01/05/2026
Freundeskreis Peru Amazonico e.V.
Asociación Amigos del Perú Amazónico
Rundbrief Frühjahr 2026 - Neues aus den Projekten:
Technologie im Indigenen Waldschutz - das Projekt hat zum Ziel, die territorialen Überwachungskapazitäten indigener GemeinschaŌen in der Region Ucayali durch den Einsatz
geeigneter Technologien zu stärken, um externe Bedrohungen ihrer angestammten Gebietezu verringern, zu verhindern bzw.
darauf zu reagieren. Das Projekt startete am 1.11.2025 und hat eine
Laufzeit von einem Jahr. Der Lokale Träger Bari Wesna konnte sehr bald erste InvesƟƟonen in Drohnen, die RekruƟerung des Projektpersonals sowie erste Workshops für die Schulung
kommunaler Waldschützer realisieren.
Anfang 2026 zeigte sich jedoch, dass es zu Abweichungen zwischen dem eingeschlagenen Realisierungspfad und der genehmigten Projekt- und MaßnahmenkonzepƟon kam. Zur Reorientierung des Projekts auf die ursprüngliche Konzeption entsprechend der Planungsmatrix wurden daher vereinbart: Die Projektleitung des lokalen Trägers auszuwechseln, die Zahl der Schulungsteilnehmenden auf 75 zu erhöhen und die Workshops in
drei Korridoren dezentral zu orienƟeren.
Unser Projekt: „Entwicklung indigener Gemeinschaften und Erhalt der Fischgründe in der Landschaft Imiría – Chauya“ mit unserem Projektpartner FECONAU ist Anfang Dezember angelaufen. Mit drei erfolgreichen Auftaktveranstaltungen unter Beteiligung unseres Projektkoordinators Marc Kapust wurde es offiziell bekannt gemacht. Indigene Gemeinden und Dörfer von Mestizen ent-
schieden gemeinsam, welche Wertschöpfungsketten sie künftig stärken wollen – von nachhaltiger Fischerei über Bijao (Blätter zum Einwickeln von Lebensmitteln), Aguaje (Sumpfpalme) bis hin zu Honig von stachellosen Bienen (Melipona). In den Gemeindever-
sammlungen in Caimito, Junín Pablo und Nuevo Loreto diskutierten Apus (indigene Führer), lokale Autoritäten und die Bevölkerung über Maßnahmen, beteiligte Akteure und die Organisation der Zusammenarbeit. Rund 150 Teilnehmende unterstrichen das große Interesse und die hohe Akzeptanz des Projekts. Alle vier Projektbe-
reiche stießen auf großes Interesse und bilden nun die Grundlage für die weitere Umsetzung. Die Datenschutzrichtlinie wurde öffentlich vorgestellt und von den Gemeinden bestätigt. Zudem wurden lokale Fachkräfte in das Projektteam aufgenommen, die künftig eine wichtige Rolle in der Kommunikation und Umsetzung vor Ort übernehmen.
Fazit: Der erfolgreiche Auftakt zeigt: Das Projekt ist in den Gemeinden verankert. Die Umsetzzung durch indigene Föderationen stärkt Vertrauen, Eigenverantwortung und aktive Beteiligung – und legt den Grundstein für nachhaltige Entwicklung in dem Seengebiet Imiría-Chauya.
Ende März kam eine erneute erfreuliche Nachricht aus Bonn: Das Projekt „Impulse für Nachhaltige Alternativen in der Landwirtschaft“ (INAL) wurde bewilligt. Damit waren die intensiven Anstrengungen im Projektkoordinierungsausschuss mit seinem Sprecher Michael
Hendrichs von Erfolg gekrönt. Es startet Anfang April und läuft bis Sept. 2027. Unser Partner in Peru ist IDMA, eine seit Jahrzehnten bewährte Organisation im Bereich ökologische Landwirtschaft. Das Projektgebiet konzentriert sich auf den Distrikt Luyando bei Tingo
Maria wo die Ausweitung der konventionellen Landwirtschaft eine gravierende ökologische und soziale Degradation verursacht. Dieses landwirtschaftliche Modell führt zu Waldverlust, Reduzierung der Biodiversität, Ernährungsunsicherheit und zur Schwächung lokaler Kulturen. Angesichts dieser ökologischen und sozialen Krise erweist sich die ökologische und nachhaltige Landwirtschaft als eine ganzheitliche Lösung. Von den fünf beteiligten Dörfern haben drei bereits in einem früheren Projekt von uns teilgenommen. Unter den insgesamt 50 teilnehmenden Familien sind 12 beteiligt, die bereits Erfahrung im Bereich der Agrarökologie haben. Das Projekt wird mit 30 Frauen zusammenarbeiten, was einem Anteil von 60 % entspricht. Es werden Kaffee, Kakao, Bananen, Zitrusfrüchte, Maniok
und Gemüse angebaut, weitgehend für den Eigenverbrauch. Das Projekt soll den Zugang zu Öko-Märkten öffnen. Zur ZerƟfizierung der ökologischen ProdukƟon aus familiärer Landwirt-
schaft wird man mit dem partizipativen Garantiesystem (PGS) arbeiten. Es ist eine auf Vertrauen basierende Zertifizierungsalternative, die dem Verbraucher die Einhaltung der Qualitätsstandards des Produktionssystems garanƟert. In unserem früheren Projekt „Allianz für nachhaltige Waldlandschaften“ hatten zweihundert Bauern bereits erste Erfahrungen mit PGS gemacht. Eine weitere Komponente ist die Verbesserung der Umweltbildung an einer Schule.
Das Projekt wird auch in enger Zusammenarbeit mit der Distriktgemeinde Luyando umgesetzt. IDMA hat mit der Verwaltung von Luyando eine Vereinbarung unterzeichnet, um den
finanziellen Eigenbeitrag am Projekt offiziell abzusichern. Luyando wird auch Räumlichkeiten für das Projektbüro zur Verfügung stellen.
Die Unterstützung der Vereinigung der Ökobauern von Nueva Barranca (südlich von Pucallpa am Rio Ucayali) bei der Anschaffung einer neuen Zuckerrohrpresse konkretisiert sich immer mehr. Um dem Ganzen eine gute organisatorische Struktur zu geben haben wir als ersten Schritt mit Hilfe unseres langjährigen Partners
Raul Tello die formale Gründung der ASOCIACIÓN DE PRODUCTORES ORGÁNICOS de Nueva Barranca (APO) unterstützt.
Neue Mitglieder wurden aufgenommen, eine neue Satzung von den Mitgliedern der APO genehmigt und die notarielle Ein-
schreibung bei der Aufsichtsbehörde für öffentliche Register in Pucallpa vorgenommen. Damit sind die Voraussetzungen für die Eröffnung eines eigenen Bankkontos erfüllt.
Im Juli letzten Jahres hatten wir eine humanitäre Soforthilfe in Höhe von 5.675 Euro für sechs von Überschwemmungen in der letzten Regenzeit schwer getroffene Shipibo-Dörfer bereitgestellt. Die über ihre Ufer getretenen Flüsse Ucayali und Aguaytia überschwemmten Wohn- und Anbaugebiete im Großraum Pucallpa und zerstörten Anpflanzungen. Unsere finanzielle Hilfe ermöglichte den Betroffenen, ihre Notlage zu lindern. Wir arbeiteten dabei mit der Föderation der indigenen Gemeinden in Ucayali (FECONAU) zusammen, die uns Anfang Februar einen ausführlichen Bericht geschickt hat. Mit den bereitgestellten Mitteln wurden Saatgut und Werkzeuge beschafft. An erster Stelle stand der Anbau schnell wachsender Kulturen wie Bohnen, Reis, Maniok und Kürbis sowie die Produktion von Futter für die Hühner auf der Grundlage von Hirse und Mais auf den flussnahen, fruchtbaren Flächen. Diese Pflanzen konnten noch vor der neuen Regenzeit geerntet werden. Des Weiteren wurden auch Setzlinge von Camu Camu gepflanzt, ein Baum mit vitamin-C-halƟgen Früchten, der Überschwem-
mungen übersteht. Küken und Futter für die Hühnerhaltung wurden ebenfalls verteilt. Die Ställe wurden auf einer Anhöhe errichtet, um Überschwemmungen in Zeiten von Hochwasser zu vermeiden. Die Umsetzung erfolgte in enger Abstmmung mit den Gemeindebehörden und wurde transparent dokumentiert. Die Unterstützung verband humanitäre Soforthilfe mit nachhaltigen, zukunftsorientierten Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz gegenüber Klimarisiken. Unser herzlicher Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, die mit ihrem Engagement einen konkreten und nachhalƟgen Beitrag zur Sicherung der Lebensgrundlagen indigener Familien im peruanischen Amazonasgebiet geleistet haben.
Anfang März erhielten wir vom Direktor der Agrarschule Sta. Rosa de Yarinacocha einen Bericht über das von uns mit 1.300 Euro unterstützte Projekt zur Förderung der Ökolandwirtschaft. Die
Schule ist gut vernetzt und erhielt zur Umsetzung des Projekts Unterstützung von diversen Institutionen: INIA (staatl. Forschungsinstitut), Landwirtschaftsministerium, Biokuka (Waldgarten von Raul Tello), Umweltgruppe des Vikariats
von Pucallpa, Praktikanten der Universität UNIA u.a. Folgende Aktivitäten wurden im Einzelnen durchgeführt:
Anlage einer Agroforsƞläche mit Bananen, verschiedenen Waldbäumen, Zitrusfrüchten und Bodendeckern.
Herstellung von flüssigem und festem organischem Dünger (Kompost, Bokashi und Biol) sowie Schulungen zur Herstellung von ökologischen Insekten- und Pilzbekämpfungsmitteln, Aschebrühe usw.
Gemüseproduktion: Caigua, Koriander, Zucchini – soll noch erweitert werden.
Produktion von Setzlingen von Obst-, Forst- und exoƟschen Pflanzen in der Baumschule.
Die Aktivitäten laufen auch in diesem Jahr weiter.