Helden ohne Umhang
Am 11. Juni 2015 war es soweit: „HeRoes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Für Gleichberechtigung“ durfte als neues Projekt des DRK-Kreisverbandes Offenbach e.V. eine sehr gelungene und erfolgreiche Auftaktveranstaltung feiern. Ein sogenannter „Ehrenmord“ an Hatun Sürücü, die sich nicht den Traditionen ihrer Familie beugen wollte, war die Initialzündung für das Projekt „HeRoes“. Nachdem es 2007 in Berlin gegründet wurde, setzte es sich bereits in Städten wie München, Köln, Nürnberg und Duisburg durch. Offenbach folgte als erste hessische Kommune.
Ziel des Präventionsprojekts ist es, Aggressionen in Form von psychischer und physischer Gewalt sowie die Unterdrückung von Männern und Frauen im Namen der Ehre abzubauen und sich für die Gleichberechtigung beider Geschlechter einzusetzen. Ein neu zusammengestelltes Team nahm sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe an.
Das Berliner Konzept, das auch in Offenbach umgesetzt wurde, ist erfolgsversprechend: Junge Männer zwischen 16 und 21 Jahren nahmen zwischen Dezember 2015 und Januar 2017 an wöchentlichen Treffen mit den männlichen Gruppenleitern teil. Es geht dabei um sensible Themen, weshalb es für die Gruppenleiter wichtig ist, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen. In den regelmäßigen Trainings diskutierten sie u.a. über Ehre, Identität, Gewalt, Geschlechterrollen oder Menschenrechte und hatten die Möglichkeit, sich mit persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen untereinander auszutauschen. Es ging dabei allerdings nicht um richtig oder falsch. Den Jungen wurde ein Raum geboten, um frei über ihre Meinungen und Einstellungen zu disktutieren. Gezielte Fragestellungen der Gruppenleiter halfen dabei diese zu hinterfragen. Rollenbilder sollten überdacht und verschiedene Sichtweisen ausgetauscht werden.
Nach Beendigung der einjährigen Trainingsphase wurde die Gruppe im Rahmen einer öffentlichen Anerkennungsfeier unter Beteiligung ihrer Familien am 19. Januar 2017 zu anerkannten „HeRoes“ zertifiziert und durften als Multiplikatoren Workshops an Schulen und Jugendeinrichtungen anbieten.
Die Jahre 2017 und 2018 waren sehr erfolgreich. Seit ihrer Zertifizierung haben die HeRoes in 35 Workshops rund 650 Schülerinnen und Schüler erreicht. Neben Schulklassen waren die HeRoes auch in der JVA Zweibrücken, in UMF-Wohngruppen, einem Boxclub und waren außerdem mit zwei Workshops fester Bestandteil eines sozialen Trainingskurses für straffällige Jugendliche. Anfragen kamen nicht nur aus Stadt und Kreis Offenbach, sondern aus fast ganz Hessen und angrenzenden Bundesländern.
Am 20. Juni 2018 wurde die zweite Generation bestehend aus acht Jugendlichen erfolgreich zertifiziert. So ist die Gruppe der Multiplikatoren, die Workshops anbieten kann, gewachsen.