24/04/2026
🧺 Waschtag – früher in Merzhausen…
Der Waschtag war früher in Merzhausen kein kurzer Handgriff, sondern ein ganzer Kraftakt. Gewaschen wurde nur, wenn zwischen den Feldarbeiten überhaupt Zeit blieb – oft im Sommer zwischen Heu- und Getreideernte. Kleidung wurde so lange getragen, wie es ging, denn Waschen bedeutete harte, stundenlange Arbeit.
Am Abend zuvor wurde die Wäsche eingeweicht, am nächsten Tag im Kessel über offenem Feuer gekocht, gestampft, geschrubbt und von Hand ausgewrungen. Doch die größte Herausforderung war oft das Wasser. In Merzhausen war es damals knapp – die Wasserleitung gab nicht viel her, und das Vieh hatte immer Vorrang.
Es gab Ziehbrunnen, an denen das Wasser mühsam mit Eimern an Ketten nach oben geholt wurde. Der Brunnen vorm Pfarrhaus war für viele der nächste, dort mussten schon die Kinder Wasser für die Kühe holen. Trinkwasser wurde bei Hankurts im Hof geholt. In trockenen Sommern lief die Wasserleitung oft nur stundenweise.
Unten in den Wiesen im Gründchen lag der Wimbacher Born – eine der wenigen Stellen, an denen es immer Wasser gab. Wenn die Knappheit groß war, fuhr man mit dem Puddelfass und Pferdewagen dorthin, schöpfte Eimer für Eimer – auch hier halfen die Kinder selbstverständlich mit.
Zum Auswaschen wurde die Wäsche in großen Bütten auf einen Handwagen geladen und den Wimbacher Berg hinuntergebracht. Unsere Oma machte sich auf den Weg, wir Kinder mussten mithelfen. Stundenlang wurde gespült, die saubere Wäsche auf der Wiese zum Trocknen ausgebreitet. Erst gegen Abend ging es, erschöpft, wieder bergauf nach Hause.
All das ist lange her – doch die Erinnerungen daran sind bis heute lebendig. Sie erzählen von harter Arbeit, Zusammenhalt und einem Alltag, der uns heute kaum noch vorstellbar ist. 💭
✍️ Erzählung von Liselotte Herrmann
📷 Quelle des Bildes: Heimatarchiv der Dorfgemeinschaft Merzhausen