Nach den letzten beiden Wintern kann man sich vorstellen, dass diese Frage einmal Realität werden wird. Und das ist nicht nur gefühlt so: 2020 war das 2. wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Es handelt sich um das zehnte Jahr in Folge, in dem die Durchschnittstemperatur das vieljährige Mittel übertraf. Die Temperatur lag 2020 bei uns um 2,2 ° über dem langjährigen Durchschnitt, in der Arkt
is sogar um 5°. In der Klimaforschung besteht ein nahezu vollständiger Konsens darüber, dass dieser Temperaturanstieg durch den CO₂-Ausstoß der menschlichen Zivilisation verursacht wird. (John Cook/klimafakten.de)
Dabei ist der Verlust liebgewonnener Wintertraditionen natürlich das geringste Problem. Auch die Gefahr von z.B. punktuellen Schneemassen, wie wir sie Anfang 2019 erlebt haben und wie sie kürzlich in den USA aufgetreten sind, wird in Folge der Erderhitzung steigen. Temperaturextreme nehmen weltweit zu und damit unter anderem Waldbrände, Überschwemmungen, Dürren, zerstörerische Stürme und Artensterben. Dies wird nach und nach bewohnbaren Lebensraum und Lebensgrundlagen kosten, mit der Folge von Kriegen und Flüchtlingsströmen. Auch in Deutschland haben wir bereits eine Serie von extrem trockenen Sommern hinter uns. Landwirte beklagten 2020 die dritte unterdurchschnittliche Ernte in Folge mit teilweise katastrophalen Ernteausfällen. In den tieferen Schichten der Böden herrscht eine immer noch deutlich messbare Trockenheit. Dadurch können schon kurze Trockenperioden im kommenden Sommer Ernten zunichtemachen und auch die zur Co2-Bindung dringend benötigte Aufforstung gestaltet sich äußerst schwierig. Der Klimawandel, zuletzt von der Pandemiebekämpfung aus den Nachrichten fast vollständig verdrängt, schreitet unaufhörlich voran. Doch während aktuell das von menschlicher Zivilisation ausgestoßene CO₂ der Hauptmotor dafür ist, werden ab einer Erderwärmung von mehr als ca. 1,5° weitere CO₂-Quellen hinzukommen, wie z.B. die Freisetzung von massiven Mengen gebundenen CO₂ beim Schmelzen des arktischen Eises, des Auftauen der Permafrostböden oder fehlende Co₂-Bindung durch Absterben der Wälder in großem Maßstab. Das Erreichen dieser so genannten Kipppunkte, insgesamt sind fünfzehn solche bekannt, würde eine Art unbeherrschbaren Teufelskreislauf in Gang setzen, durch den sich Co₂ immer mehr und immer schneller in der Atmosphäre anreichern würde, und der sich des menschlichen Einflusses entziehen würde. Das Zeitfenster, in dem unser Handeln Wirkung zeigen kann, ist also begrenzt. Wir, die Initiative „Klimaaufbruch Traunstein jetzt – klimaneutral bis 2030“, möchten mit einem Bürgerantrag den neuen Stadtrat und Oberbürgermeister ermutigen, ohne weiteren Zeitverlust entschlossene und visionäre Schritte zu gehen, um eine fatale Entwicklung abzuwenden - so wie es bereits andere Kommunen getan haben. Wertvolle Zeit ist schon verstrichen, seit die oben angerissenen Fakten bekannt wurden; je weniger Zeit wir jetzt noch verschwenden, umso geordneter können die notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden. Ansonsten drohen wir aus dem Coronanotstand ungebremst in einen Klimanotstand zu rasen, in dem bei Notfallverordnungen nur noch bedingt Rücksicht auf Verluste genommen werden kann. Wir fordern die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir möchten zeigen, dass es in der Bevölkerung eine breite Unterstützung für ehrgeizige und sozialverträgliche Klimapolitik gibt, auch wenn sie einzelne Opfer fordern wird. Vor allem aber wird sie Chancen eröffnen und Ideen freisetzen, ohne die wir am Ende alle Verlierer wären - besonders aber unsere Kinder.