Nur ein Stein mit der auf beiden Seiten eingemeißelten Zahl 1655, der bei Abbruch der alten Schießmauer in der Mitte derselben vorgefunden und in die nördliche Längswand des jetzigen Schießhauses eingemauert wurde, lässt mit Sicherheit auf das Alter der Gesellschaft schließen. Von Akten älteren Datums haben sich noch vorgefunden und verdienen erwähnt zu werden: eine Schützenrechnung über alle Einn
ahmen und Ausgaben der leiblichen Schützenkompanie der Hochfürstlichen Eichstädtischen Stadt Spalt aus dem Jahre 1747, zwei handschriftlich hergestellte Schützenordnungen aus den Jahren 1759 und 1780 und eine gedruckte Schützenordnung, erlassen unter Kurfürst Karl Theodor im Jahre 1796. Wenn auch die angeführten Schriftstücke aus dem 18. Jahrhundert stammen, so darf doch, wie schon erwähnt, die Gründung der Gesellschaft im 15. Jahrhundert zur Verteidigung der Stadt gesucht werden, da bereits 1734 das ersterbaute Schießhaus beim jetzigen Friedhof abgebrochen wurde. An dessen Stelle entstand auf gleichem Platze das noch heute stehende Schießhaus, welches 1875 von der Stadt erworben wurde und jetzt als Leichenhaus dient. Die Schießmauer als Kugelfang befand sich damals 140 Schritte vom Stand entfernt und zwar zwischen Massendorfer und Güsseldorfer Weg. Wegen der sicherheitsgefährliche Lage (man schoss auf vollständig freiliegendem Platze ohne jegliche seitliche Sicherheitseinrichtung) ersuchte die Schützengesellschaft die hiesige Stadtgemeinde, zwecks Verlegung der alten Schießstätte einen Zuschuss von 400 Gulden mit einer jährlichen Rente von 30 Gulden zu gewähren, so wie den erforderlichen Platz und das nötige Holz aus Gemeinderealitäten abzutreten. Dieser Antrag wurde genehmigt und so konnte infolgen dessen am 28. Juni 1875 die Grundsteinlegung zum Bau des gegenwärtig benützten Schießhauses stattfinden. In den erstgesetzten Sockelstein links des Eingangs ist in einer Flasche die Verhandlungsurkunde eingelegt. Der Bau des Schießhauses und insbesondere die Herstellung des Wallgrabens und Kugelfangs waren mit großen Kosten verbunden, obwohl von den Schützen viele Dienste geleistet wurden. Infolge dessen sah sich die Schützengesellschaft genötigt, neben dem von der Stadt gewährten Zuschuss ein Kapital von 700 M und als dieses nicht ausreichte, ein solches zu 340 M bei der hiesigen Sparkasse aufzunehmen.
1884 wurde das Schießhaus als zu klein befunden und deshalb eine Vergrößerung vorgenommen, welche in Erbauung einer zweiten Etage und Einrichtung einer Zielerwohnung bestand. Diese Vergrößerung machte die Aufnahme eines neuen Kapitals von 790 Mark notwendig. Weitere erforderliche 500 Mark sowie das Bauholz genehmigte, wie schon früher, in äußerst anerkennenswerter Weise, die Stadt. Geschossen wurde auf der neuen Schießstätte bis 1896. Von diesem Jahre ab erlahmte das Interessen für den edlen Schießsport fast vollständig. Die Gesellschaft bestand schließlich aus nur noch 4 Mitgliedern und zwar dem Herr Franz Schielein, Kaufmann; Emmeran Wechsler, Metzgermeister; Josef Gilch, Ökonom und Wilhelm Riedl, Gastwirt dahier. Genannte Herren führten die Schützengesellschaft lediglich aus dem Grunde weiter, um die Auflösung zu verhindern. Die Jahre 1908/09 brachten den hiesigen Schützen einen überraschenden Aufschwung. Im Herbst 1908 war dafür eine Zimmerstutzengesellschaft gegründet worden. Dadurch zu neuem Eifer für den Schießsport angeregt, machte sich bald bei einer großen Anzahl Schützen die Neigung und der Wunsch bemerkbar, der Feuerschützengesellschaft wieder auf die Beine zu helfen. Diese Absicht wurde jedoch durch einige allzu ängstliche Gemüter ereitelt und zwar unter Hinweis auf die enorm hohen Unkosten, womit das Scharfschießen verbunden sein soll. Auch wollten jene (geldbeutelängstlichen Gegenagitatoren) ihr ablehnendes Verhalten dadurch rechtfertigen, dass die auf die etwas hohe Schuldenlast der Schützengesellschaft aufmerksam machten und der Befürchtung Ausdruck verliehen. Das Bezirksamt könne keine bezügliche Erfüllung der Sicherheitsvorschriften am Schießstande zu hohe und schwer zu erfüllende Bedinungen stellen. Schon drohte die Bewegung zu Gunsten der Schützengesellschaft im Sande zu verlaufen, da forderte der Schreiber dieses (Randnotiz: Felix Schwarz), angeregt durch einen Besuch des Mittelfränkischen Bundesschießens 1909 zu Gunzenhausen, in einem Zirkular und einem Artikel des Rezatbotens alle Freunde des Schießsports auf, die Schützengesellschaft Spalt durch zahlreichen Beitritt wieder lebenskräftig zu machen. Zugleich wurde auf Sonntag den 4. Juli zu einer Besprechung im Sternskeller mit Kegelbahn (Ergänzung 2005: heutiges Anwesen Ludwig Kollinger) eingeladen. Eine bei dieser Gelegenheit auf Sonntag den 18. Juli anberaumte Generalversammlung im Gasthaus zum Stern war ziemlich gut besucht und wurden in derselben 23 neue Mitglieder aufgenommen. Nachdem die Schießstätte restauriert worden war, konnte am 15. August dieses Jahres nach 13-jähriger Pause zum ersten Male wieder geschossen werden. Der Verdienst, die Schützengesellschaft zu neuem Leben erweckt zu haben, gebührt vor allem Herrn Michael Schwarz. Genannter Herr war aufs eifrigste bestrebt, Lust und Liebe zum schönen Schießsport zu entfachen und unermüdlich tätig, neue Mitglieder für die Gesellschaft zu erwerben. Weitere Entwicklung des Vereins nach 1909:
16.10.1911 Bei einem Großbrand verbrannten die alten Schützenfahne und Unterlagen zur Vereinsgeschichte (handschriftliche Schützenordnung von 1759 und 1780, eine gedruckte Schützenordnung des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor von 1796 und Rechnungen des Vereins aus dem Jahre 1747).
17.3.1914-24.5.1919 Keine Vereinstätigkeit
1923 Einstellung des Schießbetriebs wegen zu hoher Munitionskosten
18.9.1933 Zusammenschluss der beiden Spalter Schützenvereine, der Spalter Schützengesellschaft und der Zimmerstutzenschießgesellschaft „Rezattal“. Der Verein "Rezattal" löst sich auf. Frühere Bemühungen, die beiden Vereine zusammen zu schließen (1910, 1920, 1930), waren gescheitert.
1935 und 1940 Annahme der Einheitssatzung des damaligen Reichsbundes für Leibesübungen.
1941 – 1952 Keine Vereinstätigkeit
1956/57 Errichtung eines Vorbaues mit 8 Luftgewehrständen
25.4. – 10.4.1959 Gauschießen in der Städt. Hopfenhalle
2001 Schießhausneubau
24.3. - 13.5.2006 Gauschießen zum 444. Vereinsjubiläum
So kann die Stadt Spalt neben ihrer reichen Vergangenheit auch auf eine lange Schützentradition zurückblicken. In Friedenszeiten waren die Schützenfeste in Deutschland schon immer glänzende Veranstaltungen. Hier zeigten sich Macht und Selbstbewusstsein der Bürger, Freude an Geselligkeit und am friedlichen Wettstreit. Die Schützengilden des Mittelalters und der Neuzeit gehörten aber auch zu den wenigen bürgerlichen Einrichtungen, wo die sonst so stark ausgeprägten Standesunterschiede zwischen Adeligen und Bürgern, Amtsleuten und Handwerkern spürbar in den Hintergrund traten.