03/08/2026
Hintere Mult - wer profitiert?
Nach der Entscheidung des Gemeinderates vom 15.07., die Bebauung der Hinteren Mult vorläufig nicht weiter zu betreiben, denken wir natürlich zuerst an den Schutz von landwirtschaftlich genutzten Böden und die Landwirte, wenn es darum geht, wem die Entscheidung nutzt. Landerlebnis Weinheim e.V. möchte hier jedoch ganz besonders auf eine Gruppe hinweisen, an die wir nicht sofort denken: die Kinder als Besucher auf dem Hof der Familie Großhans als Lernort.
Der Hof liegt nicht in der Hinteren Mult, aber dort wächst alles, was den Hof ausmacht: hofnahes Futter für die Tiere. So nah an der Stadt ist der Hof ein attraktiver Ort um schon ganz kleine Kinder im Kinderwagen mit Tieren in Kontakt zu bringen, sie zu beruhigen und sogar zum Einschlafen zu bringen. Auch für die Kleinen ist ein Schlepper eindrucksvoll, wenn sie ihn live erleben, was sich sonst nur im Kinderbuch abspielt.
Später im Kindergarten, können die Kinder in Gruppen auf den Hof kommen und mit angepasstem Wissen versorgt werden: wie viel Milch gibt eine Kuh? Wie lange trägt eine Kuh? Wie lange darf das Kalb an der Mutter saugen?
In der Grundschule kommen dann Fragen wie diese hinzu: Wie werden Kühe besamt? Was passiert, wenn die Kuh einen Nagel verschluckt hat? Was frisst die Kuh am liebsten?
In der weiterführenden Schule können naturwissenschaftliche Zusammenhänge vertieft werden: Warum ist es wichtig, dass das Kalb sehr schnell Muttermilch (Colostrum) bekommt? Warum ist es wichtig, dass die Kuh wiederkäut? Wie schmeckt Silage?
Selbst für den Leistungskurs Biologie oder Chemie lassen sich anschaulich komplexere Zusammenhänge erklären und bei den Schülern so als erlebtes Wissen festigen: wie funktioniert die Fettsynthese im Euter? Welche Funktionen hat das gewaltige Mikrobiom im Pansen? Aber alle SchülerInnen lassen sich begeistern, wenn sie sehen, dass die Sahne in einem Glas durch Schütteln plötzlich zu Butter wird, die besonders gut schmeckt, wenn sie auf dem Brot, mit Kräutern an Ort und Stelle verzehrt wird.
Um den Kindern diese Eindrücke zu vermitteln kommen Einrichtungen aus der ganzen Region auf den Hof der Familie Großhans. Sogar aus Ludwigshafen kam kürzlich eine Realschulklasse, denn in der gesamten Vorderpfalz gibt es keinen Milchviehbetrieb mehr. Wöchentlich führt Landerlebnis so Gruppen auf dem Hof um hautnah Wissen zu vermitteln und zu vertiefen.
Ganz nebenbei bekommen die Kinder die Chance sich mit jenen guten Keimen zu versorgen, die demnächst vielleicht sogar in der „Kuhpille“ teuer erworben werden können. Denn nach unzähligen medizinischen Studien ist klar, der Aufenthalt in der Umgebung von Kühen in den ersten 1.000 Lebenstagen, einschließlich der Schwangerschaft, ist wichtig für die Ausbildung eines resilienten Immunsystems.
An Weihnachten und Ostern finden häufig Gottesdienste auf dem Hof statt, denn offenbar sind auch geistliche Botschaften gut in tierischer Umgebung zu vermitteln
So hat der Gemeinderat am Mittwoch eine sehr gute und vor allem eine nachhaltige Entscheidung getroffen, dass dieser Lernort erhalten bleibt und noch viele Kinder in den Genuss kommen, Kühe live und auf dem Bauernhof zu erleben. Dass damit auch die lokale Versorgung mit Milch, Joghurt, Käse und vielem mehr gesichert ist, muss eigentlich nicht auch noch erwähnt werden.