09/06/2026
Stell dir vor, du wärst ein Igel.
Du wachst auf. Hungrig.
Du bist die ganze Nacht unterwegs gewesen.
Hast gesucht. Gefressen. Gelebt.
Du kennst keine Politik. Keine Nachrichten.
Keine sozialen Medien. Keine Kriege. Keine Diskussionen.
Du möchtest jetzt einfach nur nach Hause.
In deine Hecke. In dein Versteck. Zu deinen Kindern.
Doch plötzlich ist die Hecke weg.
Der Garten ist Stein. Der Durchgang zum Nachbargarten versperrt. Der Kompost verschwunden. Das Insektensterben hat deine Speisekarte halbiert.
Die Nacht gehört nicht mehr dir. Jetzt fahren dort Mähroboter, Autos und Maschinen.
Du verstehst das alles nicht.
Du verstehst nicht, warum deine Welt jedes Jahr kleiner wird. Warum deine Kinder verschwinden.
Warum du plötzlich mitten am Tag nach Nahrung suchen musst. Warum dein Körper immer dünner wird und der Hunger immer größer.
Du verstehst nur eines:
Dass das Leben immer schwerer wird.
Und trotzdem gehst du weiter.
Nacht für Nacht. Meter für Meter.
Auf der Suche nach einem Ort, an dem du einfach nur wieder Igel sein darfst.
Vielleicht sollten wir Menschen uns viel öfter fragen, was wir tun würden, wenn unsere ganze Welt verschwinden würde...
..und niemand würde es bemerken...