02/03/2025
In der Selbstverteidigung geht es um deutlich mehr als Technik.
Mit dem Begriff „Selbstverteidigung“ verbinden die meisten Menschen eine physische Handlung: was tun, wenn ich so oder so gepackt, geschlagen, oder bedrängt werde. Der kämpferische Aspekt spielt in der Selbstverteidigung durchaus eine wichtige Rolle – doch der Kampf ist weder Beginn noch Ende einer Selbstverteidigungssituation. Ein großer Teil der Kämpfe kann nämlich vermieden werden.
Als Erstes kann ich mich über meine Umgebung informieren, z.B. im Internet, und Orte sowie Zeiten meiden, an denen Probleme wahrscheinlicher sind. Ich bin oft beruflich unterwegs, und wenn ich mich in einer unbekannten Großstadt umschauen möchte, frage ich an der Hotelrezeption, welche Ecken ich lieber auslasse. Ich vermeide es, bei großen Sportveranstaltungen oder Volksfesten in der S-Bahn unterwegs zu sein – sofern ich es mir aussuchen kann. Probleme vermeidet man am Einfachsten, indem man sie gar nicht erst entstehen lässt. Getreu dem Motto: Sei nicht zur falschen Zeit am falschen Ort.
Zweitens kann ich auf meine Umgebung achten, um Gefahren und Auswege frühzeitig zu erkennen. Ich schlage das folgende Drei-Punkte-Schema vor:
- Beobachte dich selbst. Bist du abgelenkt? Es ist wichtig, z.B. dem Handy nicht zu viel Aufmerksamkeit zu widmen – und wenn schon wegen Straßenverkehr. Fühlst du dich ausgewogen? Bist du verängstigt, auch wenn dir der Grund nicht klar ist? Vertraue deiner Intuition – was sich falsch anfühlt, ist meistens auch falsch.
- Beobachte die Menschen um dich herum. Wie wirken sie auf dich? Zeichnet sich eine allgemeine Stimmung ab? Sind Gruppen zu erkennen? Gibt es Personen, die besonders herausstechen? Wenn möglich, versuche niemals in der Mitte einer Gruppe zu stehen, sondern immer nur am Rand.
- Beobachte die örtliche Beschaffenheit. Wo sind Fluchtwege? Wo sind Hindernisse? Wie ist der Untergrund? Wo gibt es gute und schlechte Beleuchtung? Wie ist der Handy-Empfang? Den Fluchtplan überlegt man sich am Besten im Voraus – so spart man wertvolle Zeit.
Und wenn sich die Stimmung doch noch aufheizt, muss niemand den Helden spielen. Wenn du kannst, gehe einfach. Wenn flüchten keine Option ist, versuche, Aufmerksamkeit zu erwecken, indem du laut und deutlich sprichst. Mache ruhig einen Aufstand! Sprich die Menschen in der Umgebung direkt und persönlich an, gib klare Informationen und Anweisungen:
„Hilfe, dieser Mensch bedroht mich!“
„Ich gebe dir mein Geld nicht!“
„Fassen Sie mich nicht an! Lassen Sie mich sofort los!“
„Sie mit der grünen Jacke, rufen Sie die Polizei!“
Oft rechnen Täter nicht damit, dass sich ihre Opfer nennenswert wehren. Mache es den Tätern nicht einfach! Wenn du schon ein zartes Pflänzchen bist, sei zumindest ein Kaktus!
In allerletzter Konsequenz ist nachgeben manchmal die bessere Option. Deine Gesundheit ist mehr Wert als dein Handy oder deine Uhr. Dabei ein letzter Trick: nicht einfach so in die Hand geben, sondern in die eine Richtung werfen, und in die andere abhauen.
All das liest sich gut, setzt aber eine gewisse Abgebrühtheit und einen wachsamen, ausgeglichenen emotionalen Zustand voraus. Wie du das erreichst, kannst du gerne bei uns im Systema erlernen.
Bleibt sicher und liebe Grüße,
Pierre