18/10/2024
Nach der Olympiade Paris 2024
Der Moderne Fünfkampf
Entstehung, Status und Zukunft
Wieder hat der Rotary Club Werder einen "Insider" zu einem interessanten Vortrag zu Gast: Frank Elter, viele Jahre lang Reittrainer in verschiedenen Reitanlagen in Phöben
und anderswo.
Auf "olympischem Niveau" arbeitet er seit 2007 - als Trainer des deutschen Teams der modernen Fünfkämpfer in der Disziplin ‚Reiten‘. In dieser Rolle begleitete er diesen Sommer das deutsche Olympiateam zu den Spielen in Paris.
Zur Historie: Den olympischen Fünfkampf gibt es schon seit dem Anfang von Olympia im Jahre 708 v.u.Z., allerdings ohne das Reiten, das erst 1896 als ‚Moderner Fünfkampf‘ hinzu kam.
Die Teildisziplinen sind entstanden aus der militärischen Meldereiterei: reiten (auch unbekannter Pferde) – absteigen und kämpfen (fechten) – Flüsse und Seen überqueren (schwimmen) – Feinde eliminieren (schießen) – Strecken überwinden auch ohne Pferd (laufen) – schließlich MELDEN.
Die Ergebnisse des deutschen Teams bei der Olympiade in Paris waren im Modernen Fünfkampf – wie auch in vielen anderen Disziplinen – enttäuschend. Im Reiten gab es zwar gute Punktzahlen, aber in den anderen Teildisziplinen eher nicht, so dass die deutschen Athleten abgeschlagene Plätze erreichten. Ein plausibler Grund könnte sein, dass es außer für das Reiten (und ein wenig das Fechten) keine Trainer mit Spezialkenntnissen für die modernen Fünfkämpfer gibt.
Bei der Olympiade davor in Tokio gab es beim "Modernen Fünfkampf" einen Vorfall, der in der Presse als ‚skandalös‘ bezeichnet wurde. Die deutsche Teilnehmerin Annika Schleu hatte damals - nach Aufforderung ihrer Trainerin von der Seitenlinie - ihr Pferd mit der Gerte traktiert. Frank Elter erklärte, dass das damals zu Unrecht enorm hoch gepusht worden ist.
Man hätte danach die Regeln beim Modernen Fünfkampf leicht anpassen können, z.B. durch die Möglichkeit für den Reiter, sich vor dem Wettkampf besser mit dem Pferd vertraut zu machen. Stattdessen hat man eine allzu rabiate Änderung des Wettkampfs vorgenommen und das Reiten einfach durch etwas völlig Anderes ersetzt. Athleten sollen in Zukunft möglichst schnell irgendwelche Bretterzäune hochklettern. Ob das ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten.
Frank Elter beleuchtete auch die Stellung des Pferdesports in der heutigen Gesellschaft. Während das Pferd früher vornehmlich ein Nutztier war für Landwirtschaft, Transport und Militär, wird es heutzutage in erster Linie für den Reitsport und die Freizeit eingesetzt.
Reiten ist so ein Wirtschaftsfaktor ("kein Wunder bei den Preisen"). Außerdem spielt Reiten für die Therapie z.B. von Angststörungen und im Behindertensport eine Rolle.
Es folgte eine lebhafte Fragerunde, in der es z.B. um die Frage ging, ob der Moderne Fünfkampf in seiner geänderten Form (d.h. ohne Reiten) überleben wird.
Foto Rotary Werder