19/07/2026
Wie kann ein Pressesprecher einer Stadt so über Tiere sprechen?
Als Tiertafel haben wir in den vergangenen Jahren viel gesehen und erlebt. Wir kennen Tierleid, wir kennen ausgesetzte, kranke und vernachlässigte Tiere. Aber manche Worte treffen einen trotzdem mitten ins Herz.
Umso fassungsloser waren wir, als wir die Aussage des Trierer Pressesprechers Michael Schmitz über Nilgänse gelesen haben:
„Alles ist bekackt von diesen Viechern. Sie sind eine Art permanenter Stuhlgang.“
Wir mussten diesen Satz mehrfach lesen, weil wir zunächst nicht glauben konnten, dass er tatsächlich von einem offiziellen Vertreter einer Stadt stammen soll.
Für uns ist diese Wortwahl erschreckend.
Egal, wie man zur wachsenden Population von Nilgänsen oder zu notwendigen Maßnahmen im Wildtiermanagement steht – Tiere als „permanenten Stuhlgang“ zu bezeichnen, überschreitet aus unserer Sicht eine Grenze. Es handelt sich um fühlende Lebewesen, nicht um Abfall.
Besonders betroffen macht uns, dass diese Aussage im Zusammenhang mit der Entscheidung steht, die Schonzeit für Nilgänse im gesamten Stadtgebiet aufzuheben und damit den Abschuss zu ermöglichen. Gerade in einer solchen Situation erwarten wir von einer Stadtverwaltung eine sachliche, respektvolle und verantwortungsbewusste Kommunikation.
Wir wissen, dass es Konflikte zwischen Mensch und Wildtier geben kann. Und wir wissen auch, dass nicht jede Situation einfach zu lösen ist. Dennoch sollte das Ziel immer sein, nach möglichst tiergerechten und verhältnismäßigen Lösungen zu suchen. Der Respekt vor dem Leben darf dabei niemals verloren gehen.
Was uns an dieser Aussage am meisten erschüttert, ist das Signal, das sie sendet. Worte prägen unsere Haltung. Wer Tiere öffentlich auf diese Weise beschreibt, trägt nicht zu einer respektvollen Debatte bei, sondern fördert Verachtung statt Verantwortung.
Als Tiertafel stehen wir jeden Tag für Mitgefühl, Respekt und den Schutz von Tieren ein – unabhängig davon, ob es sich um Hunde, Katzen, Wildvögel oder andere Lebewesen handelt. Jedes Tier verdient einen respektvollen Umgang, auch dann, wenn es Konflikte verursacht.
Deshalb fragen wir die Verantwortlichen der Stadt Trier:
Ist eine solche Wortwahl mit dem Amt eines Pressesprechers vereinbar?
Wir finden: Nein.
Wir wünschen uns eine öffentliche Erklärung und einen Umgangston, der dem Anspruch einer modernen Stadtverwaltung gerecht wird – sachlich, respektvoll und mit dem Bewusstsein, dass jedes Lebewesen einen Wert hat.
Denn eine Gesellschaft zeigt ihren Charakter auch daran, wie sie über die Schwächsten spricht – und dazu gehören auch die Tiere, die keine eigene Stimme haben.
Trier