11/06/2026
Servus zusammen,
Heute melden wir uns mit einem Anliegen in eigener Sache.
Ein Kommentar unseres Bereitschaftsleiters Björn Moldenhauer zum gestrigen Einsatz im Landkreis Dachau.
“Zunächst möchte ich den Eltern und Angehörigen des auf so tragische Weise verstorbenen Jungen meine Aufrichtige Anteilnahme aussprechen. Meine und unser aller Gedanken und Gebete sind in dieser schweren Zeit bei Ihnen.
Auch den anderen, auf welche Art und Weise von dem tragischen Unfall betroffenen Personen, gleich ob als Patienten, Eltern, Angehörige oder auch als Einsatzkräfte, gelten unsere Gedanken und die besten Wünsche.
Ich selber bin dreifacher Papa. Unter anderem eines 9 jährigen Buben in der dritten Klasse. Und ich bin mehr als dankbar, dass der Rettungswagen, auf dem ich gestern saß, nicht zu diesem Unfall alarmiert wurde. Anders als andere hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen hatte ich schlicht Glück. Und so traf mich der Einsatz als Bereitschaftsleiter “nur” mittelbar im Hintergrund organisierend.
Hätte ich frei gehabt, oder wäre meine Schicht bereits beendet gewesen, wäre ich auch ausgerückt, keine Frage. Zumal uns als “einfache” Einsatzkraft zum Alarmzeitpunkt keine Informationen von der Einsatzstelle vorlagen. Aber so ist dieser Kelch an mir vorüber gegangen.
Mein größter Respekt gilt denen, die keine Minute gezögert und sich an unserer Unterkunft eingefunden haben, um von hier in den Einsatz zu gehen. 9 Mitglieder der Odelzhausener Bereitschaft waren im Einsatz oder standen in Bereitstellung.
N E U N Menschen, die alles stehen und liegen lassen, um anderen Menschen zu helfen, um beizustehen oder zu betreuen.
Gelebte Nächstenliebe. Etwas, was in unserer egomanen Ellbogengesellschaft alles andere als Selbstverständlich ist.
Es erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit diese Bereitschaft, die solche Menschen hervorbringt, leiten zu dürfen.
Aber es erfüllt mich mit Zorn, Wut und Unverständnis, was ich am gestrigen Abend, an Kommentaren in den sozialen Netzwerken lesen musste.
Da wird es als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, dass Feuerwehr und Rettungsdienst so professionell arbeiten.
Nun betreffen mich persönlich diese Kommentare doppelt. Zum Einen als hauptamtlichen Angestellten im Rettungsdienst, zum Anderen als ehrenamtliche Einsatzkraft im Roten Kreuz.
Ja, als Hauptamtlicher ist es mein Beruf und ich habe ihn mir freiwillig ausgesucht. Und ja, selbstverständlich geben meine Kolleginnen und Kollegen jeden Tag ihr Bestes für eine professionelle Patientenversorgung zum Wohle der Menschen in der Region. Aber NEIN, bei so einem Einsatz ist es nicht selbstverständlich, dass wir funktionieren. Wir sind Menschen, Väter, Mütter, Schwestern, Brüder, Tanten oder Onkel. Einsätze mit Kindern sind alles andere als selbstverständlich und alltäglich. Und JA, auch die hauptamtliche Einsatzkraft freut sich über Lob, Respekt und Anerkennung.
Als Ehrenamtlicher sieht es ganz anders aus. Und da ist es egal, ob ich die Hilfsorganisationen, die Freiwilligen Feuerwehren oder das THW nehme. In einer Zeit, in der wir alle um jedes einzelne Mitglied kämpfen müssen, in der Work-Life-Balance und das eigene Wellbeeing wichtiger ist, als das Gemeinwohl. In so einer Zeit, ist es alles andere als Selbstverständlich, dass es so viele Menschen gibt, die an einem Mittwoch Mittag alles Stehen und Liegen lassen, um (das eigene Wellbeeing ausblendend) anderen zu helfen.
Für was für eine Konsumgesellschaft leisten wir unseren wertvollen Dienst am Nächsten, die unser Dasein als Selbstverständlichkeit ansieht, die kein Wort des Dankes, des Respekts und der Anerkennung übrig hat.
Das macht mich mehr als traurig, es macht mich regelrecht wütend.
Mich würde einmal interessieren, was diese Menschen machen würden, wenn alle ehrenamtlichen Feuerwehrdienstleistenden, alle ehrenamtlich in den Hilfsorganisationen und im THW tätigen Mitglieder sich so verhalten würden, wie diese Kommentierenden.
Und dennoch bin ich mir sicher, dass dies nicht passiert, denn wir Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes helfen nach unseren Grundsätzen menschlich, unabhängig, neutral, unparteilich, freiwillig, einheitlich und universell, ohne Blick auf Herkunft, Religion Hautfarbe ö.ä. Lediglich nach dem Maß der Not.
Und deswegen sage ich allen Einsatzkräften, Danke für euren Einsatz und euren Dienst an der Gesellschaft.
Herzlichst ihr
Björn Moldenhauer
Bereitschaftleiter Odelzhausen “