31/08/2026
Es trug sich zu im Jahre des Herrn 2026, da lag das schöne Städtlein Weilburg friedlich an der Lahn, und niemand ahnte, dass sich dort Dinge zutragen würden, von denen man noch lange bei Kerzenschein und einem guten Trunk erzählen sollte. Denn die Pankgrafen hatten eine Forderung an die Stadt, und zwar nicht um ein paar Groschen, sondern um die stattliche Summe von sechstausend Talern. Doch der Bürgermeister von Weilburg, ein Mann von festem Sinn und noch festerem Nein, sprach: „Die Schuld besteht nicht, und damit basta!“ Da half kein Bitten und kein Mahnen, und weil die Menschen von alters her wissen, dass dort, wo das Wort nicht mehr gilt, alsbald das Schwert zu sprechen beginnt, rüsteten sich beide Seiten zum Kampf. Die Pankgrafen zogen mit wehenden Bannern heran, schlugen vor den Toren ihr Lager auf und wurden dabei von Rittern und wackeren Kumpanen aus dem feindlichen Freienfels verstärkt. Auch die Bürgergarde war bereit, geführt von ihrem Hauptmann, der seinen Säbel blank gezogen hatte und wohl nicht daran dachte, ihn so bald wieder aus der Hand zu geben. Zuerst aber sprachen die Kanonen. Laut donnerte es über die Stadt, Rauch stieg gen Himmel, und selbst die Spatzen auf den Dächern sollen erschrocken davon geflogen sein. Dann aber rückten die Pankgrafen vor und stürmten auf den Marktplatz, wo die Bürgergarde ihnen tapfer entgegentrat. Lange wogte die Schlacht hin und her, bald schienen die einen, bald die anderen die Oberhand zu gewinnen. Schließlich aber blitzten die Säbel, und Mann gegen Mann wurde gekämpft, bis die Bürgergardisten Schritt für Schritt zurückweichen mussten. Sie bauten eilig Barrikaden, in der Hoffnung, dem Feind Einhalt zu gebieten. Doch die Pankgrafen brachten einen gewaltigen Rammbock herbei, und was vorher fest und unüberwindlich schien, splitterte und krachte unter seinen Schlägen entzwei. Da blieb der Bürgergarde nur noch der Weg hinauf zum Schloss. Aber auch dort fanden sie keinen Frieden, denn die Pankgrafen folgten ihnen bis in den Schlosshof und drangen immer weiter vor, bis schließlich der Bürgermeister gefangen genommen und streng bewacht hinter Gittern gesetzt wurde. Nun war Weilburg besiegt. Da erkannte auch die Bürgergarde, dass weiterer Widerstand nichts mehr frommen würde, und legte die Waffen nieder. Ihr Hauptmann trat hervor, zog seinen Säbel aus der Scheide und übergab ihn würdevoll dem Sieger. So stand er da, besiegt, aber nicht entehrt. Die Pankgrafen aber stiegen auf den Schlossbalkon und verkündeten ihren Sieg über die Stadt. Doch wie es in guten Märchen manchmal geschieht, nahm die Geschichte noch eine andere Wendung. Denn nach dem Streit kam die Vernunft, und nach der Vernunft kam die Versöhnung. Man setzte sich zusammen und fand einen Ausweg, mit dem alle leben konnten. Weilburg sollte auch künftig eine Vasallenstadt der Pankgrafenschaft bleiben, der Bürgermeister wurde aus seinem Gefängnis entlassen und erhielt die Führung der Stadt im Namen der Pankgrafen auf Lebenszeit. Und weil auch ein tapferer Gegner seine Ehre verdient, bekam selbst der Hauptmann seinen Säbel zurück. Damit hätte die Geschichte nun friedlich enden können – wenn da nicht der Abend gewesen wäre. Denn als die Sonne längst hinter den Bergen verschwunden war und die Schwerter ruhten, begann eine andere, weit heimtückischere Schlacht. Man holte den Schnaps hervor, und so mancher, der am Tage noch tapfer Kanonen, Säbel und Rammbock getrotzt hatte, musste nun feststellen, dass ein kleiner Becher bisweilen mächtiger sein kann als ein ganzes Heer. Einer nach dem anderen wurde von dem geheimnisvollen Geist im Glase besiegt, und manch tapferer Recke soll später nicht mehr recht gewusst haben, ob der Boden unter seinen Füßen stillstand oder heimlich davonlief. So endete die Schlacht um Weilburg schließlich doch noch in Frieden, mit Lachen, Versöhnung und manchem denkwürdigen Trinkspruch. Und wenn die sechstausend Taler nicht inzwischen ausgegeben sind, dann wird wohl noch heute davon gesprochen – und von jenem denkwürdigen Tag im Jahre des Herrn 2026, an dem die Pankgrafen Weilburg eroberten, den Bürgermeister gefangen nahmen, den Hauptmann ehrten und am Ende sogar den Schnaps bezwangen. Wer aber von allen an jenem Abend wirklich der größte Sieger war, das haben die Chronisten bis heute nicht herausgefunden.