Traditionell wird im Rahmen des Auferstehungsfestes an vielen Orten das Osterfeuer
entzündet. Ein Brauch aus alten Zeiten, der dazu diente, den Winter zu vertreiben – zu
verbrennen. Vermutlich glaubten unsere Vorfahren, dass der Schein des Feuers eine
reinigende Wirkung hat und die keimende Saat vor bösen Geistern schützt. Zur Sicherung der
Fruchtbarkeit, des Wachstums und der Ernte wurde die Asch
e auf die Felder verteilt. Später
wurde dieser Brauch von den Christen übernommen. »Es soll daran erinnern, dass mit Christi
Leben das himmlische Licht und Feuer am Karfreitag erlosch, um am Ostertage um so heller
aufzuleuchten«, ist den Aufzeichnungen des Olpers Adolf Müller (†) zu entnehmen, der die
Geschichte des Osterfeuers und der früheren Poschegesellschaft »Hoher Stein« (Posche
stammt vom hebräischen Wort Passah und ist das älteste Wort für Ostern) von 1905 bis 1972
in einer Privatausgabe festgehalten hat. Seinerzeit gab es drei Poschegesellschaften, die »Hohen Steiner«, die »Imberger« und die
»Rhonarder«. Am Palmsonntag suchte der jeweilige Chef im Osterseifen eine mächtige Eiche
und ab 1922 eine Fichte als Poschebaum aus, was eine sehr festliche Sache war. Eichen- und
Buchenholz wurden zu Schanzen gebunden und Karfreitag zum Platz gefahren. Mit Ross und Wagen holten die
Poschegesellschaften »ihren« Baum ab und brachten ihn zu den überlieferten Plätzen: Die
»Rhonarder« zur »Alten Post«, die »Imberger« zur »Kante« und die »Hohen Steiner« zum
Hotel Tillmann. Am Ostersonntag ging es daran, die Bäume anzurichten, sie mussten
kerzengerade stehen. Danach schichteten die Poschebrüder – allesamt in blauen Anzügen –
das Holz. Am Abend wurden die Feuer abgebrannt. Im Anschluss umrundeten die
Poschejungen mit ihren Mädchen dreimal den Baum und sangen das alte Osterlied. Mit allen
Besuchern zogen sie danach zu ihren Plätzen, wo mit dem Lied »Großer Gott, wir loben dich«
der geweihte Tag zu Ende ging. Durch den Zweiten Weltkrieg und das Verbot der NSDAP war das Fortbestehen der uralten
Tradition gefährdet, zumal die jungen Poschebrüder im Krieg waren. »Da waren es unsere
Väter, die in den Osternächsten trotz Fliegeralarms durch die Straßen zogen und verkündeten:
,Christus ist auferstanden’«, schreibt Adolf Müller. »Mit ihrem Singen haben unsere Väter
dafür gesorgt, dass das Poschefeuer vom Jahre 1946 an wieder aufflammten.« Auf Initiative
des damaligen Pastors Menke seien die Poschefeuer erstmals mit dem Licht der Osterkerze
von einem Geistlichen angezündet worden. Das sollte einen noch engeren Kontakt zwischen
Kirche und Osterfeuer herstellten. Im Jahr 1967 weigerte sich der frühere Vikar Bormann,
diese Sitte zu übernehmen. Seine Begründung: Das sei doch nur ein heidnischer Brauch,
außerdem habe es solche Feuer auch in der Hitler-Zeit gegeben. Daraufhin übernahm der
damalige Poschechef Alfred Müller das Entzünden des Feuers. Das Licht nahm er von der
Osterkerze. Pater Jörg Liedtke ließ 1968 das Ritual von Pastor Menke wieder auferleben. Er
war der Meinung, dass man die heidnischen Bräuche – so wie die Missionare – auch
umdeuten könnte. Augustinus habe heidnische Tempel nicht einfach abgerissen, sondern sie
verändert und in Kirchen umgebaut. Genauso könne man den Brauch des Feuers umwandeln:
Die Menschen sollten von der Nachricht der Auferstehung Christi entzündet werden sollen. Ostern 1968 wurde erstmals das mühsam errichtete Feuer am »Hohen Stein« von
unbekannten Tätern angezündet. Doch am Abend konnte, dank vieler freiwilliger Helfer und
der Olper Feuerwehr das Feuer traditionell von Vikar Linnebrink angezündet werden. Alle
Ausführungen von Adolf Müller über das Osterbrauchtum in Olpe werden im neuen Jahrbuch
des Heimatvereins Olpe veröffentlicht, das im Juni herausgegeben wird. Die Zeit seit den 70er
Jahren dokumentiert Klaus-Martin Ohm, der sich u.a. mit dem Thema »Was wird aus den
Osterfeuern?« beschäftigt hat: Danach konnte bis zum Jahr 1994 die Poschegesellschaft
»Hoher Stein« ihre Feuerstelle nutzen, die aber dann der Bebauung der »Norbert Scheele
Straße« weichen musste. Am »Imberg« brannte 1998 das letzte Feuer, was nicht nur an der
sich anbahnenden Bebauung am oberen »Imberg«, sondern gleichfalls an der mangelnden
Bereitschaft der Jugendlichen lag, die schwere körperliche Arbeit auf sich zu nehmen. Ebenfalls in diesem Jahr wurde letztmals das Osterfeuer der »Eichhardt/Hohen Rhonard«
entzündet, bevor dort die neuen Straßenzüge Kiefer-, Eschen- und Holunderweg entstand
en. Seit 1999 gibt es im Erholungswald »Am Gallenberg« das zentrale Poschefeuer von Olpe. Ein Jahr später schlossen sich die Poschegesellschaften »Imberg« und »Eichhard/Hohe
Rhonard« sowie zahlreiche Angehörige der ehemaligen Poschegesellschaft »Hoher Stein«
zur Poschegesellschaft »Gallenberg« zusammen. Dies war der Beginn der noch heute
Aktuellen Poschegesellschaft und wir freuen uns die Tradition weiterführen zu können.