10/06/2020
[Meinungsmittwoch]
„Da ist er also, der offene Brief in dem Professoren fordern, dass man doch bitte mal langsam wieder in die Uni kommen sollte zum Studium, natürlich coronaverträglich, man will ja nicht an den Pranger gestellt werden. Der zwischen den Zeilen herrschende Ton ist aber ein anderer. Denn einen solchen Brief mit mittlerweile fast 3000 Unterstützern schreibt man natürlich nicht um zu sagen: Bitte macht genauso weiter wie bisher und kommt dann irgendwann zurück, wenn Corona vorbei ist. Man startet auch keine PR-Kampagne, die diesen Brief mit Überschriften wie „Über 2000 Professoren und Dozenten fordern Rückkehr zur Präsenzlehre“ vermarktet. Hier sieht man, dass eine Berufsgruppe Angst um ihren Stellenwert beim Frontalunterricht hat. Aber ich kann das verstehen. Plötzlich zu digitalisieren, weil man es die letzten Jahre verpennt hat, ist auch noch aufwändig und Corona ist ja offensichtlich fertig, wenn die Menschen sich wieder zum großflächigen Demos treffen können. Und wer sehnt sich im Grunde nicht nach den überfüllten Massenvorlesungen der ersten Semester, die durch ihre Art als Präsenzlehre die „Grundlage eines universitären Lebens“ sind. Ich habe mich dadurch auch immer richtig belebt gefühlt an der Uni…
Ja, ich weiß, dass dieser Brief echt deutlich entschärfter geschrieben ist als ich das nun hier darstelle. Aber so wie die Professoren auf den Stellenwert der Präsenzlehre hinweisen wollen (der in ordentlich durchdachten, nicht-frontalunterricht Veranstaltungen sicherlich auch gegeben ist), möchte ich nun auf den Stellenwert von digitalen und neuen Lehrkonzepten hinweisen, weil ich die „Gefahr“ sehe, dass nach Corona genauso weitergemacht wird wie vorher.
Und an all diese Professoren, die sich genau das wünschen: Bitte setzt euch dann auch mit in das Publikum in den überfüllten Hörsälen, gebt den Studis die Hand zur Begrüßung und zwingt nicht nur uns dazu sich in eine Superspreader-Veranstaltung zu quetschen: Gleiche Infektionschance für alle!“
Quelle: https://www.praesenzlehre.com/