25/01/2026
Ansprache von Minister a.D. Björn Thümler, MdL, am 18. Januar 2026 in Hartwarden:
Wenn wir uns heute hier versammeln, dann erinnern wir an ein Ereignis, das mehr als 500 Jahre zurückliegt.
Die Schlacht bei Hartwarden fand am 21. Januar 1514 statt. Es ist ein Datum, das tief in der Geschichte unserer Wesermarsch verankert ist.
Ein Ort, an dem Menschen aus unserer Region für ihre Freiheit, ihre Lebensgrundlagen und ihre Gemeinschaft eingestanden sind.
Die Welt von damals war eine andere. Und doch gibt es eine Verbindungslinie, die uns bis heute erreicht: Die Erkenntnis, dass Frieden, Sicherheit und Selbstbestimmung niemals selbstverständlich sind.
Sie müssen geschützt, verteidigt und immer wieder neu begründet werden.
Wie wir es jetzt in Grönland sehen, etwas, das mich als bekennenden Transatlantiker tief trifft, das schwer auszuhalten ist. Das ein Partner die anderen unter Druck setzt und durch höhere Zölle gefügig machen will!
Die Menschen, die hier 1514 kämpften, standen einer Übermacht gegenüber. Sie wussten, dass es auf ihren Mut, ihre Entschlossenheit und ihren Zusammenhalt ankam. Diese Haltung ist aktueller denn je.
Wir leben heute in einer Zeit, in der sich die sicherheitspolitische Lage in Europa dramatisch verändert hat. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat uns vor Augen geführt, dass Frieden in Europa nicht garantiert ist. Dass Freiheit und Demokratie verteidigt werden müssen.
Und dass wir als Europäer zusammenstehen müssen, wenn wir unsere Werte bewahren wollen.
Deutschland und Europa stehen vor einer Bedrohungslage, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr kannten.
Es geht nicht um Panik, sondern um Realismus. Um die nüchterne Erkenntnis, dass Abschreckung, Wehrhaftigkeit und Bündnistreue wieder zentrale Aufgaben unseres Staates sind.
Wenn wir heute an Hartwarden erinnern, dann tun wir das, um uns bewusst zu machen, dass Geschichte uns lehrt, wachsam zu bleiben.
Dass Freiheit ihren Preis hat. Und dass Zusammenhalt stärker ist als jede Bedrohung.
Wir haben zu lange geglaubt, dass andere für unsere Sicherheit sorgen. Dass wirtschaftliche Verflechtung schon für Frieden sorgt. Dass wir uns militärische Stärke sparen können.
Diese Illusion ist vorbei.
Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit haben uns gezeigt, wie verletzlich ein Land ist, wenn es seine Infrastruktur nicht schützen kann.
Wir sind Energie- und Industriestandort, wir sind Hafenregion, wir sind Teil der Lebensadern dieses Landes. Und wir wissen: Sicherheit ist nicht abstrakt. Sie entscheidet darüber, ob unsere Wirtschaft funktioniert, ob unsere Familien geschützt sind, ob unser Land handlungsfähig bleibt.
Die Menschen von 1514 hatten keine Wahl. Wir haben sie. Wir können entscheiden, ob wir Europa stärken oder schwächen. Ob wir unsere Bundeswehr ertüchtigen oder vernachlässigen. Ob wir unsere Demokratie verteidigen oder spalten lassen. Ob wir mutig handeln oder bequem wegschauen.
Ich bin überzeugt: Unsere Region, unser Land, unser Europa haben die Kraft, diese Herausforderungen zu bestehen. Aber nur, wenn wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Nur, wenn wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Und nur, wenn wir uns daran erinnern, dass Freiheit immer auch Verpflichtung bedeutet.
Die Schlacht bei Hartwarden ist ein Mahnmal. Nicht für Krieg, sondern für die Bedeutung von Entschlossenheit. Nicht für Gewalt, sondern für die Notwendigkeit, das eigene Gemeinwesen zu schützen. Nicht für Rückzug, sondern für Zusammenhalt.
Sie erinnert uns daran, dass Verantwortung manchmal Mut verlangt. Und dass Mut immer mit Klarheit beginnt.
Klarheit darüber, wer wir sind.
Klarheit darüber, was wir verteidigen wollen.
Und Klarheit darüber, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, weder von äußeren Bedrohungen noch von innerer Spaltung.
Lassen Sie uns dieses historische Datum nutzen, um unseren Blick zu schärfen. Für die Gegenwart. Für die Zukunft. Für ein Europa, das stark genug ist, seine Werte zu verteidigen.
Denn auch dafür sind die Menschen 1514 gestorben, sie hatten keine Wahl, wir haben diese!