Parteifreie Wählergemeinschaften betätigen sich in Bayern seit Jahrzehnten erfolgreich in der Kommunalpolitik. So gab es auch in den damals selbständigen Gemeinden Stadtbergen und Deuringen schon ab 1948, in Leitershofen erst ab 1956 Freie Wähler-Gruppierungen. Die parteilosen unabhängigen Wähler stellten von 1952 bis 1956 mit Fritz Baumeister in Stadtbergen den 1. Er hat sich sehr für den Bau der
Stadtberger Schule eingesetzt und die Chronik der Marktgemeinde Stadtbergen vermerkt, dass er die Hälfte seines Gehalts der Gemeinde stiftete, um damit die Grünanlagen der Schule zu finanzieren. 1956 wurde ihm anlässlich seines 75. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht verliehen. Ebenfalls 1956 wurde unser Mitglied Erwin Spannfellner (zusammen mit weiteren 5 Freien Wählern) zum Gemeinderat in Deuringen gewählt. Er übernahm die schwierige Aufgabe des Kämmerers, die er bis 1978 in der damals ärmsten Gemeinde des Landkreises ausübte. Originalton Spannfellner: „Kein Geld, unausgebaute Straßen, kein Wasser, keine Kanalisation, keine Müllabfuhr, kein Gewerbe!“
Von ihm wurde dank seiner handwerklichen und künstlerischen Begabung der eindrucksvolle Engel über dem Altar in St. Im Stadtberger Gemeinderat waren die Freien Wähler ab 1960 mit Karl Hafner vertreten, zu dem sich dann 1966 Alfred Stocker und 1972 auch noch Klaus Löhle gesellten. Bei der Kommunalwahl 1984 trat erstmals eine von Rudolf Bittner aufgestellte Liste der FWV Freie Wähler Vereinigung Stadtbergen Leitershofen Deuringen erfolgreich an. Am 16.09.1988 erfolgte dann unter dem 1. Vorsitzenden Rudolf Bittner die Gründung des Ortsverbandes Stadtbergen-Leitershofen-Deuringen e.V. der Freien Wähler um der am 1. Mai 1978 erfolgten Zusammenlegung der drei Teilgemeinden im Rahmen der Gebietsreform politisch gerecht zu werden. Nach dem gemeinsamen Wechsel 1989 des damaligen 1. Bürgermeisters Raimund Bertele und der 3. Bürgermeisterin Berta Steinhögl (vorher beide CSU) zu den Freien Wählern stellten diese nun wieder den 1. Bei der Kommunalwahl 1990 erreichten die FW nun sogar 8 Mandate und stellten außerdem mit Raimund Bertele weiterhin den 1. In dieser Amtsperiode (1990) erfolgte die Verschwisterung mit der Stadt Olbernhau im Erzgebirge. Leider musste Bertele sein Amt aus gesundheitlichen Gründen im Oktober 1992 abgeben. In der darauf folgenden Neuwahl des 1. Bürgermeisters unterlag der Kandidat der Freien Wähler, Ernst Hehl gegen Dr. Ludwig Fink (SPD). Auch der erste 1. Vorsitzende der Freien Wähler, Rudolf Bittner musste aus gesundheitlichen Gründen im Oktober 1993 den Vorsitz weitergeben; sein Nachfolger wurde Roland Häckel. In der Kommunalwahl 1996 verloren die Freien Wähler Mandate und waren bis 2002 nur noch mit Kurt Eichenseher, Bernhard Kisch und Josef Thum vertreten, ab 2002 leider nur noch mit zwei Abgeordneten, die mit einem Vertreter der Grünen eine Fraktionsgemeinschaft bildeten. Nach dem Ausscheiden von Bernhard Kisch, der die Wahl zum Bürgermeister in Wilburgstetten (bei Dinkelsbühl) gewann, nahm Walter Rubach dessen Sitz im Gemeinderat ein. Vorher hatte Rubach den nach Roland Häckel angetretenen Vorsitz der FW an Günter Schrenk weitergegeben. Vor der Kommunalwahl 2008 (nach der Stadterhebung Stadtbergens nun Stadtratswahl !) und insbesondere danach gab es heftige Turbulenzen mit zum Teil schmerzlichen Konsequenzen. Durch die Jahreshauptversammlung im April 2008 wurde der Vorstand bei der Neuwahl verjüngt und der offizielle neue 4. Stadtteil von Stadtbergen, das Virchow-Viertel, hat dazu geführt, dass die Freien Wähler einen neuen Namen gewählt haben: Freie Wähler Stadtbergen e.V.