22/10/2026
Kleidung heißt„gabàm und Bub „puо"
TAGUNG: Erstaunliche Gesprăche in einem Tal, wo Zimbrisch schon seit langem erloschen scheint
In: Dolomiten, 20. Oktober 2026, Rubrik "Minderheiten", S. 18.
Sie seien am Aussterben oder gar schon tot, heißt es schon seit vielen Jahren über die Zimbern. Doch sie sind noch erstaunlich lebendig. Und sie leben zwar in den Bergen, jedoch nicht hinter dem Mond, daher nutzen sie alle verfügbaren Mittel, um ihre althergebrachte Sprache zu dokumentieren und möglichst zu erhalten - auch Künstliche Intelligenz.
Das heikle Thema Standardvariante
Damit berührte Corradi ein heikles Thema, das viele, vor allem sehr kleine Minderheiten betrifft: Da jede Minderheitensprache bzw. Mundart aus einer Vielzahl lokaler Varianten besteht ist besteht, ist die Frage, ob sich die Sprecher zwecks besserer Überlebenschancen auf eine Standardvariante einigen kön-nen. Denn genau darum geht es beim Erarbeiten eines Wörterbuchs, und an dieser Frage zerspittem nicht wenige Sprachgemeinschaften. Das gilt auch für die Zimbern und wird deutlich, wenn Zimbern aus den Sieben Gemeinden das erst vor zwei Jahren vorgestellte neue Wörterbuch von Univ.-Prof. Luca Panieri aus Mailand als fehlerhaft und künstlich kritisieren. Auf der Hochfläche von Sleghe/Asiago gibt es seit Jahren zwei Zimbern-Vereinigungen, die mittlerweile auch um Fördermittel der Region Veneto konkurrieren.
Die Zersplitterung wird aber auch daran deutlich, dass bei der Tagung in Pleif neben dem Wörterbuch des Zimbrischen der Corradis ein weiteres aus dem Geblet der 13 Gemeinden vorgestellt wurde: Daran arbeiten Nicolò Bonioli und Riccado Ferracin, die im Vorjahr den Verein Tzimbar APS (tautsch.it/lassociazione) gegründet haben. Sie wollen das Interesse am Zimbrischen von Ljetzan (italienisch Giazza) wachhalten. Damit steht der Verein in Konkurrenz zum 1974 gegründeten Curatorium Cimbricum Veronense. "Es gibt Leute, die auf Whatsapp in Zimbrisch schreiben", sagt Bonioll, ist sich aber im Klaren, dass in der überaus abgelegenen Ortschaft Ljetzan keine zwei Handvoll Menschen mehr leben, die die Sprache noch von ihren Vorfahren gelernt haben. In den übrigen Ortschaften der 13 Gemeinden ist die Sprache schon lange erloschen. Auch Boniolis und Ferracins Worterbuch ist bereits online: (tautsch.smallcodes.com).
https://www.zimbrisch.de/artikel-zimbern.html
https://sprachminderheiten.de/20261020%20Dolomiten.pdf