23/02/2026
Als ich erfuhr, dass meine Tochter sexualisierte Gewalt durch meinen Ex-Mann erlebt hat, brach meine Welt zusammen. Ein Gefühl der Ohnmacht, das wohl jedes Elternteil kennt, die so etwas durchmachen müssen.
Doch für Gefühle war keine Zeit. Ich schaltete in einen Modus, den viele betroffene Eltern kennen: funktionieren. Ich musste unzählige Feuer an allen Ecken löschen, mich durch den Dschungel der rechtlichen Möglichkeiten kämpfen, Verjährungsfristen, Voraussetzungen für eine Anzeige, alles. Mein einziges Ziel: herausfinden, wie ich meiner Tochter jetzt am besten helfen kann.
Die wichtigste Erkenntnis: Für eine Anzeige und den damit verbundenen Prozess musste die Psyche meiner Tochter stabil sein. Also traf ich eine Entscheidung: Wir verschieben die Anzeige und fokussieren uns voll und ganz auf die seelische Genesung. Für mich stand meine Tochter an erster Stelle.
Doch genau hier begann der zweite Kampf: der mit meinem eigenen Umfeld. Meine Familie forderte eine sofortige Anzeige, setzte mich unter Druck. Sie verstanden meine Priorität nicht. Gleichzeitig war ich in einem Job der ausserhalb meiner näheren Umgebung war, verließ das Haus um 6 Uhr morgens und kam um Mitternacht zurück. Die Kommunikation lief über Textnachrichten aus dem Zug, denn ich wollte nicht das jeder mithören konnte.
Die Vorwürfe ließen nicht lange auf sich warten: Ich würde nicht anrufen, ich würde mich distanzieren. Der Gipfel war der Vorwurf meines Bruders, ich sei mitschuldig, weil ich diesen Mann in die Familie gebracht und "ich sei schuld, dass dies meiner Tochter passiert sei". Dieser Satz hat eine Welt zerstört und den Kontakt beendet.
Meine Botschaft an alle da draußen: 👉 Wenn ein Kind Opfer von Gewalt wird, steckt das betroffene Elternteil oft in einer unvorstellbar komplexen Situation. Es kämpft an Fronten, die niemand sieht. 👉 Öffnet keine Schubladen. Geht nicht automatisch von Mitäterschaft aus. 👉 Der Schutz und die Stabilität des Kindes haben oberste Priorität – auch wenn das von außen unverständlich scheint.
Bevor ihr urteilt, haltet inne. Hört zu. Fragt nach, welche Unterstützung WIRKLICH gebraucht wird.
Du bist nicht allein damit. ❤️