24/06/2026
🕯️ Emma und die Reise in den Himmel
Emma war sechs Jahre alt, als ihr Opa starb.
Die Familie war traurig. Alle versuchten, die richtigen Worte zu finden.
Bei der Beerdigung nahm eine Nachbarin Emma liebevoll in den Arm und sagte: „Dein Opa ist jetzt auf einer langen Reise in den Himmel.“
Für die Erwachsene war das ein tröstlicher Satz.
Für Emma begann damit eine große Sorge.
Denn sie verstand die Worte ganz wörtlich.
Jeden Abend schaute sie aus dem Fenster in den Himmel. Sie fragte sich, wo Opa jetzt wohl sei. Ob er genug zu essen habe. Ob ihm kalt sei.
Und vor allem:
Wann er wieder zurückkommen würde.
Als Wochen vergingen und Opa nicht zurückkehrte, wurde Emma immer trauriger.
Eines Tages fragte sie ihre Mutter:
„Hat Opa sich verlaufen?“
Erst da bemerkte ihre Familie, was in Emmas Gedanken vorging.
Kinder verstehen viele Dinge anders als Erwachsene. Vor allem jüngere Kinder denken oft sehr konkret. Sie nehmen Worte wörtlich.
Was für Erwachsene ein Bild oder eine Redewendung ist, wird für Kinder schnell zur Wirklichkeit.
In einer Trauergruppe erzählte Emma von ihrer Sorge. Dort durfte sie all ihre Fragen stellen. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, was Tod bedeutet und warum Menschen nicht von einer Reise zurückkommen.
Langsam verstand Emma, dass ihr Opa nicht irgendwo verloren gegangen war.
Und dass ihre Gedanken ganz normal waren.
Heute spricht Emma noch oft von ihrem Opa. Aber nicht mehr mit der Angst, dass er irgendwo allein unterwegs ist.
Ihre Geschichte erinnert uns daran, wie vorsichtig wir mit unseren Worten sein sollten.
Denn Sätze wie „Opa ist eingeschlafen“, „Mama ist auf einer Reise“ oder „Gott hat ihn zu sich geholt“ können in Kinderköpfen ganz andere Bilder entstehen lassen, als wir Erwachsenen ahnen.
Manchmal brauchen Kinder keine schönen Umschreibungen.
Manchmal brauchen sie einfach ehrliche Worte, die sie verstehen können. ❤️
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