25/10/2025
Da will man den Koffer packen, und dann plöpt da so eine Mail herein. Ein Verlag, der für den Landesverband Bayern der KGV's aktiv ist, hat mich für einen Bericht in deren Kleingarten-Magazin ausgesucht. D.h. die Zeitung geht an rund 48.000 Mitglieder.
Unser Garten liegt am Niederrhein, und der Verband ist der Landesverband Rheinland. Also ein paar km entfernt.
Der Text aus dem Kleingarten-Magazin 04/25:
Engagement für mehr Artenvielfalt
Kleingärten können wahre Hotspots der Artenvielfalt sein. Im Kleingartenverein „Spielkaulenweg" in Mönchengladbach zeigen die Gartenfreunde Ulrike Will und Joachim Wals, wie naturnahes Gärtnern die Gemeinschaft und Umwelt gleichermaßen bereichert.
„Es war eine besondere und intensive Zeit für unseren Kleingartenverein“, erinnert sich Ulrike Will. Über mehrere Monate entstand 2019 auf einer Gemeinschaftsfläche der Kleingartenanlage „Spielkaulenweg“ in Mönchengladbach ein kleines Paradies für Wildbienen und Hummeln. Umgesetzt wurde das Projekt auf Initiative von Ulrike Will und Joachim Wals, zwei Gartenfreunde mit einer großen Leidenschaft für die Artenvielfalt und das naturnahe Gärtnern. „Nachdem das Go vom damaligen Vereinsvorstand kam, haben wir gemeinsam mit diesem den ersten Rasenstreifen abgetragen, nährstoffarmen Boden eingebracht und heimische Blumen gesät. Unter dem Container konnten wir sogar zwei Hummelnester mit Königinnen ansiedeln“, erzählt Ulrike Will. Die neue Nisthilfe wurde noch im selben Jahr von Biene und Co. bezogen. Dass dieses Projekt gelang, lag nicht zuletzt an der engen Zusammenarbeit mit dem damaligen Vereinsvorstand. „Alle haben angepackt, und das war für uns ein wichtiges Signal: Artenvielfalt geht nur gemeinsam“, sagt Ulrike Will. Heute blüht es rund um den von einer Grundschule bemalten Container, und schon beim Vorübergehen hört man es summen und brummen.
Vom Ruhestand zum Kleingarten
Der Weg von Ulrike Will und Joachim Wals zum Kleingarten begann einige Jahre zuvor. 2017 ging das Paar in den Ruhestand und stand plötzlich vor der Frage: Womit füllen wir unsere Zeit? Statt Kreuzfahrten oder Großbildschirm entschieden sie sich für eine Aufgabe mit Sinn. „Wir wollten etwas Eigenes, etwas, das Verantwortung braucht und uns gleichzeitig erfüllt“, erinnert sich Ulrike Will. Nach Streifzügen durch Mönchengladbach stießen sie auf den Kleingartenverein „Spielkaulenweg“. Schon bald war der Pachtvertrag unterschrieben: 406 Quadratmeter Gartenfläche, die in Zukunft ganz anders aussehen sollten. „Wir haben damals gesagt: Aus einem botanischen Unglück machen wir ein blühendes Paradies“, erzählt Ulrike Will. Damit war die Richtung klar - naturnahes Gärtnern statt sterilem Rasen. So entstand im Lauf der Jahre ein vielgestaltiger Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleintiere. Totholzhaufen, Lavasteinpyramiden, Trockenmauern und Sandflächen ergänzen Beete mit heimischen Wildpflanzen. „Die meisten unserer Bestäuber sind Bodenbrüter, die ihr Nahrungsangebot in unmittelbarer Nähe zum Nistplatz brauchen. Deshalb haben wir Strukturen geschaffen, die ihnen alles geben, was sie benötigen: Nahrung, Schutz und Brutplätze“, erklärt Ulrike Will.
Wo es summt und krabbelt
Die Liste der tierischen Besucher im „Hortus Noctuarum“, wie die beiden ihren Kleingarten nennen, ist lang: Wildbienen legen ihre Eier in Sandflächen ab, Rosenkäfer und Schwebfliegen finden Verstecke, und sogar seltene Arten wie die Mauerwespe oder der Schmetterling Blutbär haben sich eingefunden. Für Ulrike Will und Joachim Wals ist der Garten längst ein Forschungs- und Beobachtungsraum geworden - einer, in dem die Natur ihre Vielfalt zurückgewinnt. Ihr Garten folgt den Grundsätzen der Permakultur. Das bedeutet, natürliche Kreisläufe zu beobachten und nachzuahmen. Gedüngt wird mit Laub, der Boden mit Stroh gewärmt, Regenwasser gesammelt und Pflanzen so kombiniert, dass sie ein stabiles Ökosystem bilden. Statt auf maximale Erträge setzen die beiden auf Vielfalt: Alte Gemüse- und Kräutersorten stehen neben heimischen Wildpflanzen. „Viele Samen bekommt man gar nicht im Handel. Wir tauschen sie mit Gleichgesinnten in ganz Deutschland.“
Ausgezeichneter Naturgarten
Der naturnahe und artenreiche Kleingarten von Ulrike Will und Joachim Wals blieb nicht unbemerkt. Neben der Naturgartenzertifizierung „Natur im Garten“ gewannen die beiden 2020 beim bundesweiten Wettbewerb „Wir tun was für Bienen“ den ersten Platz. Ein Jahr später erhielten Ulrike Will und Joachim Wals den „ -Award“ in der Kategorie „Private Initiativen“. Zudem wurde ihr Garten von der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet und vom NABU als „Schmetterlingsfreundlicher Garten“ anerkannt. „Natürlich freuen wir uns über diese Preise, aber noch wichtiger ist uns, dass wir andere inspirieren können“, betont Ulrike Will, die sich auch als Naturgartenzertifiziererin ausbilden hat lassen und „Natur im Garten NRW“ mitbegründet hat. Ulrike Will sieht ihre Aufgabe nicht allein darin, den eigenen Garten zu pflegen. Sie gibt ihr Wissen weiter, berät andere Gartenfreunde und hält Vorträge. Auch in Netzwerken wie dem Hortus-Netzwerk engagiert sie sich. „Wichtig ist, dass man anfängt. Schon drei Quadratmeter naturnah gestaltete Fläche können einen Unterschied machen.“