08/08/2026
Recht auf Reparatur – warum eigentlich erst jetzt?
Nun also das „Recht auf Reparatur“. Ein Gesetz, das den Verbraucherinnen und Verbrauchern das ermöglichen soll, was viele von ihnen schon seit Jahren wollen: reparieren statt wegwerfen.
Doch eine Frage darf erlaubt sein: Warum hat es dafür eigentlich so lange gebraucht?
Die Bürger waren längst weiter.
Das erste Repair Café in Deutschland entstand bereits 2012. Schon 2015 gab es mehr als 200 Repair Cafés, 2016 waren rund 309 registrierte Initiativen erfasst. Wir, das Repair-Café Rodgau haben unser R-C erstmalig am 16.11.2016 aus dem boden gestampft. 2024 waren in Deutschland rund 1.750 Repair Cafés gelistet.
Während also Ehrenamtliche seit Jahren kaputte Toaster, Kaffeemaschinen, Staubsauger, Fahrräder und andere Gegenstände reparieren und damit ganz praktisch gegen die Wegwerfmentalität vorgehen, entdeckt die Politik das Thema nun für sich.
Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Aber ein gesetzlich verbrieftes „Recht auf Reparatur“ allein löst noch kein Problem.
Denn was bringt dieses Recht, wenn ein Ersatzteil kaum erhältlich ist? Was bringt es, wenn eine Reparatur mehr kostet als ein neues Gerät? Und was bringt es, wenn Hersteller Geräte so konstruieren, dass eine Reparatur unnötig schwierig oder praktisch unmöglich wird?
Ein echtes Recht auf Reparatur müsste deshalb auch ein Recht auf reparierbare Produkte sein.
Dazu gehören langlebige Konstruktionen, verfügbare Ersatzteile, angemessene Preise, Reparaturanleitungen und ein Zugang zu den notwendigen technischen Informationen.
Und vielleicht sollte die Politik dabei einmal auf diejenigen hören, die das Thema nicht erst entdeckt haben, als es gesetzgeberisch interessant wurde: die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in den Repair Cafés.
Sie haben bereits vor mehr als einem Jahrzehnt vorgemacht, worum es eigentlich geht: Nicht alles, was kaputtgeht, gehört auf den Müll.
Das neue Gesetz ist deshalb durchaus zu begrüßen. Aber es sollte nicht dazu führen, dass sich die Politik selbst auf die Schulter klopft.
Entscheidend ist nicht, dass wir jetzt ein „Recht auf Reparatur“ haben.
Entscheidend ist, dass Reparieren für Verbraucher tatsächlich einfacher, bezahlbar und möglich wird.
Denn sonst bleibt vom großen „Recht auf Reparatur“ am Ende vielleicht nur ein schöner Name, während weiterhin viel zu viele Geräte dort landen, wo sie eigentlich nicht hingehören: im Müll statt in der Werkstatt.