09/10/2026
Rede von Maral Salmassi bei der israelsolidarischen Kundgebung gegen jeden Antisemitismus auf dem Marktplatz in Stuttgart am 7.10.26
Liebe Freunde,
mein Name ist Maral Salmassi. Ich wurde in Teheran geboren und kam 1986 als
Flüchtlingskind nach Deutschland
Meine Familie floh vor jenem Regime, das die Hamas finanziert und bewaffnet und in
dessen Machtzentrum die Unterstützer und Mitarchitekten des 7. Oktober sitzen.
Deshalb stehe ich heute nicht nur aus Solidarität mit Israel hier. Als Iranerin kann ich den
Schmerz dieses Tages sehr persönlich nachempfinden.
Am 7. Oktober wurden Menschen in ihren Häusern überfallen. Frauen wurden vergewaltigt
und verstümmelt. Kinder, alte Menschen und ganze Familien wurden ermordet oder
verschleppt. Niemand wurde verschont.
Anfang dieses Jahres haben die Schergen des islamischen Regimes im Iran innerhalb von
nur zwei Tagen Zehntausende meiner Landsleute auf bestialische Weise abgeschlachtet.
Sie schossen auf Männer und Frauen, auf Jugendliche und Kinder. Sie verschleppten
Menschen, folterten, verstümmelten und vergewaltigten.
Es war dieselbe Logik, dieselbe Grausamkeit und dieselbe Verachtung des menschlichen
Lebens.
Was die Opfer trennt, sind Grenzen. Was die Täter verbindet, ist eine Ideologie.
Wir Iraner und die Israelis haben denselben Feind. Aber dieser Feind ist nicht nur der
Feind Israels oder der Peiniger der Iraner. Er hat der freien Welt den Kampf angesagt, weil
er nicht erträgt, was ein freies Leben bedeutet: selbst zu entscheiden, was man glaubt,
wen man liebt und wie man leben will.
Das Regime in Teheran und seine Terrorarme – Hamas, Hisbollah, die Houthis und andere
islamistische Milizen – haben einen regelrechten Todeskult errichtet. Sie opfern das Leben
ihrer eigenen Bevölkerung, um andere zu vernichten. Sie nennen den Tod „Märtyrertum“,
Mord „Widerstand“ und die Vernichtung Israels „Befreiung“.
Und ausgerechnet dieser Todeskult findet heute in westlichen Gesellschaften Unterstützer.
Seit dem 7. Oktober mussten wir erleben, wie schnell der Judenhass wieder offen zutage
trat.
Nicht erst nach der israelischen Reaktion.
Noch während in Israel die Leichen identifiziert wurden, wurde in deutschen und
europäischen Städten bereits gefeiert.
Der alte Judenhass hat sich lediglich ein neues Vokabular zugelegt. Er spricht heute von
„Dekolonisierung“, „Widerstand“ und „Antizionismus“. Er trägt eine Kufiya, bezeichnet sich
als progressiv und hält sich dabei auch noch für moralisch überlegen.
Natürlich ist nicht jede Kritik an einer israelischen Regierung antisemitisch.
Aber wenn in keinem anderen Land die Geschichte erst mit seiner Verteidigung beginnt
und der vorausgegangene Angriff einfach aus der Erzählung verschwindet, geht es nicht
um Kritik.
Wenn ausgerechnet dem jüdischen Staat das Recht abgesprochen wird, seine Bürger zu
schützen, geht es nicht um Menschenrechte.
Und wenn die Ermordung von Juden als „Widerstand“ gefeiert wird, dann ist das
Judenhass.
Ohne jede Euphemisierung.
Besonders schändlich ist die Heuchelei jener radikalisierten Linken, die behaupten, sich
um die Palästinenser zu sorgen.
Wären ihnen palästinensische Menschenleben tatsächlich wichtig, würden sie sich an die
Spitze des Kampfes gegen die Hamas stellen. Sie würden die se****le Gewalt gegen
israelische Frauen verurteilen – ohne Relativierung, ohne Ausflüchte und ohne den Opfern
zunächst eine politische Gesinnungsprüfung abzuverlangen.
Sie würden auch über die Gewalt und die se****le Unterdrückung sprechen, denen
palästinensische Frauen unter der Herrschaft der Hamas ausgesetzt sind.
Und sie würden nicht neben den Fahnen der Islamischen Republik und der Hisbollah
marschieren – neben den Symbolen jener Kräfte, die diesen Krieg finanzieren und das
Leid der Palästinenser für ihre Vernichtungsfantasien instrumentalisieren.
Wer unter den Fahnen der Kriegstreiber marschiert, fordert keinen Frieden. Wer
Vergewaltigungen relativiert, weil die Opfer Israelinnen sind, verteidigt keine Frauenrechte.
Und wer mit den Henkern des iranischen Volkes demonstriert, sollte uns nichts über
Menschenrechte erzählen.
Als Anfang dieses Jahres Zehntausende Iranerinnen und Iraner ermordet wurden, blieben
viele dieser selbsternannten Menschenfreunde auffallend still.
Es gab keine besetzten Universitäten, keine Protestcamps und keine weltweiten
Massendemonstrationen. Kaum ein Wort kam von jenen, die sonst jeden Tag so taten, als
würden sie um Menschenleben trauern.
Ihre Empörung beginnt offenbar dort, wo sie sich gegen Israel richten lässt. Und sie endet
dort, wo Iraner von genau jenem Regime ermordet werden, das die Hamas finanziert.
Das Leid der Palästinenser dient ihnen als moralische Kulisse. Den Kräften, die dieses
Leid bewusst verlängern, jubeln sie zu.
All das macht diesen Jahrestag noch schwerer.
Drei Jahre nach dem 7. Oktober sind Israelis erschöpft. Viele Iraner sind es ebenfalls.
Unsere beiden Völker trauern um ihre Toten, fürchten um ihre Familien und fragen sich,
wie viele Menschen noch sterben müssen und wie viel Krieg und Vernichtung noch vor
uns liegen.
Ich weiß nicht, wann wir das Licht am Ende dieses Tunnels sehen werden. Und es wäre
unehrlich, heute so zu tun, als hätte ich darauf eine tröstliche Antwort.
Aber wenn ich auf Israel und die jüdische Geschichte blicke, sehe ich etwas, von dem wir
Iraner lernen können.
Juden mussten über Jahrtausende hinweg um ihre Identität kämpfen. Sie wurden
vertrieben, verfolgt und sollten immer wieder ausgelöscht werden. Doch sie haben ihre
Sprache, ihre Bräuche und ihr historisches Gedächtnis nicht nur bewahrt, sondern auch
weiterentwickelt und reformiert, ohne sich dabei selbst zu verlieren.
Auch wir Iraner müssen gerade wieder lernen, wer wir sind.
Nach der Ermordung von Mahsa Amini wurde „Frau, Leben, Freiheit“ zum Ruf unserer
Freiheitsbewegung. Heute hört man auf den Straßen des Iran „Javid Shah“ – „Es lebe der
Schah“.
Für uns Iraner ist es vor allem die Rückforderung einer iranischen Identität, die das
islamische Regime seit fast fünfzig Jahren zu vernichten versucht.
An diesem Punkt berühren sich unsere Geschichten. Sie sind nicht dieselben. Aber das
jüdische Volk hat etwas bewahrt, das wir Iraner gerade mühsam wieder freilegen: das
Bewusstsein dafür, wer wir waren, wer wir sind und wer wir sein wollen.
Wenn ich heute „Am Israel Chai“ höre, höre ich darin nicht nur: „Das Volk Israel lebt.“
Ich höre auch: Wir haben uns nicht verloren.
Genau das bedeutet für viele Iraner heute „Javid Shah“.
Das Regime wird verschwinden. Iran wird bleiben. Israel auch.
Vielen Dank.
Am Israel Chai
Javid Shah