Palliativnetz Lörrach

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Auch Popcorn ist Palliative Care 🍿Neuaufnahme in der SAPV.Wie immer stellte ich mich der Patientin mit meinem vollständi...
12/06/2026

Auch Popcorn ist Palliative Care 🍿

Neuaufnahme in der SAPV.

Wie immer stellte ich mich der Patientin mit meinem vollständigen Namen vor. Sie begann zu lächeln und sagte: „Meine Nichte hieß genauso. Sie arbeitete in einer Popcornfabrik.“

Damit war es geschehen.

Von diesem Tag an war ich für sie nur noch „Frau Popcorn“.

Durch ihre Erkrankung war die Patientin häufig wesensverändert. Die Betreuung war nicht immer einfach. Doch jedes Mal, wenn bei meinen Hausbesuchen das Wort Popcorn fiel, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.

Irgendwann versprach ich ihr: „Wir beide machen einmal zusammen Popcorn.“

Da ich nicht wusste, ob ich sie nach meinem Urlaub noch einmal sehen würde, wollte ich dieses Versprechen unbedingt vorher einlösen.

Als ich eines Mittags zu ihr kam, saß sie am Esstisch, den Kopf über den Teller gebeugt. Ich begrüßte sie und legte eine Packung Popcornmais auf den Tisch.

Sie blickte auf, lächelte mich an und sagte:

„Sie haben Ihr Versprechen gehalten.“

Unter ihrer genauen Anleitung machten wir gemeinsam Popcorn. Sie erklärte jeden Schritt, als wäre sie die Küchenchefin und ich der Lehrling.

Als das erste Korn im Topf aufplatzte und das vertraute Ploppen die Küche erfüllte, begann sie zu strahlen. Nach dem ersten Probieren strich sie mir über die Wange und sagte:

„Sie haben mir so eine große Freude gemacht. Der Geruch, das Ploppen im Topf – das hat fast vergessene Erinnerungen in mir geweckt. Es macht mich sehr glücklich.“

Während sie ihr Popcorn genoss, räumte ich die Küche auf. Anschließend legte sie sich für ihren Mittagsschlaf ins Bett.

Als ich mich verabschieden wollte, blieb ich einen Moment in der Tür stehen.

Da lag sie. Die Beine übereinandergeschlagen. Die Popcornschüssel auf dem Bauch. Mit jeder Handbewegung griff sie in die Schüssel und mümmelte zufrieden ihr Popcorn.

Mit strahlenden Augen.

Mit einem Lächeln im Gesicht.

Und für einen Augenblick schien die Krankheit ganz weit weg.

Manchmal ist Palliative Care ein Morphinperfusor.

Manchmal ein schwieriges Gespräch.

Und manchmal ist Palliative Care einfach eine Schüssel Popcorn.

Danke fürs Lesen und Teilen.

Mit den besten Grüßen

Barbara Reiß
Palliativcare Pflegefachkraft
SAPV
Palliativnetz Lörrach












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Wertschätzung in Form von Kalorien ☺️Herzlichen Dank! 😘(Bild: Humor in der Pflege 🤭)            ̈rrach
10/06/2026

Wertschätzung in Form von Kalorien ☺️
Herzlichen Dank! 😘

(Bild: Humor in der Pflege 🤭)












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„Ich fühle mich behütet.“Was macht eine palliative Versorgung wirklich gehaltvoll?Die medizinische Begleitung zur Sympto...
07/06/2026

„Ich fühle mich behütet.“

Was macht eine palliative Versorgung wirklich gehaltvoll?

Die medizinische Begleitung zur Symptomkontrolle lindert körperliche Beschwerden – vorausgesetzt, der Patient kann der Medizin vertrauen.
Oft spielen jedoch ganz andere Faktoren die übergeordnete Rolle:
das soziale Netz, die Autonomie, die zunehmend wacklig wird, das Sich-Einlassen auf Hilfe von anderen. Die eigene innere Haltung sich selbst und dem Leben gegenüber.

Wer gibt mir den nötigen Halt?
Kann ich vertrauen? Den anderen, mir selbst und dem Leben?
Kann ich ihn annehmen, den Mantel der palliativen Versorgung, um mich geborgen fühlen zu können?

Eine gute Versorgung braucht Reflexion und innere Haltung. Eine Bahn zu sich selbst. Eine wechselseitige Beziehung zwischen Patient und Versorgern.
Vertrauen. Zuversicht.
Den Blick auf das Leben.

Geborgenheit.

Eine Tochter, die im gleichen Rhythmus atmet wie ihre sterbende Mutter. Ganz aufmerksam. Bei ihrer Geburt war es andersherum.

Eine Familie, die in der Zeit einer todbringenden Erkrankung sämtliche Erinnerungen lebendig werden lässt. Die das Leben lebt. Nicht mit illusorischen Gedanken, sondern mit liebenden Herzen.
Kleine Momente, erreichbare Ziele, Stunden voller Glück und Gemeinsamkeit bestehen parallel zum Bewusstsein der Erkrankung.
Und sie geben Gehalt.

Die Ode an das Leben.
Das ist Palliative Care.

Danke meinerseits für diese lebensbejahende Begleitung.
Danke, Corinna ☀️

Mit den besten Grüßen

Melanie Gsellinger
Examinierte Krankenschwester
Palliative Care,
Ethikberaterin
Palliativnetz Lörrach gGmbH

Danke fürs Lesen und Teilen.












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Manche Patientinnen bleiben.Nicht in Akten, nicht in Übergaben oder Diagnosen – sondern im Herzen.So wie diese Frau.Eine...
24/05/2026

Manche Patientinnen bleiben.
Nicht in Akten, nicht in Übergaben oder Diagnosen – sondern im Herzen.
So wie diese Frau.

Eine Dame Mitte 80, gezeichnet von Herzinsuffizienz und COPD, voller Beschwerden, voller Ängste, voller Leben. Sie war nicht immer einfach. Sie konnte fordernd sein, manchmal erschöpft, manchmal verzweifelt. Und vielleicht gerade deshalb wurde sie zu einem Menschen, den man nicht einfach vergisst.

Unsere erste Begegnung war im Pflegeheim, in der Kurzzeitpflege. Damals ahnte niemand, dass sich unsere Wege noch so oft kreuzen würden. Später begegneten wir uns wieder in der Palliativversorgung – diesmal bei ihr zuhause. Dort begann eine intensive Zeit. Viele Hausbesuche. Viele Gespräche. Nicht nur über Medikamente oder Symptome, sondern über Sorgen, Einsamkeit, Angst und das Leben selbst.

Das ganze Team kannte sie. Sie rief oft an, wenn die Luft knapp wurde, wenn die Beschwerden stärker wurden oder wenn einfach jemand da sein musste. Und wir waren da. Pflege, Ärzte, Therapeuten, Angehörige – ein multiprofessionelles Netz, das sie getragen hat. Besonders eng war auch der Kontakt zur Tochter. Gemeinsam versuchten wir, ihr Sicherheit zu geben, Halt zu geben, Lebensqualität zu bewahren.

Irgendwann wurde das Zuhause zu klein für die Last der Krankheit. Schweren Herzens zog sie zurück ins Pflegeheim – an den Ort unserer ersten Begegnung. Und wieder begleiteten wir sie dort weiter. Fast so, als hätte sich ein Kreis geschlossen.

Dann kam der Sturz. Das Krankenhaus. Ein Wochenende, an dem ich frei hatte. Sie kam zurück ins Heim, ohne dass ich sie noch einmal sehen konnte. Und am Montagmorgen der Anruf: Sie ist verstorben.

Still. Schnell. Heimlich fast.

Es blieb keine Zeit mehr für ein letztes Gespräch. Kein letzter Händedruck. Kein Abschied. Nur noch der Moment, in dem ich sah, wie das Bestattungsinstitut sie abholte. Und trotzdem brauchte ich genau diesen Augenblick – um sie noch einmal zu sehen. Um zu begreifen, dass sie wirklich gegangen war.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie bis heute immer wieder auftaucht. Nicht, weil etwas falsch gelaufen ist. Sondern weil manche Menschen Spuren hinterlassen, wenn man sie über lange Zeit begleitet. Weil so viel Herz, Zeit, Kraft und Fachwissen in dieser Begleitung steckte. Weil man mitträgt, mithofft, mitfühlt.

Und vielleicht macht es die Sache gerade deshalb nicht „unrund“, sondern menschlich.

Denn obwohl kein letzter Abschied möglich war, war sie nicht allein. Sie war getragen von einem Team, von Fürsorge, von Nähe. Vielleicht war ihr stilles Gehen am Ende sogar genau die Ruhe, die ihr Leben so lange vermissen ließ.

Und vielleicht denkt man an manche Patientinnen nicht deshalb so oft zurück, weil etwas offen geblieben ist – sondern weil die Beziehung bedeutsam war.

Danke für's Lesen und Teilen.

Mit den besten Grüßen
Lina Kandula
Palliativcare Pflegefachkraft
Palliativnetz Lörrach












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22/05/2026
Manche Menschen betreten einen Raum und man spürt sofort:Da ist Leben.Sie war so ein Mensch.60 Jahre alt. ALS.Ein Körper...
18/05/2026

Manche Menschen betreten einen Raum und man spürt sofort:
Da ist Leben.

Sie war so ein Mensch.
60 Jahre alt. ALS.
Ein Körper, der Stück für Stück weniger konnte.
Und gleichzeitig ein Mensch, der so voller Geschichten war, dass man manchmal vergaß, wie krank sie eigentlich war.

Sie sagte einmal zu mir: „Ich habe mein Leben für zwei gelebt.“
Und genau so wirkte sie auch.
Urlaube. Abenteuer. Nächte, über die man besser nicht zu laut spricht.
Eine Frau mit Humor, Temperament und dieser besonderen Art, Menschen mitzureißen.
Keine leise Frau.
Eher eine, die mitten im Leben stand und jede Minute daraus mitgenommen hat.

Über Monate durfte ich sie palliativ begleiten.
Und manchmal passiert etwas Besonderes zwischen Menschen: Es passt einfach.
Wir konnten lachen.
Offen sprechen.
Über Angst, über das Sterben, über das Leben vor der Krankheit.
Über Dinge, die man nicht jedem erzählt.
Und mit der Zeit wurde aus Versorgung Beziehung.

ALS nimmt viel.
Die Kraft.
Die Sprache.
Die Selbstständigkeit.
Aber sie hat sich eines bewahrt: ihren Willen.
Auch am Ende.

Wir haben ihre Medikamente Schritt für Schritt angepasst.
Ganz langsam.
In ihrem Tempo.
Nicht im Tempo der Krankheit.
Nicht im Tempo der Angst anderer Menschen.
Es war nicht immer leicht für die Angehörigen, diesen Weg mitzugehen.
Denn Loslassen tut weh, selbst wenn es liebevoll geschieht.
Und trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass sie genau wusste, was sie brauchte.

Sie durfte ihren Weg gehen.
Mit der Liebe ihrer Familie. Mit der professionellen Unterstützung durch uns.

Kurz bevor sie gegangen ist, konnte ich mich noch von ihr verabschieden.
Die Medikamente waren bereits hoch dosiert, ihre Kraft fast aufgebraucht.
Die Stimme kaum noch da.
Und trotzdem hat sie mich angesehen und mit letzter Kraft ein leises „Danke“ formuliert.
Dieser Moment hat mich tief berührt.
Nicht, weil man dafür Dank erwartet.
Sondern weil darin alles lag: Vertrauen.
Verbindung.
Und das Gefühl, gemeinsam einen schweren Weg getragen zu haben.

Ja.. ihr Tod hat mich traurig gemacht.
Weil manche Menschen bleiben.
Auch dann, wenn sie gegangen sind.

Und ich glaube, genau das gehört auch zur Professionalität in der Palliativarbeit: Nähe zulassen zu können, ohne sich selbst darin zu verlieren.
Trauer auszuhalten, ohne handlungsunfähig zu werden.
Menschen nicht nur medizinisch zu begleiten, sondern ihnen wirklich auf allen Ebenen zu begegnen.
Professionelle Distanz bedeutet nicht, nichts zu fühlen.
Manchmal bedeutet sie vielmehr, Gefühle reflektieren zu können und trotzdem sicher an der Seite eines Menschen zu bleiben.

Ich bin dankbar, dass sie nicht alleine war.
Dass sie ihren Weg in ihrem Tempo gehen durfte.
Und dass Sterben manchmal friedlicher sein kann, als viele Menschen glauben.
Genau in solchen Momenten weiß ich, warum ich diesen Beruf mache..

Danke für's Lesen und Teilen.

Mit den besten Grüßen

Carolin Moschner
Palliativcare Pflegefachkraft
Palliativnetz Lörrach gGmbH












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Viele medizinische Zugänge sehen für Laien zunächst einfach „wie ein Schlauch“ aus. Medizinisch sind diese Systeme jedoc...
06/05/2026

Viele medizinische Zugänge sehen für Laien zunächst einfach „wie ein Schlauch“ aus. Medizinisch sind diese Systeme jedoch strikt funktionell getrennt. Und genau diese Trennung ist eine Sicherheitsbarriere.

Eine getunnelte Drainage zur Ableitung von Aszites oder Pleuraergüssen dient ausschließlich dazu, Flüssigkeit kontrolliert aus dem Körper abzuleiten. Gerade im palliativen Setting sind solche Systeme enorm hilfreich, weil sie belastende Punktionen vermeiden und Menschen zu Hause Luft verschaffen können – im wahrsten Sinne des Wortes. Weniger Atemnot, weniger Druckgefühl, weniger Schmerzen, weniger Hustenreiz. Mehr Lebensqualität.
Diese Drainagen sind dafür gebaut, Flüssigkeit aus dem Körper herauszuleiten – nicht hinein.

Eine PEG- oder PEJ-Sonde hingegen dient der enteralen Ernährung. Darüber werden Wasser, Tee, Medikamente oder Sondennahrung in den Magen oder Dünndarm gegeben, wenn ein Mensch nicht mehr ausreichend schlucken kann. Auch diese Systeme besitzen eigene, bewusst anders konstruierte Anschlüsse.

Und das ist entscheidend: Diese Systeme sind absichtlich nicht kompatibel.

Die Anschlüsse unterscheiden sich in Form, Größe und Mechanik. Teilweise existieren zusätzliche Schutzventile oder Bajonettverschlüsse, die verhindern sollen, dass versehentlich etwas falsch angeschlossen wird. Man soll eben gerade nicht einfach beliebig Nahrung, Flüssigkeit oder Medikamente in irgendeinen Zugang applizieren können.

Wenn also enterale PEG-Nahrung in eine Drainage eingebracht wird, die eigentlich zur Ableitung von Aszites gedacht ist, dann passiert das nicht „mal eben“. Dafür müssen Sicherheitsbarrieren aktiv überwunden werden. Man muss improvisieren, manipulieren und trotz offensichtlicher technischer Inkompatibilität weitermachen.

Spätestens an diesem Punkt hätte jeder innehalten müssen.
Passt das überhaupt? Ist das wirklich der richtige Zugang? Warum lässt sich das nicht regulär verbinden? Hat die Patientin überhaupt eine PEG? Ist das System überhaupt für Ernährung gedacht?
All das sind keine Spezialfragen. Das sind grundlegende Sicherheitsfragen.

Denn gelangt enterale Nahrung in den Bauchraum, kann dies massive Entzündungsreaktionen verursachen – bis hin zu Peritonitis, Abszessbildung, Fistelung und Sepsis.

Einen solchen Verlauf habe ich nun im Rahmen eines Hausbesuchs erlebt.

Die Patientin war frisch aus dem Krankenhaus entlassen worden. Im Entlassbrief fand sich lediglich ein kurzer, beinahe beiläufiger Hinweis, dass zuvor etwa 30 ml PEG-Nahrung "versehentlich" in die Drainage appliziert worden seien aber auch „wieder ausgelaufen“ wären.

In der telefonischen Übergabe durch den Klinikarzt wurde dieser Vorfall jedoch mit keinem einzigen Wort erwähnt.
Beim Hausbesuch öffnete ich den bereits älteren Verband im Bereich der Drainageeintrittsstelle. Offensichtlich war dieser vor Entlassung nicht nochmals kritisch kontrolliert oder frisch versorgt worden.
Unter dem Verband zeigte sich dann ein florider, bereits fistelnder Abszess mit blutig-eitriger Sekretion aus der Bauchwand im Bereich der Drainage. Die Patientin musste unmittelbar wieder chirurgisch eingewiesen werden.

Das ist der Punkt, der mich fachlich und menschlich massiv stört.
Fehler können passieren. Medizin ist nicht fehlerfrei. Darum geht es nicht.
Worum es geht, ist der Umgang mit Fehlern.

Da reicht es eben nicht, lapidar festzuhalten, die applizierte Flüssigkeit sei „größtenteils wieder ausgelaufen“.
Das ist keine Entwarnung. Enterale Nahrung hat im Bauchraum nichts verloren. Punkt.

Wenn eine solche Flüssigkeit über eine Drainage oder Fistelstrecke in den Bauchraum gelangt, ist das nicht harmlos, sondern potenziell hochgefährlich. Es drohen massive Entzündungsreaktionen, Abszessbildung, Peritonitis, Sepsis und im schlimmsten Fall ein klinisches Fiasko.

Deshalb muss einem solchen Ereignis zwingend und unmittelbar auf den Grund gegangen werden:
Was wurde appliziert?
Wie viel wurde appliziert?
Über welchen Zugang wurde es appliziert?
Wie konnte es technisch überhaupt dazu kommen?
Wie viel davon könnte intraperitoneal verblieben sein?
Welche klinischen Konsequenzen drohen?
Welche diagnostischen und therapeutischen Schritte sind jetzt erforderlich?

Es geht mir nicht um Schuldzuweisung als Reflex, sondern um Patientensicherheit, Verantwortungsübernahme und Schadensbegrenzung.

Ein solcher Vorfall verlangt Kontrolle, Evaluation, chirurgische Einschätzung und eine transparente Übergabe.

Wer das lediglich mit dem Hinweis abtut, es sei ja „wieder herausgelaufen“, verkennt die Schwere des Ereignisses.
Denn der Bauchraum ist kein Auffangbehälter für Sondennahrung.

Besonders erschreckend finde ich dabei die offenen Fragen:
Wer hat diese Manipulation durchgeführt?
War ausreichend fachliche Expertise vorhanden?
War examiniertes Pflegepersonal beteiligt oder nicht ausreichend qualifiziertes Hilfspersonal?
Warum wurde nicht hinterfragt, dass die Anschlüsse offensichtlich gar nicht zusammenpassen?
Warum wurde nicht nochmals überprüft, ob überhaupt eine PEG vorhanden ist?
Warum wurde trotz eines derartigen Ereignisses keine engmaschige klinische Kontrolle durchgeführt?
Und warum verliert man darüber in einer mündlichen Übergabe kein einziges Wort?

Was mich zusätzlich massiv irritiert, ist die fehlende letzte Verantwortungsübernahme vor Entlassung. Gerade wenn ein solcher Zwischenfall bekannt ist, genügt es eben nicht, einen älteren Verband auf der Drainage zu belassen und die Patientin nach Hause zu entlassen.
Dann muss nochmals klinisch überprüft werden:
Wie sieht die Eintrittsstelle aus?
Ist dort eine Entzündungsreaktion?
Gibt es Schmerzen?
Gibt es Sekretion?
Ist die Patientin überhaupt entlassfähig?

Genau diese Fürsorgepflicht scheint hier nicht ausreichend wahrgenommen worden zu sein.

Und gerade bei palliativen Patientinnen und Patienten darf niemals eine Haltung entstehen nach dem Motto: „Der Patient ist ja ohnehin palliativ.“

Palliativ bedeutet nicht weniger Medizin.
Nicht weniger Sorgfalt.
Nicht weniger Verantwortung.

Im Gegenteil: Gerade diese Menschen brauchen maximale Fürsorge, professionelle Wachsamkeit und würdevolle Behandlung.

Denn am Ende trägt nicht das System die Folgen. Nicht die Dokumentation. Nicht die Übergabe.

Sondern der Patient.

Danke fürs Lesen und Teilen.

Mit den besten Grüßen
Mario Steffens
Facharzt für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin
Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer
Palliativnetz Lörrach gGmbH












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Das größte Rennen seines LebensDer Helm steht im Wohnzimmer. Sein Name darauf. Seine Blutgruppe.Ein Relikt aus einer Zei...
05/05/2026

Das größte Rennen seines Lebens

Der Helm steht im Wohnzimmer. Sein Name darauf. Seine Blutgruppe.

Ein Relikt aus einer Zeit, in der Geschwindigkeit eine Antwort war.
Er war einer, der ans Limit ging.
Motorrad. Auto. Rennen.
Ein Mann, der wusste, wie es sich anfühlt, wenn der Motor schreit und die Welt sich auf einen Punkt verengt.
Er hat Pokale gewonnen.
Er ist gestürzt.
Er ist dem Tod mehr als einmal von der Schippe gesprungen.
Und jedes Mal ist er wieder aufgestanden.
„Ich hatte immer Glück“, sagt er.
Und man glaubt es ihm.

Jetzt sitzt er da.
86 Jahre alt.
Der Körper müde.
Die Knochen durchzogen von Metastasen – vom Hals bis ins Becken.
Ein Befund, der keinen Spielraum lässt.
Und doch sagt er:
„Das wird schon wieder.“
Er spricht von Rennen, von Kurven, von Maschinen.

Seine Augen leuchten, wenn er auf seine Motorräder zeigt, die in der Wohnung verteilt stehen wie stille Zeugen eines anderen Lebens.
In diesen Momenten ist er wieder der, der er war: schnell, wach, unverwundbar.

Aber der Gegner hat sich verändert.
Der Tumor fährt kein sichtbares Rennen.
Er hat keinen Motor, keinen Lärm, keine Startlinie.
Er ist einfach da.
Leise. Konsequent. Unaufhaltsam.
Und er ist schneller.
Der Schmerz liegt bei acht. (Schmerzskala 0-10/10)
Konstant.
Unbeeindruckt von Fentanyl, Morphin, Hydromorphon.

Medikamente, die bei anderen Menschen Welten verschieben, prallen an ihm ab wie Regen an einer Windschutzscheibe.
„Ich könnte sie nehmen wie Bonbons“, sagt er.
Und meint damit: Es hilft nichts.

Das ist der Moment, in dem man verstehen muss:
Das hier ist kein Rennen mehr, das man gewinnen kann.
Denn der Schmerz sitzt tiefer.
Nicht nur in den Knochen.
Sondern im Verlust von Geschwindigkeit.
Im Verlust von Kontrolle.
Im Verlust dessen, was ihn ausgemacht hat.

Ein Rennfahrer, der nicht mehr fahren kann.
Ein Kämpfer, der merkt, dass der Kampf kein Ziel mehr hat.
Und trotzdem kämpft er weiter.
Er geht in die Werkstatt.
Versucht, Dinge zu tun, die früher selbstverständlich waren.
Scheitert an Kleinigkeiten.
Kommt außer Atem.
Setzt sich wieder hin.
Und sagt dann:
„Das wird schon wieder.“
Es ist kein Irrtum.
Es ist ein Schutz.
Denn was wäre die Alternative?
Zu sagen: Das war’s?
Er weiß, wo die Reise hingeht.
Er sagt es selbst.
Und doch hält er fest an diesem einen Satz, der ihn sein ganzes Leben getragen hat.
Glück.

Vielleicht ist das seine letzte Strategie.
Nicht schneller sein als der Tumor.
Sondern ihm innerlich einen Schritt voraus.
Nicht auf der Strecke.
Sondern in der Haltung.
Das größte Rennen seines Lebens ist kein Rennen gegen den Tumor.
Es ist ein Rennen darum, wer er bleibt, wenn er nicht mehr fahren kann.

Und vielleicht besteht der Sieg am Ende nicht darin, anzukommen.
Sondern darin, nicht aufzugeben, wer man war –
selbst wenn der Körper längst ausgestiegen ist.

Danke fürs Lesen und Teilen.

Mit den besten Grüßen
Mario Steffens
Facharzt für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin
Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer
Palliativnetz Lörrach gGmbH












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Heute startet der Kinderlebenslauf vom Bundesverband Kinderhospiz Der Fackellauf beginnt in Berlin und zieht sich bis 11...
16/04/2026

Heute startet der Kinderlebenslauf vom Bundesverband Kinderhospiz
Der Fackellauf beginnt in Berlin und zieht sich bis 11.10.26 durch ganz Deutschland
Und wir sind mit dabei !!!!
Anfang August erhalten wir die Fackel und am 8.8.2026 werden wir dann zusammen mit Myokin gGMBH den Aktionstag starten .
Weitere Infos folgen .........

Danke fürs Lesen und Teilen.












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Wo die Masken fallen, wird der Mensch sichtbarDie Authentizität des Menschen relativiert die Angst vor dem Tod. Thomas M...
04/04/2026

Wo die Masken fallen, wird der Mensch sichtbar

Die Authentizität des Menschen relativiert die Angst vor dem Tod. Thomas Mann beschreibt, dass sich die Krankheit „ihren Mann richtet“. Gemeint ist ein Prozess der Klärung: Krankheit reduziert, priorisiert und legt offen, was trägt. In der Palliativmedizin ist das keine Theorie, sondern tägliche Praxis.

Präsenz entsteht nicht durch Intervention, sondern durch Haltung. Entscheidend ist das Konkrete: zuhören, aushalten, nicht sofort korrigieren. Wer permanent steuert, verliert den Zugang. Wer wahrnimmt, gewinnt Orientierung.

Im Alltag zeigt sich, wie fragil diese Haltung ist: fehlende Rücksicht, Kommunikation, die sich durchsetzt statt versteht, Grenzverschiebungen im Kleinen. Das ist kein Randphänomen. Es setzt sich fort bis in medizinische Entscheidungen.

Die zentrale Frage ist daher nicht, was wir tun, sondern wie wir antworten. Achtsame Kommunikation ist kein Idealzustand, sondern eine Feinheit. Sie zeigt sich im Raumlassen, im Verzicht auf vorschnelle Deutung, im Aushalten von Ambivalenz.
Giovanni Maio beschreibt die Verletzlichkeit als Grundbedingung des Menschseins.

Im palliativmedizinischen Kontext wird das konkret: Begrenzung, Kontrollverlust, Abhängigkeit. Daraus entstehen keine Defizite, sondern Voraussetzungen für Beziehung. Ohne Verletzlichkeit keine Resonanz.

Die Anerkennung dieser Verletzlichkeit verändert die Perspektive. Nicht Kontrolle steht im Vordergrund, sondern Abstimmung. Nicht Maximierung, sondern Angemessenheit. Das betrifft Symptomkontrolle ebenso wie Kommunikation und Therapieentscheidungen.

Im Angesicht des Todes verlieren Rollen an Bedeutung. Übrig bleibt die Person. Das ist keine Dramatisierung, sondern Reduktion. Für die Versorgung bedeutet das: weniger Standardisierung, mehr Kontextsensibilität.

Nicht jede Situation ist lösbar. Lebensqualität entsteht häufig im Umgang mit dem Gegebenen, nicht in dessen Beseitigung. Integration statt Überwindung. Das ist ein realistischer Ansatz.
Meine Gefühle.
Mein Körper.
Meine Bedürfnisse.
Mein Weg.
Meine Geschichte.

Diese Perspektive ist handlungsleitend. Sie verschiebt den Fokus von der Maßnahme auf den Menschen.
Enden gehört zum Verlauf. Zulassen ist keine Passivität, sondern eine bewusste Entscheidung im Rahmen dessen, was noch sinnvoll und angemessen ist.

Ein funktionierendes Nebeneinander – zwischen Professionellen, Angehörigen und Patient – ist oft realistischer als ein idealisiertes Miteinander. Wenn es gelingt, entsteht daraus Zusammenarbeit.
Demut und Dankbarkeit sind keine Konzepte, sondern Effekte dieser Perspektive: Begrenzung wird akzeptiert, Handlungsspielräume werden klarer.

Ferdinand Hodler wollte das Schreckgespenst im Angesicht des Todes vermeiden. Seine Bilder seiner sterbenden Frau sind keine Verklärung, aber auch keine Abwehr. Sie zeigen, was ist – reduziert, unmittelbar, ohne Ausweichen.

Dabei bleibt etwas erhalten, das oft übersehen wird: Sinnlichkeit. Der Blick, die Haut, die Präsenz im Raum. Auch im Sterben ist der Mensch wahrnehmbar – nicht als medizinischer Zustand, sondern als Person.

Darin liegt eine Form von Schönheit. Nicht idealisiert, sondern als Folge genauer Wahrnehmung. Wer hinschaut, erkennt: Der Tod entzieht dem Menschen nicht seine Erscheinung. Er verändert sie.
Für die Palliativmedizin ist das keine ästhetische Randbemerkung, sondern eine Haltung: nicht wegsehen, nicht überformen, sondern wahrnehmen. Genau darin entsteht Orientierung.

Danke fürs Lesen und Teilen.

Mit den besten Grüßen und frohe Ostern

Melanie Gsellinger
Exam. Krankenschwester
Palliative Care, Ethikberatung
Palliativnetz Lörrach gGmbH












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