sowie Besuchs- und Nachbarschaftsdienste. Wir lassen niemanden allein!
Das gilt natürlich auch für uns im Ortsverband Kirchweyhe: So bieten wir zum Beispiel Informationsveranstaltungen/Vorträge zu Themen wie z.B. Patientenverfügung/Vorsorgevollmacht, Elternunterhalt, Erben-Vererben an. Der gesellige Teil besteht aus Tagesfahrten, Theaterbesuchen, dem Frauenfrühstück und dem Kerle-Frühstück, Kaffeenachmittagen mit z.B. Gedächtnisquiz oder Tanzen im Sitzen. Außerdem treffen wir uns in den Sommermonaten auf dem Weyher Marktplatz am Infozelt. Dort unterstützen wir die DKMS mit Knochenmarkspendenaktionen. Jeden dritten Dienstag im Monat treffen sich unsere Mitglieder zum Spielenachmittag und angeboten werden auch gemütliche Radtouren um Weyhe herum an.
Falls Sie jetzt neugierig auf den SoVD geworden sind, gilt wie gesagt: Der Weg zu uns ist immer nah!
Rita Wegg, 1.Vorsitzende im SoVD Ortsverband Kirchweyhe
Telefon: 04203 – 78 77 00 oder [email protected]