15/06/2026
Der Bürgerenergiepark Berner Feld ist beschlossene Sache. Das Abstimmungsergebnis und die Haltung einiger Gemeinderät*innen werfen aber doch auf Fragen auf, die der Vorstand der KRR nicht unbeantwortet lässt.
Hier der Leserbrief dazu:
Zur Abstimmung des Rottweiler Gemeinderates zu 3 PV-Anlagen entlang der B27
Am vergangenen Mittwoch wurden drei Freiflächen-Fotovoltaikanlagen in Rottweil
Gemeinderat genehmigt. Das Abstimmungsverhalten warf Fragen auf. Auch für uns als KlimaRegionRottweil stellen sich hier Fragen, eine davon lautet:
Warum fällt Teilen des Gemeinderates die Zustimmung zu unserem Rottweiler
Leuchtturmprojekt “Bürgerenergiepark Berner Feld” so schwer?
Wir unterscheiden uns als Projektträger von den beiden anderen durch folgende Aspekte:
1. Wir repräsentieren das größte genossenschaftlich organisierte Bürger-Engagement in den letzten Jahren in der Region, während die anderen Projekte von privaten Einzelinvestoren getragen sind.
2. Jede und jeder Einzelne kann sich bei uns beteiligen und bei Entscheidungen
mitwirken. Wir arbeiten innerhalb der Genossenschaft komplett ehrenamtlich,
Gewinne kommen den Mitgliedern zugute.
3. Wir sind ein regionales Startup, das seit 2,5 Jahren mit Klimaschutz-Projekten für Wertschöpfung ausschließlich in der Region Rottweil sorgt. Selbstverständlich haben wir u.a. bereits Dächer in der Region mit Photovoltaik belegt.
4. Unser Projekt hat eine positive Bilanz bei den Ökopunkten und ist somit ohne weitere Ausgleichsflächen förderlich für Natur und Umwelt. Die extensive landwirtschaftliche Nutzung der Parkfläche und des Umfelds ist fester Bestandteil des Projektes.
5. Wir waren bei der Abstimmung das einzige Projekt, bei dem ein von allen Seiten als sehr wichtig eingestufter Strom-Speicher integraler Bestandteil ist. Des Weiteren streben wir mit dem Speicher einen innovativen und bedeutenden Beitrag zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität an.
All diese Punkte sind den Mitgliedern des Gemeinderates doch wichtig, spielten für einige jedoch bei der Abstimmung wohl keine entscheidende Rolle. Ansonsten hätte der Bürgerenergiepark Berner Feld mehr als 10 JA-Stimmen und 7 Enthaltungen bekommen müssen. Die Argumente, die wir stattdessen zu hören bekamen, sind – man muss es leider so hart sagen – sachlich falsch:
1. Unsere PV Anlage gefährdet die Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln in keiner Weise, das Gegenteil ist der Fall. Derzeit wachsen auf dem konventionellen Acker Energiepflanzen. Die Erneuerbare Stromerzeugung durch unsere Anlage ist circa 50 mal (!) höher als die durch diese Energiepflanzen. Man könnte wegen unserer Anlage 50 mal mehr Fläche mit Energiepflanzen-Anbau in Nahrungsmittel-Anbau umwandeln – ohne Erneuerbare Stromerzeugung zu verlieren. Entsprechend ist unsere Anlage ein Beitrag zur Effizienz.
2. Unsere Anlage entzieht der Nahrungsmittelproduktion keine Flächen, sondern schafft sogar neue. Im Energiepark ist eine extensive Weidewirtschaft vorgesehen (wie bei den beiden anderen beschiedenen Anlagen auch). Bei der vorgesehenen Beweidung mit Schafen können neben dem Fleisch auch die Wolle und ggf. auch Milch genutzt werden.
3. Eine sogenannte Agri-PV Anlage an dieser Stelle ist nicht die bessere Lösung. Wir haben diese Möglichkeit selbstverständlich geprüft und eine unternehmerische
Entscheidung dagegen getroffen. Weder ist eine solche Anlage für uns wirtschaftlich darstellbar noch kalkulierbar, noch ist sie günstiger für Natur- und Artenschutz. Der Materialbedarf an Beton, Stahl und Kabeln liegt bei einer hoch aufgeständerten Agri-PV-Anlage in Bezug auf die erzeugte Energie deutlich höher, was die Ökobilanz verschlechtert. Wir können als Genossenschaft im Interesse unserer Mitglieder das Kapital nicht einem solchen Risiko aussetzen. Und nicht zuletzt bräuchte man einen spezialisierten Landwirt, der die Fläche verbindlich für die nächsten 30 Jahre nutzen kann und will. Wir sind davon überzeugt, dass auf der von uns geschaffenen Fläche mehr Strom, Lebensmittel und Artenvielfalt entstehen werden als auf der Agri PV-Anlage, auf der wie bisher schon Rinder weiden sollen.
4. Unsere Anlage ist energiepolitisch keinesfalls überflüssig, das Gegenteil ist richtig.
Wir sind derzeit in sehr guten Gesprächen mit der KEER GmbH (Kooperation
Erneuerbare Energien im Landkreis Rottweil), die einen Einstieg in das Projekt plant.
Mithin zeigt sich der regionale Energieversorger stark an der Realisierung des
Projekts interessiert. Würde er dies bei einem überflüssigen Projekt tun? Unsere
Anlage trägt erheblich zu Energiesicherheit in der Region bei, was insbesondere
auch am Einsatz intelligenter Speichertechnik liegt.
Zusammengefasst sind sicher alle drei Anlagen sinnvoll, aber unser Projekt bietet durch die genannten Alleinstellungsmerkmale einen deutlichen Mehrwert. Dennoch erhielten wir die geringste Zustimmung im Gemeinderat. Dies ist befremdlich. In unserer Genossenschaft arbeiten wir überparteilich und über alle Generationen hinweg zusammen für unsere Zukunft, für unsere Region und für die der nächsten Generationen.
Es würde uns sehr freuen, wenn dieses Engagement in Zukunft auf eine breitere Basis gestellt wird. Ablehnung unseres Projektes aus „grundsätzlichen Bedenken“ – wie wir das auch hörten – riecht stattdessen nach Ideologie, die an der Sache vorbei geht.
Wir danken an dieser Stelle ausdrücklich unserem Oberbürgermeister Herrn Dr. Ruf für sein Engagement für unser Projekt sowie natürlich auch dem Gemeinderat für sein doch zustimmendes Votum.
Henry Rauner, Simon Spreter, Ulli Wagner, Vorstand der KlimaRegionRottweil eG