In Dubio pro Mülleimer
Hier einige grundlegende Informationen rund um das Müllsammeln auf öffentlichen Plätzen. Angefangen hat alles mit permanentem Ärgern: Kein Ausflugsort, den man besuchen kann, ohne auf Müll zu stoßen, kein Wanderweg ohne Plastik im Wald, manchmal bei jedem Schritt. Dazu kamen Hakenkreuze und anderer rassistischer Müll an Wänden, hingeschmiert, stehengelassen. Irgendwann habe
ich angefangen mich zu kümmern, zuerst im Kleinen, mittlerweile bin ich beim regelmäßigen Müll sammeln angekommen: Halte deine Umwelt sauber! Warum sollte man Müll sammeln? Meine Gründe, Müll zu sammeln:
Die Natur hat ein Recht darauf, so zu sein, wie sie ist. Ich gehe gerne raus in die Natur und ich will nicht überall an die Zivilisation erinnert werden. Ich möchte nicht auf einer Müllhalde leben. Die Umwelt von offen herumliegendem Müll zu befreien ist sozial, freundlich, aktiv, schnell verständlich und physisch und psychisch gesund. Müll gehört nicht in die Natur. Übrigens auch kein esoterischer Müll: Ich rede nicht von „Mutter Natur“, halte Astralheiler, die intelligentes Wasser verkaufen, für Verbrecher und ich befinde mich nicht auf einem Kreuzzug gegen die Übel der Welt. Mit beiden Beinen auf dem Boden stehen heißt für mich diesen in Ordnung zu halten. Ich denke, es ist immer wieder notwenig, gute Gründe zu finden, warum man sich auf Sammelspaziergänge begibt - vor allem, damit man nicht enttäuscht ist. Plätze, die man heute gereinigt hat, können morgen schon wieder vermüllt sein. Damit muss man leben. Ich zähle die Säcke, die ich gesammelt habe - und die netten Gespräche. Welchen Müll sammelt man? Es gibt nichts, was nicht zu finden ist. Die Hauptanteile sind weggeworfenes Papier, Plastikhüllen, Masken, Zigarettenstummel, Glasflaschen, Kronkorken, Hygieneartikel, Bonbonpapiere, Autoteile und Verpackungen aller Art. Zu den selteneren, aber durchaus skurrilen Funden, zählten bisher Matchboxautos, ein Motor, ein Fahhradrahmen, eine Schöpfkelle, Gartenscheren und Geldscheine. Welche Ausrüstung benötigt man? Ein wenig grundlegende Hygiene sollte jeder beherrschen, der sich auf Sammelspaziergänge begibt. Hände waschen und desinfizieren sind hinterher immer notwendig - man findet unangenehme Dinge. Rucksack und Transportmittel - ich nutze ein Fahrrad - sind unabdingbar. Dazu nutze ich
einen Müllgreifer (ca. 15 Euro im Baumarkt)
Feste Mülltüten (60-120l, ca. 3 Euro/10 Stück im Baumarkt)
Handschuhe (ab 2 Euro im Baumarkt)
Graffiti - Entfernungsspray (ca. 15 Euro im Baumarkt)
feste Mütze, alte Wanderschuhe, feste Jacke - manchmal geht es in dornige Büsche
Wie sieht eine Sammelaktion aus? Ich plane selten Tage vorher, wann ich gehe. Meistens richte ich mich danach wie ich Zeit, Lust und Kraft habe, auch will ich meine Familie nicht vernachlässigen. Ich suche mir Flächen aus, die ich dann mehr oder weniger systematisch absuche, meistens führt ein Fundstück zum nächsten. Fundorte mit viel Müll sind
entlang von Straßen
Wege, die nicht gereinigt werden
Müllecken, die dort entstehen, wo nicht klar ist, wer zuständig ist
Alle Orte, wo Menschen sich keiner Verantwortung bewusst sind (Parkplätze, Parks,…)
Aussichtspunkte
Industriegebiete
Büsche, da hier der Wind den Müll hin weht und dieser dort liegenbleibt
Ich bin zwischen 1,5 und 4 Stunden unterwegs. Ich achte auf Gegebenheiten, z.B. sammle ich nicht in der Brutzeit in Gegenden, wo Vögel brüten. Ich rede mit den Leuten, die mich ansprechen, bedanke mich für ihr Interesse und gebe einen Grund an, warum ich sammle. Zusätzlich sammle ich das Pfandgeld und möchte es am Ende für einen sozialen Zweck spenden. Müll sammeln ist keine One-(Wo)Man-Show. Auch mein Ziel ist es, mehr Leute ins Boot zu holen, die mit sammeln. Das hat einen doppelten Effekt: Zum einen sammeln mehr Menschen mit, zum anderen sehen mehr Menschen, dass sich um die Umwelt gekümmert wird. Konkrete Unterstützung habe ich am Anfang bekommen von
der Stadt Offenburg (als Ansprechpartner, zusätzlich gibt es ein Unterstützungsprogramm)
dem Bauhof Elgersweier (hilft bei der Entsorgung)
Freunden (die Ähnliches machen)
von allen, die ein „Like“ dalassen, die Aktionen teilen usw. Ich veröffentliche mit Absicht meinen Namen nicht. Es geht hier nicht um mich, sondern darum, dass sich möglichst viele Menschen finden, die ähnliche Aktionen durchführen. Gerne bin ich auch bereit über Aktionen rund um Offenburg zu berichten. Welche Reaktionen gibt es? In einem der Gespräche kam die Angst vor ablehnenden Kommentaren zum Ausdruck. Ja, es gibt auch negative Reaktionen: Einen Radfahrer, der einen anschreit, auch mal einen komischen Blick oder mal jemanden der schaut, was man denn so treibt. Das ist aber die deutliche Minderheit: Viele grüßen freundlich, sind überrascht, zeigen Interesse oder sind mit ein paar freundlichen Worten oder Erklärungen zufrieden - und es kommt auch mal ein „Danke!“. Ich kann nur schreiben: sich trauen, einfach machen, Stolz auf die eigene Handlung sein. Denn es ist .