27/05/2026
Immer ein Level höher ↗
Das diesjährige Dorffest in Helpup war ein Ereignis der Superlative / Der Bürgermeister unterstützte den Wunsch nach einem dauerhaften Platz
„Was war das für ein krasses Dorffest!“, meinte Kamil Gorny, der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, zum Ende des viertägigen Mega-Events. Solch eine Hochstimmung an allen vier Tagen, so viele Zuschauer beim Festumzug mit 25 Themenwagen, so viele Teilnehmer beim Lauf und nicht zuletzt so gutes Wetter habe er noch nicht erlebt, stellte er fest.
Beim Bingospielen in der Tagespflege „Hilf auf“ war die Idee entstanden. Pflegedienstleiterin Julia Wickord ermahnte die älteren Menschen scherzhaft, nicht die ganze Rente zu verzocken, denn das Dorffest stehe ja noch bevor. Erinnerungsselig meinten die Senioren daraufhin: „Ach wäre das schön, noch einmal Kirmesvergnügen zu erleben.“
Nichts ist unmöglich, trotz Rollator und Rollstuhl, dachte sich Julia Wickord und fragte nach. Robert Bomberka, Betreiber des „Musik Express“ war sofort angetan und lud die Senioren zu einer exklusiven Proberunde. Die Senioren in den Waggons mit den Namen „Full Speed“, „Hot Dreams“ und „Sex Maschine“ hatten vorab nur eine Bitte: „Wir möchten aber langsam, also altersgerecht, starten.“ Nach einigen Runden erübrigte sich die Frage: „Wollen Sie auch mal rückwärts fahren?“ Selbstverständlich waren sämtliche Fahrgäste dafür. Auch für den Schausteller war es eine neue Erfahrung. „Unsere Familie kommt schon in der dritten Generation zum Dorffest, das war heute ein einmaliges Erlebnis“, sagte Robert Bomberka.
Der Dorffestlauf, organisiert von der TuS Helpup und der LG Oerlinghausen, wird immer bekannter und beliebter. Mit insgesamt 839 Startern wurde bei der jetzigen 5. Auflage ein neuer Rekord aufgestellt. Es ist somit einer der größten Volksläufe in Lippe. Von der starken Resonanz war Tanja Tilleke von der TuS sehr beeindruckt. Ihre Erklärung: „Beide Kitas, die Grundschule und viele Vereine beteiligen sich – das ganze Dorf ist auf den Beinen.“ Mit der höchsten Punktzahl lagen die Anwohner der Bielefelder und der Bergstraße mit ihren Freunden knapp vorn. Bereits beim Walkinglauf nahmen sie als geschlossene Gruppe teil.
Beim Umzug waren sie als „Super Mario“ zu sehen. Ähnlich wie beim Videospiel gaben sie die Parole aus: „Wir heben Helpup auf das nächste Level.“ Es gebe so viele immer neue Herausforderungen, doch im Dorf würden sie nicht nur angenommen, sondern auch zu einem guten Ende geführt. „Das war eine echte Überraschung für uns“, sagte Martin Kampeter. „Mit einer so guten Bewertung unseres Auftritts haben wir echt nicht gerechnet.“ Die 35 beteiligten „Super Marios“ hatten nicht nur viel Zeit in die Kostüme investiert, sondern für ihren Auftritt auch ein eigenes Lied entwickelt.
Nach dem gemütlichen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen am Samstag gab die „Royal Stage Army“ ein völlig anderes Ziel aus: „Wir verwandeln dieses Zelt in einen Club“, kündigte Sänger Erik an. Voller Energie legte die elf Mitglieder starke Band aus Hövelhof mit schnellen Coverversionen los. Die „Army“ trat mit einer fünfköpfigen Blechbläserformation an, die den besonders wuchtigen Sound lieferte. Unbestrittener Mittelpunkt war schließlich Sängerin Coco mit ihrer auffallenden, kraftvollen Stimme.
Mit Volldampf ging am nächsten Tag das Duo OBS („Ostblockschlampen“) mit harten Techno-Beats zu Werk. Wie bei ihren zahlreichen Festival-Auftritten feierten die Fans Sophie Schäfer und Markus Lange für ihre absolut angesagten, tanzbaren Titel. Das gemeinschaftliche Hüpfen im Takt ließ den Holzfußboden im Zelt erbeben.
In Helpup ist vieles anders als gewohnt. Während zum Beispiel beim Oktoberfest das traditionelle Fassanstechen zu Beginn erfolgt, stand es beim Dorffest am Ende des Programms. Bürgermeister Peter Heepmann fiel die Aufgabe zu, die Handlung vorzunehmen. „Das mache ich zum ersten Mal“, sagte er. Entsprechend vorsichtig ging er vor und versetzte dem Fass zunächst nur leichte Schläge mit dem Holzhammer. Erst als Festwirt Heiko Janz ihm zu Hilfe kam, sprudelte schon bald der Gerstensaft hervor.
Heepmann, der sich schon bei der Feuer-Übung das Unfallsopfer spielte und den gesamten Umzug begleitete, zeigte sich überwältigt. „Beim Dorffest habe ich eine phantastische Stimmung erlebt. Was hier von den Veranstaltern und der Bürgerschaft auf die Beine gestellt wurde, ist großartig“, meinte er rückblickend. Deshalb unterstütze er auch gern den Wunsch nach einem dauerhaften Festplatz. „Ich bin aber sicher, dass es gelingen wird“, sagte Heepmann.