19/04/2026
Der Meldekopf in Nienburg erwacht zum Leben
Noch lag der frühe Morgen über der Clausewitz Kaserne, als die ersten Reservisten bereits für die Waffen- und Geräteausbildung eintrafen. Punkt 7:30 Uhr erfolgte das Antreten – klare Kommandos, aufmerksame Gesichter, der Tag konnte beginnen. Nach den üblichen Formalitäten gab es erst einmal eine stärkende Tasse Kaffee und Gelegenheit zum Austausch. Die Vorfreude auf den Ausbildungstag war allen anzumerken.
Begrüßung durch Hauptmann Till Engelbart
Mit einer souveränen Begrüßung eröffnete Hauptmann Till Engelbart die Veranstaltung. Er stellte das erfahrene Funktionspersonal vor und gab einen präzisen Überblick über die vier Stationen, die an diesem Tag absolviert werden sollten. Das Motto: 90 Minuten pro Station, volle Konzentration, dann Wechsel. Eine kurze Mittagspause würde den Ablauf auflockern. Die 42 Teilnehmer wurden in vier Gruppen eingeteilt – dann ging es auch schon los.
Vertrautes und Neues im Umgriff
An der ersten Station stand das Sturmgewehr G36 im Mittelpunkt. Der Ausbilder Hauptmann Bernd Tögel ließ keine Routine aufkommen: Zuerst wurde das Feststellen des Ladezustands geübt, dann folgte die persönliche Sicherheitsüberprüfung – jeder Handgriff saß nach kurzer Zeit wieder wie früher. Besonders der Magazinwechsel wurde mehrfach durchlaufen, bis Tempo und Sauberkeit stimmten.
Danach ging es an die Anschlagsarten: Patrouillenstellung und Kontaktstellung. „Zeigen Sie mir die Kontaktstellung – Waffe angelegt, Blick durch die Optik!“, rief der Ausbilder in die Runde. Die Teilnehmer rückten die Gewehrschäfte in die Schultern, nahmen Haltung an. Zum Abschluss folgten praktische Übungen nach dem Schießausbildungskonzept. Hauptmann Bernd Tögel nahm sich Zeit für jeden Einzelnen, ging auf Fragen ein – auch für diejenigen, deren letzte Grundausbildung Jahre zurücklag.
Vom Zögern zum sicheren Umgang
Im AGSHP (Ausbildungsgerät Schießsimulator Handwaffen/Panzerabwehrhandwaffen) wurde die 40-mm-Granatpistole vorgestellt. Ein imposantes Gerät – aber der Stationsleiter Obergefreiter Kai Zimmermann legte den klaren Schwerpunkt auf die Sicherheitsbestimmungen. „Bevor wir auch nur ans Schießen denken: Wo zeigt die Mündung hin? Was passiert bei einer Fehlfunktion?“ Schritt für Schritt wurden Laden, Zielen und die Abgabesequenz erläutert.
Dann ging es in den Simulator. Hier konnten die Teilnehmer erste praktische Erfahrungen sammeln – ohne scharfe Munition, aber mit realistischem Rückstoßfeedback. Die Trefferbilder wurden auf dem Bildschirm ausgewertet. Nach anfänglicher Zurückhaltung steigerte sich die Gruppe schnell: „Treffer links neben Deckung – Korrigieren!“ Manche schossen sich in den Simulator richtig ein.
„Hier spricht Alpha Bravo…“
Im Ausbildungskeller der Kreisgruppe wurde es technisch. Tragbare Funkgeräte lagen auf den Tischen bereit. Der Stationsleiter Oberfeldwebel Markus Wesselkamp erklärte Aufbau, Bedienung und die wichtige Funktionsprüfung. Dann durften die Teilnehmer selbst Hand anlegen: Geräte zusammensetzen, Batterien kontrollieren, Frequenzen einstellen.
Zum Höhepunkt wurde ein Funkspruch mit einer Sprechtabelle verschleiert. „Ich sage: ‚Komet‘ – Sie antworten mit dem Buchstaben aus der Tabelle!“ Es dauerte einen Moment, bis alle im Rhythmus waren, doch dann flogen die Codewörter nur so hin und her. Gelächter, wenn jemand versehentlich den Klartext statt des Codes durchgab – aber schnell wurde es professionell still, als der nächste Spruch kam.
Schweres Gerät, klare Handgriffe
Draußen auf dem Gelände wartete ein echter Klassiker: das MG3 auf der Erdziel-Lafette. Der Ausbilder Stabsunteroffizier Thomas Helbig gab eine kurze Einführung in die Entwicklung und Nutzung der Waffe, die seit Jahrzehnten im Dienst der Bundeswehr steht. Dann ging es ans Eingemachte: Die Lafette wurde ausgeklinkt, aufgebaut, das MG eingesetzt. „Jetzt richten Sie auf das Ziel da vorn aus!“ Die Teilnehmer kurbelten an den Verstellrädern, justierten das Zielfernrohr. Das metallische Klicken der Lafette, das Rucken beim Spannen – wer das MG3 einmal bedient hat, vergisst es nicht.
Gemeinsame Reinigung – der gemütliche Ausklang
Nachdem alle Gruppen alle vier Stationen durchlaufen hatten, gab es noch eine traditionsreiche Aufgabe: Die Waffen wurden gemeinsam gereinigt. In der Werkstatt reihten sich die Teilnehmer an den Tischen auf, Zerlegewerkzeuge und Reinigungsutensilien wurden verteilt. Dabei ergaben sich die besten Gespräche des Tages. Erfahrene Kameraden zeigten den Jüngeren, wie man das Verschlussstück richtig ölt, beantworteten Fragen zur Munitionszufuhr oder erzählten Anekdoten aus der aktiven Zeit. Die Kameradschaft war an diesem Nachmittag greifbar.
Verleihung der Goldenen Schützenschnur
Zum Abschluss traten alle noch einmal vor der angetretenen Mannschaft an. Der Feldwebel für Reservistenangelegenheiten Stabsfeldwebel Stephan Tieben und Hauptmann Till Engelbart übernahmen die feierliche Verleihung der Goldenen Schützenschnur. Die Ausgezeichneten: Hauptgefreiter Jörg Trost-Lepsky und Obergefreiter Markus Schmidt traten vor, strafften ihre Uniformen, nahmen die Würdigung entgegen – Applaus von den Kameraden. Ein würdiger Abschluss eines anstrengenden, aber erfüllenden Tages.
Ein Gewinn für jeden Reservisten
Die Veranstaltung war rundum gelungen. Jeder Teilnehmer konnte sein Wissen auffrischen und vertiefen – und wer seit Jahren nicht mehr an der Waffe war, hatte die Möglichkeit, Systeme wie die AG40 kennenzulernen. Die durchdachte Ausbildungsplanung in Nienburg zahlt sich aus: Der Tag war eine ideale Vorbereitung auf das anstehende IGF-Schießen im Juni.
Vor allem aber bleibt die Atmosphäre in Erinnerung. Neben der ernsthaften Ausbildung blieb immer Zeit für Fragen, für persönlichen Austausch, für das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Kameradschaft – das ist in Nienburg kein leeres Wort.