20/06/2026
Es ist Sommer, die Zeit der heißen und besonders heißen Tage. Wenn wir in diesen Tagen in Übungen und Einsätzen unterwegs sind, treffen wir verschiedene Maßnahmen, um unsere vierbeinigen Kameraden vor Überhitzung schützen. Diese reichen von einer Unterbringung in klimatisierten Fahrzeugen über den Einsatz von Schattennetzen und Kühlwesten bis hin zu ganz banalen Dingen wie Fell, das vor einer Suche mit reichlich Wasser durchtränkt wird.
Ebenso wichtig ist allerdings, im Notfall zu wissen, wie man einen überhitzten Hund bestmöglich versorgt 🩺🚑⛑
Leider halten sich bei diesem Thema hartnäckig Falschinformationen und Mythen, die einen Hund im Ernstfall das Leben kosten können - und die leider bis heute selbst von Tierrettungen munter geteilt werden. Wir setzen, wenn es um den Schutz unserer vierbeinigen Kameraden geht, auf die Erfahrung und die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse der Veterinary Tactical Group, einer Gruppe erfahrener, hervorragend ausgebildeter Tierärzte in den USA, die sich der Versorgung von Einsatzhunden verschrieben hat.
Hier sind ihre Tipps (Achtung, viel Text!):
1) Die Körpertemperatur alleine sagt nicht zwingend etwas darüber aus, ob ein Hund überhitzt ist oder nicht. Sehr gut trainierte Hunde sind in der Lage, höhere Körpertemperaturen zu tolerieren als andere, die dann bereits einen Hitzschlag erleiden. Besser ist es daher, auf das Verhalten des Hundes zu achten.
Warnzeichen für eine Überhitzung sind
⚠️ unkontrolliertes Hecheln, das auch dann nicht stoppt, wenn dem Hund ein Objekt der besonderen Begierde gezeigt wird (z.B. der Lieblingsball)
⚠️ eine schlaffe (!), weit heraushängende Zunge mit reduzierter Muskelspannung
⚠️ verzögertes Reagieren auf oder Ignorieren von Kommandos, die der Hund sonst problemlos beherrscht und ausführt
⚠️ Koordinationsprobleme wie Stolpern, Taumeln oder Straucheln
⚠️ Aktives Schattensuchen
2) Ist ein Hund überhitzt, ist ein SCHNELLES ABKÜHLEN der wichtigste Schritt, um sein Leben zu retten. Dabei ist Eiswasser ebenso in Ordnung wie kalte, nasse Handtücher - alles, was kälter ist als der Hund, hilft!
Ein überhitzter Hund muss so schnell wie möglich und mit allen Mitteln abgekühlt werden, die in der Situation zur Verfügung stehen. Jede Minute, die er länger überhitzt ist, richtet unter Umständen irreparablen Schaden an. Eiswasser hat man unterwegs in der Regel nicht dabei. Aber eventuell ist man an einem Gewässer unterwegs, hat Zugriff auf einen Gartenschlauch oder einfach einen Kanister mit Wasser im Auto. Macht den Hund klatschnass. Nicht langsam und zuerst an den Pfoten, sondern vollständig und so schnell wie möglich.
Achtung: Sobald die Körpertemperatur des überhitzten Hundes 40 Grad erreicht, kann das Kühlen vorerst eingestellt werden. Danach sollte die Temperatur weiterhin gemessen werden, da vormals überhitzte Hunde im Nachgang oft Probleme haben, ihre Körpertemperaturen zu regulieren und nun unter Umständen unterkühlen.
3) Erst kühlen, dann transportieren. Auch wenn es nur zehn Minuten bis zum Tierarzt sind: Es sind zehn Minuten zu viel, in denen der Hund weiterhin überhitzt ist. Macht den Hund nass, kühlt ihn auf 40 Grad Körpertemperatur, und fahrt dann sofort zum Tierarzt. Warnt den Tierarzt vor, dass ihr kommt. Ein Hitzschlag ist ein Notfall!
Wer es selbst nachlesen mag, hier sind relevante wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10385239/
https://www.researchgate.net/publication/227176693_Rethinking_Heat_Injury_in_the_SOF_Multipurpose_Canine_A_Critical_Review
Hier die "Fast Facts" der VetTacGroup auf Facebook: https://www.facebook.com/share/p/kDUvkzCDVEnEyV2u/
Und hier ein kostenloses Webinar der VetTacGroup auf Englisch: https://attendee.gototraining.com/79tm0/recording/7747588114524157953?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTAAAR3MmE6_ioeo8D-EN__NlQBShjnEbCx6ZIyUW8JvLfmIvUauKl7icZzHkmE_aem_-N_YIEjhRP7B_zx6Eura4w
PS: Falls ihr euch fragt, warum wir bei hochsommerlichen Temperaturen überhaupt trainieren: Weil Einsätze auch bei hochsommerlichen Temperaturen stattfinden. Wir finden, dass wir es unseren Hunden schuldig sind, dann zu wissen, was sie unter den gegebenen Bedingungen leisten können - und wo die Grenzen liegen.