23/11/2025
Feuerwehrgeschichte, die verbindet – Von der Pflichtfeuerwehr zur Feuerwehr Brookmerland Nord
Wenn am 9. Oktober 2025 im neuen Feuerwehrhaus am Adeweg gefeiert wird, schließt sich ein Kreis, der vor 90 Jahren begann. Denn genau am 9. Oktober 1935 wurde der Feuerlöschverband Osteel–Leezdorf gegründet – eine Kooperation zweier Dörfer, die nun, fast ein Jahrhundert später, wieder zusammenfinden: zur Feuerwehr Brookmerland Nord.
Was wie ein organisatorischer Schritt aussieht, ist in Wahrheit ein historisches Ereignis – eine Wiedervereinigung mit Symbolkraft für die ganze Region.
Pflicht und Gemeinschaft – Die frühen Jahre
Die Ursprünge des Brandschutzes in Osteel reichen weit zurück. Schon um 1900 existierte eine Pflichtfeuerwehr, die mit handbetriebenen Spritzen und Pferdefuhrwerken Brände bekämpfte. Strenge Vorschriften der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse bestimmten die Ausstattung, Alarmierung und die regelmäßige Überprüfung der Löschgeräte.
Ein Blitzschlag auf dem Hof Steenblock am 25. August 1900 ist einer der ersten dokumentierten Einsätze. Für den schnellen und erfolgreichen Einsatz erhielt die Spritzenmannschaft eine Prämie – ein frühes Zeichen der Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement.
Die Gründung des Löschverbandes Osteel–Leezdorf
Am 9. Oktober 1935 wurde aus der Pflichtgemeinschaft eine organisierte Einheit: 47 Feuerwehrmänner aus Osteel und 19 Kameraden aus Leezdorf gründeten den Feuerlöschverband Osteel–Leezdorf. Der erste Ortsbrandmeister war Schmiedemeister Friedrich Abegg, sein Nachfolger Gerd Edenhuizen prägte die Wehr für Jahrzehnte.
In den Protokollen jener Zeit liest man von einer klaren Haltung: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.
Es war die Zeit, in der aus einfachen Dorfspritzen organisierte Wehren wurden – mit Uniformen, Dienstplänen und einer klaren Struktur. Die Feuerwehr erhielt den Status einer technischen Hilfspolizei, und die Kameraden verpflichteten sich schriftlich zu Dienst und Kameradschaft.
Kriegsjahre, Frauenwehr und Wiederaufbau
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs veränderte sich der Alltag der Feuerwehr schlagartig. Viele Männer wurden eingezogen – und in Osteel übernahmen erstmals Frauen den Feuerwehrdienst. Unter der Leitung von Edenhuizen stellten sie sich mutig den Aufgaben. Zeitzeugen erinnerten sich später: „Fixe Mädels waren das – aber manchmal war’s, als wollte man einen Sack Flöhe hüten.“
Trotz Materialknappheit modernisierte die Wehr ihre Technik: 1939 wurde eine Motorspritze Marke Koebe angeschafft, 1943 kam ein Löschfahrzeug Opel LF 8 hinzu.
Während der Bombennächte von Emden rückten die Kameraden mehrfach in die zerstörte Stadt aus, um dort Brände zu bekämpfen – stundenlang, unter Lebensgefahr. Noch heute berichten alte Einsatzlisten von Nacht- und Tageseinsätzen, für die es pro Stunde eine Reichsmark gab.
Nach dem Krieg begann der mühsame Wiederaufbau. Die Frauenwehr wurde aufgelöst, viele Kameraden kehrten aus dem Krieg zurück. Der Löschverband blieb noch einige Jahre bestehen, bis er 1951 offiziell aufgelöst wurde. Von da an gingen Osteel und Leezdorf eigene Wege – als selbstständige Ortsfeuerwehren.
Neue Häuser, neue Technik, neue Generationen
Die Nachkriegszeit war geprägt von Improvisation und Gemeinschaft. In Osteel diente zunächst ein Scheunentrakt der alten Schule als Feuerwehrhaus, ehe 1967 das neue Gerätehaus am „Alten Postweg“ eingeweiht wurde – mit großem Festumzug und Schnelligkeitswettbewerb.
In Leezdorf wurde ebenfalls ein eigenes Feuerwehrhaus errichtet und die technische Ausstattung stetig verbessert.
Mit dem Opel Blitz, später mit einem modernen Mercedes LF 8, begann das Zeitalter motorisierter Einsatztechnik. 1969 gründete sich in Osteel zudem die erste Jugendfeuerwehr, ein Meilenstein für die Nachwuchsarbeit, der viele spätere Einsatzkräfte hervorbrachte.
Die 1970er und 1980er Jahre waren auch die Zeit großer Einsätze: der Schneekatastrophe 1979, der Sturmflut 1962 oder zahlreicher Großbrände in Landwirtschaft und Gewerbe.
Der Zusammenhalt blieb dabei stets das Fundament – gestärkt durch Feste, Wettkämpfe und gemeinsame Aktionen.
Technischer Fortschritt und moderne Herausforderungen
Mit den 1990er-Jahren begann die Digitalisierung in der Feuerwehr. Funkgeräte, neue Fahrzeuge und ein wachsender Ausbildungsstand machten die Ortsfeuerwehren Osteel und Leezdorf zu leistungsfähigen Einheiten im gesamten Brookmerland.
Einsätze bei der Elbeflut 2002, bei Sturm „Nadörst“ 2022 oder beim Tornado in Berumerfehn 2021 zeigen, dass die Kameradinnen und Kameraden auch heute mit modernster Technik und großem Einsatzwillen zur Stelle sind.
In Osteel wurde das Gerätehaus mehrfach erweitert und die Ausstattung auf den neuesten Stand gebracht. Die Pandemie stellte die Wehr vor neue Herausforderungen: Dienstabende mit Maske, digitale Übungen, Weihnachtsaktionen „mit Abstand“ – aber der Teamgeist blieb ungebrochen.
Wiedervereinigung nach 90 Jahren – Ein historischer Schritt
Nun, im Oktober 2025, kehren beide Feuerwehren zurück zu ihren Wurzeln: Osteel und Leezdorf werden wieder eins.
Aus zwei gewachsenen Ortsfeuerwehren entsteht die Feuerwehr Brookmerland Nord – mit modernem Gerätehaus, zukunftsfähiger Technik und starker Nachwuchsarbeit.
Was 1935 begann, wird 90 Jahre später fortgeführt – nicht als Rückblick, sondern als Neubeginn.
Der neue Verband steht für Zusammenhalt, für Gemeinschaft über Ortsschilder hinweg – und für das, was seit Generationen gilt:
„Einer für alle, alle für einen – Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“
Wer sich für die Chronik der Feuerwehr Osteel-Leezdorf interessiert, kann sich gerne an den Autor Norbert Müller wenden ([email protected]).