09/10/2026
🖤🦔 Manche Geschichten dürfen niemals in Vergessenheit geraten …
Vor 2,5 Jahren haben wir Mario verloren. Einen Igel, der durch einen unachtsamen Einsatz eines Freischneiders so schwer verletzt wurde, dass am Ende alle Liebe, Fürsorge und tierärztliche Hilfe nicht mehr ausreichten, um sein Leben zu retten. 💔
Letzte Woche wurde an der Futterstelle einer befreundeten Igelpflegestelle erneut ein Igel mit schweren Verletzungen durch einen Freischneider gefunden. Zum Glück ist dieser kleine Kämpfer inzwischen auf dem Weg der Besserung. 🍀❤️
Doch dieser Vorfall hat die Erinnerungen an Mario wieder wachgerufen.
Deshalb möchte ich seine Geschichte aus dem Januar 2024 noch einmal mit Euch teilen.
Nicht, um Schuld zuzuweisen, sondern um wachzurütteln!
Bitte schaut vor dem Einsatz von Freischneidern, Motorsensen und anderen Gartengeräten ganz genau hin. Unter Hecken, Büschen und im hohen Gras könnte ein kleines Leben verborgen sein.
Mario hatte keine zweite Chance. Andere Igel könnten sie haben – wenn wir rechtzeitig hinschauen.
Und deshalb soll Mario heute noch einmal seine Geschichte erzählen …
Ich war Mario 🖤
Der letzte Herbst war wirklich toll, denn ich fand genug zu essen und konnte mit einem gutem Gewicht beruhigt in den Winterschlaf gehen. Ich baute mir ein schönes Nest unter einer Hecke und schlief glückselig ein, träumte vom nächsten Frühling und einem schönen neuen Igeljahr.
Doch vor ungefähr zwei Wochen spürte ich tief im Unterbewusstsein einen heftigen Schlag. Langsam fuhr ich meinen Kreislauf hoch und je wacher ich wurde, umso größer wurden die Schmerzen.
Was war denn bloß passiert? Als ich komplett erwacht war und die Schmerzen unerträglich wurden, kroch ich aus meinem Nest und suchte Hilfe. Jeder Schritt tat mir so unbeschreiblich weh.
Zum Glück fand mich eine Igelfreudin, in deren Garten ich mich mit letzter Kraft geschleppt hatte. Sie hob mich sanft auf und brachte mich sofort zur Igelhilfe. Der Blick der Igelmama, die mich liebevoll in Empfang nahm, ließ nichts Gutes erahnen. Sie sagte etwas von Fadentrimmer oder Tellersense und welcher unwissende Mensch dieses Gerät so unachtsam benutzen würde, vor allem zu dieser Jahreszeit. Ich bekam ein Medikament und langsam ließen die Schmerzen wenigstens etwas nach. Die Igelmama versuchte meine Verletzung so gut es ging zu reinigen und fütterte mich, denn ich hatte vor Schmerzen keinen Appetit.
Am nächsten Tag sagte sie „Wenn Dir einer helfen kann, dann ist das unsere Wildtierärztin!“ und so fuhr sie mit mir los. Auch der Blick der Tierärztin sprach Bände, aber sie versprach mir zu helfen. Noch am gleichen Abend legte sie mich schlafen und operierte meine große Wunde. Ich durfte sogar mit zu ihr nach Hause, damit sie mich genau im Auge behalten konnte. Da ich weiterhin keinen Appetit hatte, bekam ich Infusionen und wurde per Hand zugefüttert.
Leider verheilte meine Verletzung nicht gut und so musste ich vor ein paar Tagen erneut operiert werden. Danach heilte die Wunde besser, ich war fit und habe sogar zugenommen.
Doch gestern Abend war dann irgendwie alles anders. Ich war so schlapp, mir war kalt und ich war so unsagbar müde. Meine Kräfte verließen mich und ich schlief ein. Meine kleine Seele bekam Flügelchen.
Doch bevor ich für immer gehe, möchte ich Euch noch etwas mit auf den Weg geben:
Wir Igel leben so gerne unter Euch, doch die Natur und auch Ihr, macht uns das Leben immer schwerer. Lasst uns bitte Verstecke und Unterschlüpfe im Garten und lasst die Natur einfach Natur sein. Wenn Ihr mit Gartengeräten hantieren müsst, schaut bitte vorher unter Hecken und Büschen nach, ob dort nicht irgendwo ein Igel schläft. Verletzte Igel leiden und sterben still.
Nur mit ganz viel Glück werden sie von aufmerksamen Igelfreuden gefunden. Auch wenn wir tagsüber unterwegs sind, sind wir meistens krank oder verletzt und benötigen Hilfe.
Und ganz wichtig: bitte füttert uns unbedingt zu. Das vorangeschrittene Insektensterben bedeutet auch unseren Tod, denn wir finden nicht mehr genug Nahrung und irgendwann werden wir einfach verschwunden sein. Lasst das bitte nicht zu, denn wir gehören zu den ältesten Säugetieren der Welt. Wir haben ein Recht darauf auch weiterhin mit Euch zu leben, denn wir waren schließlich lange vor Euch da.
Doch nun ist es Zeit für mich zu gehen.
Ich breite meine Flügelchen aus, winke Euch zum Abschied und fliege zu den Sternen.
Mögen Euch meine Worte erreichen und mein Tod nicht sinnlos gewesen sein.
Lebt wohl.
Euer Mario 🦔