16/07/2026
Das Thema "Hitzeschutz" hat unserer Meinung nach nicht genug Priorität in Schwelm! Mitglieder des Klimabeirats haken nach.
❓In der Sitzung des Umweltausschusses (STUV) am 7. Juli 2026 fragte z.B. Achim Käsebier, Mitglied des Klimabeirats, was die Stadt denn gegen die Hitze tue und ob in Schwelm auch geplant sei, Wasser versprühende Schläuche einzusetzen, wie es in anderen Städten bereits der Fall sei.
Die Vorsitzende von Schwelm-Cleanup, Veronika Nagata, ebenfalls Mitglied im Klimabeirat, setzte mit zwei ihrer Fragen den Schwerpunkt auf die Trinkwasserversorgung (ob weitere Trinkwasserbrunnen geplant seien und ob die Stadt + ihr Einzelhändler*innen + Gastronomie erwägen würden, sich am Projekt Refill Deutschland zu beteiligen, zumal es zu wenige Trinkwasserbrunnen gäbe und diese auch viel zu weit auseinander lägen. "Refill" ermöglicht das kostenlose Auffüllen von mitgebrachten Trinkflaschen.
Bei Nagatas dritte Frage ging es um das bundesweite Projekt "Abpflastern", das durch Entsiegelung und Begrünung von versiegelten Bodenflächen ebenfalls ein guter Beitrag zum Senken der Temperatur in der Stadt wäre. Nagata fragte, ob die Stadt plane, sich daran zu beteiligen.
(Mehr Infos zum Apflastern: https://www.abpflastern.de ).
➡️Die Antworten des Bürgermeisters, Stephan Langhard:
- Es werde zurzeit sondiert, ob eine Nebeldusche auf dem Rathausplatz umsetzbar sei. Dazu werde man während der Sommerferien Nebeldusche kostenlos testen und evtl. dauerhaft übernehmen. Außerdem habe man während der mehrtägigen Hitzewelle Ende Juni Flyer verteilt und "Social Media gemacht". (Bei beidem ging es um Verhaltenstipps bei Hitze.) Beisitzer Schweinsberg fügte hinzu, dass man außerdem 3 mobile Klimageräte für KITAs bereitgestellt habe.
- Weitere Trinkwasserbrunnen könnten erst nach Bereitstellung eines Budgets dafür, möglicherweise 2027, platziert werden.
- Refill sei Langhard nicht bekannt, aber vielleicht könne das Stadtmarketing Schwelm diese Idee aufgreifen.
- Abpflastern sei Langhard nicht bekannt, eine Beteiligung daran sei nicht geplant.
Alle Punkte in dieser Fragenliste wären gut und - wenn man flexibel genug ist - auch preiswert oder sogar kostenlos umsetzbar.
🚿 Insbesondere bei den Nebelduschen muss es gar nichts Komplizierte + Teures sein, sondern könnte ein provisorisches System in der Art sein, wie z.B. in Emmendingen umgesetzt wurde.
(https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/freiburg/nebelduschen-sprueh-nebel-gegen-hitze-100.html )
Das sieht dann vielleicht nicht so schick aus, aber darauf sollte bei solchen Hitzeschutzprojekten sowieso nicht der Fokus liegen, sondern vielmehr auf der Funktionalität und Umsetzbarkeit.
🚰Dasselbe gilt natürlich für Trinkwasserbrunnen: es muss kein teures, hochpoliertes Luxus-Edelstahlmodell sein. Man könnte ortsflexibel einsetzbare, provisorische Wasserspender aufstellen, wie z.B. in Düsseldorf gesehen (denkbar simple Konstruktionen).
Eine Beteiligung an "Refill" wäre blitzschnell umsetzbar, außerdem kostenlos und würde ein Zeichen setzen, dass man die Bevölkerung nicht "auf dem Trockenen" lässt. Zum Glück haben hier einige Geschäfte vorgegriffen und bieten bereits seit Längerem Trinkwasser zum kostenlosen Nachfüllen an.
Die Stadt Schwelm sollte in Sachen Hitzeschutz zeitnah wirksame Zeichen setzen, damit man auch glauben mag, dass Hitzeschutz eine gewisse Priorität hat.
Insgesamt hinkt die Stadt Schwelm unserer Meinung nach bei Klimaschutz/Klimaanpassung (inklusive Hitzeschutz) hinterher. Stattdessen:
- wird die Versiegelung von wertvoller Grünfläche geplant,
- wird die Priorität auf klimaschädlichen KFZ-Verkehr gesetzt, statt auf Freiraum mit mehr Aufenthaltswert für Menschen,
- Entsiegelung oder Fassadenbegrünung stehen nicht verpflichtend auf dem Plan (würden das Stadtklima aber deutlich verbessern).
- Hitzeschutz findet sich insgesamt nur in der Theorie oder auf lieblos gestalteten Flyern. Keine Homepage-Infos, keine gut sichtbaren Plakate, kein kühler Raum im Rathaus ...
❗Hier muss deutlich mehr geschehen als z.B. sinnfrei einen Hitzeschutzaufkleber auf dem ohnehin dauererhitzten Trinkwasserbrunnen am Rathausplatz anzubringen. Es muss weit voraus gedacht und mit deutlich mehr und heißeren Hitzewellen geplant werden, statt zu reagieren, wenn die Hitzewelle da ist.
UND: es muss für diese Themen deutlich mehr Priorität + Budget in der Haushaltsplanung und Politik eingeräumt werden! Denn, wie die Leuphana Universität in einer aktuellen Studie von Juni 2026 festgestellt hat: Politiker*innen unterschätzen die Unterstützung für Klimapolitik! (Hier der Link zum Originaltext der Studie [Englisch]: https://www.nature.com/articles/s43247-026-03721-7 )
Wie denkt ihr über das Thema? Tut die Stadt Schwelm genug für den Hitzeschutz der Bevölkerung?
[Stichworte zum Kontext: Schwammstadt, Versiegelung stoppen, Entsiegelung vorantreiben, nachhaltige Bauleitplanung, Renaturierung, Begrünung der Innenstadt, Abpflastern, Tiny Forests, Fassaden- + Dachbegrünung etc. etc. etc.]