28/05/2026
Historisches am Donnerstag!
Was war vor 80 Jahren?
Im Jahr 1946 fand bedingt durch die Folgen der Nachkriegszeit kein Schützenfest und auch kein Vereinsleben statt.
Die Aufderhöher Schützen hatten eine schwere Zeit zu überstehen: Das Vereinsvermögen war beschlagnahmt, die Schießanlagen waren teilweise zerstört bzw. völlig verwahrlost, das Vereinslokal, der „Bergische Hof“, diente anderen Zwecken.
1946, das Jahr, in welchem in Hessen mit Kommunalwahlen die ersten freien Wahlen auf deutschem Boden seit 1933 stattfinden, sich der Völkerbund selbst auflöst; seine Befugnisse gehen an die Vereinten Nationen über, die KPD und die SPD in Ost-Berlin den Zusammenschluss zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinbaren, der Zusammenschluss der Besatzungszonen der zukünftigen Bundesrepublik Deutschland auf Vorschlag der USA durch Frankreich und die Sowjetunion verhindert werden, in Berlin die britische Militärregierung die beabsichtigte Zusammenlegung der nördlichen Rheinprovinz mit der Provinz Westfalen bekannt gibt - Hauptstadt des neuen Landes Nordrhein-Westfalen wird Düsseldorf, die britische Militärregierung die preußischen Provinzen in ihrer Besatzungszone auflösen und die Länder Nordrhein-Westfalen, Hannover und Schleswig-Holstein gründen, in der französischen Besatzungszone das Land Rheinland-Pfalz gebildet wird, in der französischen und der britischen Zone die ersten Kommunalwahlen nach dem Krieg stattfinden, die Urteile im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher verkündet werden - ss ergehen zwölf Todesurteile, sieben Haftstrafen und drei Freisprüche. Hermann Göring begeht vor Vollstreckung seiner Todesstrafe Selbstmord, die letzten freien Wahlen in der sowjetischen Besatzungszone stattfinden, aufgrund eines Stalin-Dekrets Tausende deutsche Techniker und Ingenieure, die bis dahin für die sowjetischen Truppen in Rüstungsbetrieben für Flugzeuge und Raketen (V2) u. a. in Staßfurt und Bleicherode gearbeitet hatten, und deren Angehörige in einer Überraschungsaktion gezwungen werden ab sofort in der Sowjetunion zu arbeiten, in der britischen Besatzungszone aus dem bisherigen Ländern Hannover, Oldenburg und Braunschweig das Land Niedersachsen gebildet werden, die Generalversammlung der Vereinten Nationen sich in London für New York City als ständigen Sitz der Organisation entscheidet, dem US-amerikanischen Elektroingenieur John Hibbett DeWitt der Nachweis glückt, dass die Ionosphäre für Funkwellen durchlässig ist - dem US-Signalkorps gelingt es im Project Diana erstmals, im Rahmen einer Erde-Mond-Erde-Funkverbindung ein Radiosignal zum Mond zu senden und das 2,4 Sekunden später eintreffende Funkecho aufzufangen und das erste düsengetriebene Flugzeug von einem Flugzeugträger startet und landet.
1946 wird in Aufderhöhe in der ehemaligen Schule ein weiteres städtisches Altersheim eingerichtet, das ausschließlich Flüchtlingen und Vertriebenen aufnehmen soll. Im Januar 1946 beträgt die Einwohnerzahl Solingens 130752 Personen. Durch den Kommandeur der Militärregierung Solingen, Oberstleutnant J.R. Bodington, wird die aus 42 Verordneten bestehende Solinger Stadtvertretung in der Stadthalle vorgestellt. Davon waren 9 der CDU, 6 der FDP, 9 der KPD, 9 der SPD und 9 der Gruppe der Parteilosen zugehörig. Als Oberbürgermeister wurde der Schlosser Albert Müller (KPD) berufen. Regierungsrat Gerhard Berting aus Düsseldorf wird in der ersten öffentlichen Sitzung der Solinger Stadtverordnetenversammlung einstimmig zum Oberstadtdirektor gewählt. Gelockert wird das Verkaufsverbot von Solinger Schneidwaren, das das Angebot für "alte" Kunden in den westlichen Besatzungszonen von vor 1939 reglementierte. An die Bevölkerung Solingens wird appelliert, möglichst auf freiwilliger Basis dem Ansturm von Flüchtlingen durch Bereitstellung von Wohnraum hilfreich zu begegnen. Bis zu diesem Zeitpunkt sind ca. 5000 "illegale" Vertriebene in Privatquartieren untergekommen. Zu erwarten seien ab sofort jedoch wöchentlich 300 neue "offizielle" Flüchtlinge. 650000 Fahrgäste kann das "Hamsterbähnle" im August vorweisen. Die Bahn wird so genannt, weil sie als letztes Glied in der Kette von Transportmöglichkeiten ist, die benutzt werden, um Obst, Gemüse und Kartoffeln aus dem Vorgebirge oder Reusrath und dem sonstigen unteren Kreis wie Opladen zu transportieren. Die neuen Personalausweise werden noch bis zum 24.9. im Saal der Gaststätte "Rheinischer Hof" am Schlagbaum ausgegeben. Für die Stadtteile Ohligs und Wald findet die Aushändigung in den Gaststätten Busch am Ohligser Markt bzw. "Buchenhof", Friedrich-Ebert-Straße, statt. Der bisherige Registrierschein verliert damit seine Gültigkeit. Auf dem Ohligser Rathausvorplatz findet eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung an den Gräbern der kurze Zeit vor dem Einmarsch der Alliierten Ermordeteten vom Wenzelsberg statt. Kommunalwahl: Es ist die erste freie Wahl eines politischen Gremiums nach Kriegsende. Von 97886 Wahlberechtigten machen 77842 (79,5%) von ihrem Recht Gebrauch. Die 206842 gültigen Stimmen (jeder Wähler hat drei, 3260 Stimmen sind ungültig), verteilen sich wie folgt: 28,7% CDU (19 Sitze), 28,1% SPD (15 Sitze), 22,9% KPD (3 Sitze), 18,7% FDP (2 Sitze), 1,5% Zentrum, 0,1% Unabhängige. Die deutliche Bevorzugung der größten Parteien bei der Sitzverteilung erklärt sich aus dem Persönlichkeitswahlrecht: Je drei Kandidaten sind in den 10 Wahlbezirken direkt gewählt worden; 9 Stadtverordnete rücken aufgrund nichtberücksichtigter und Mehrstimmen über die Reserveliste ein. Nur auf diesem Weg kommen KPD und FDP überhaupt in die Stadtvertretung. In der ersten öffentlichen Sitzung der gewählten Stadtversammlung wird Gerhard Hebborn (CDU) zum Oberbürgermeister und Dr. Otto Völpel (FDP) zum Bürgermeister gewählt. Den Rücktrittsgesuchen von Oberstadtdirektor Berting und Stadtdirektor Dr. Klüber wurde nicht zugestimmt. Beide blieben demnach weiterhin im Amt. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht die Militärregierung in einem Telegramm, Solingen wegen der großen Hungersnot in den Kreis der so genannten "Schwarzen Städte" aufzunehmen. Durch die Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs zwischen Mühlenplatz und Neumarkt, der durch das Trümmerfeld der einstmaligen Alt-Solinger Innenstadt hindurchführt, ist nun das Gesamtnetz Solingens befahrbar. Oberbürgermeister Hebborn wird von den Stadtverordneten ermächtigt, gegen die von der Militärregierung verfügte Stilllegung des Zwillingswerkes bei den höchsten Stellen vorzugehen. Strenge Kälte im Dezember: Am 16. Dezember eine Tiefsttemperatur von -13,4°, am 20. Dezember sogar von -16,3° Grad. Das Temperaturmittel des Dezembers lag mit -1,4° 2,5° unter dem Normalmittel (seit 1905 gemessen).
Foto: Die Altstadt von Solingen in Trümmern