02/11/2022
Wir gratulieren unseren Mitpreisträgern vom Sharehaus Friedenskirche
Friedenszeichen in Kriegszeiten
Das SHAREHAUS Friedenskirche ist ein ökumenisches Kooperationsprojekt der Evangelisch-reformierten Gemeinde Osnabrück, der Freien evangelischen Gemeinde Osnabrück und der Jugendkirche Osnabrück. Angesiedelt in der Friedenskirche an der Klöntrupstraße 6, gestaltet und fördert das SHAREHAUS Jugend- und Bildungsarbeit, neue Formen von Kirche sowie kreative und kulturelle Angebote im Zentrum von Osnabrück. Die Initiative versteht sich als „sozio-ökumenischer Ort“, der Begegnungsfläche für Menschen innerhalb und außerhalb von Kirche sein will.
Der Ökumenepreis wurde vergeben anlässlich des Gottesdienstes am Osnabrücker Friedenstag, dem 25. Oktober, an dem vor 374 Jahren von der Osnabrücker Rathaustreppe aus der Westfälische Frieden verkündet wurde. Mit dem Preis prämiert die ACKOS herausragende, beispielgebende Projekte und Aktionen, die zur Einheit der Christen beitragen und ein gemeinsames Engagement für Frieden und Versöhnung fördern. Die Predigt in dem Gottesdienst hat Pfarrer André Sühling von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Münster gehalten – als „Friedensbote“ aus der westfälischen Nachbarstadt. Im Anschluss gab es drei ermutigende Beispiele für Friedenszeichen in Kriegszeiten. Franz-Josef Lotte von der internationalen, katholischen Friedensbewegung pax christi schilderte, wie sich die Organisation Zatsikavleni in Odessa dafür einsetzt, die Innenhöfe in der ukrainischen Hafenstadt am Schwarzen Meer wiederzubeleben. Die Innenhöfe seien traditionelle Orte der Begegnung – hier treffe sich die Nachbarschaft und wachse als Gemeinschaft zusammen. Das Netzwerk, das die Aktivist*innen aufgebaut haben, erweise sich nun als überlebenswichtig. Trotz des Krieges würden die Menschen sogar Bäume in den Höfen pflanzen.
Ilse-Landwehr-Wegner, Präses des Evangelisch-reformierten Synodalverbandes Emsland-Osnabrück, berichtete von der Initiative „Friedensgang der Religionen“ in Melle. Der Friedensgang verbindet seit vielen Jahren evangelische, katholische und islamische Gemeinden in der Stadt im Grönegau, die immer schon ein Vorbild für Integration gewesen sei. Christ*innen und Muslime machen sich einmal im Jahr gemeinsam in der Meller Innenstadt auf den Weg, um zu demonstrieren, dass ein gutes und friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kultur, Religion und Konfession möglich sei. Das dritte Mut machende Beispiel kam von Pastor Matthias Binder vom Friedensort Osnabrück. Im September hat der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), ein weltweiter Zusammenschluss von 352 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern, seine Vollversammlung zum ersten Mal in Deutschland abgehalten. Der ÖRK gilt als wichtigstes Organ der ökumenischen Bewegung. Zentrale Frage vor der Zusammenkunft sei gewesen, ob man die russischen Delegierten einladen solle. Man habe sich dafür entschieden, und sie sind gekommen – ein Signal dafür, dass man die Verbindung trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine nicht abreißen lassen wolle.
Fotos : Frank Waniek