25/08/2026
Anti-Opfer – Warum wir Verletzlichkeit verachten
13.9.26 | 16 Uhr | MuseumsquartierOsnabrueck
Lesung & Gespräch mit Alice Hasters
In Talkshows, in Bundestagsdebatten, am Abendbrottisch – überall wird über
»Opfer« gesprochen. Doch zunehmend sind damit nicht Menschen gemeint,
denen Unrecht widerfahren ist. Sondern solche, die die Harmonie stören, als
verweichlicht gelten, andere herunterziehen oder sich über sie stellen wollen.
»Opfer« – das ist längst ein Vorwurf geworden. Wenn Menschen nicht so viel
jammern würden, heißt es, hätten wir nicht so viele Probleme. Was passiert in
unserer Gesellschaft, wenn Sensibilität als elitär gilt, das »Recht des Stärkeren«
dagegen als egalitär und authentisch?
In ihrem neuen Buch beschreibt Alice Hasters einen medial verstärkten kulturellen
Wandel, der nicht zufällig mit einem Aufschwung von Autoritarismus und
Faschismus einhergeht. Doch auch diese Systeme brauchen »Opfer«: vermeintlich
fragile, verwundbare Figuren, die es zu schützen gilt, um die Politik der Härte zu
rechtfertigen – Frauen und Kinder, die »europäische Kultur« oder der »Wohlstand«.
Mit intellektueller Unruhe und unbeirrter Klarheit benennt Hasters die
verheerenden Folgen dieser Politik und stellt ihnen die politische Kraft der
Verbundenheit gegenüber.