24/07/2026
Der Residenzschlossverein stellt die städtischen Pläne in Frage. Nun läuft eine Umfrage sowohl unter Besuchern der Operettenfestspiele und auch online.
Neustrelitz
Der Residenzschlossverein Neustrelitz kritisiert die Pläne der Stadt zur Gestaltung des Schlossberges. Die Stadtvertretung hatte Anfang Juli mehrheitlich beschlossen, ein Alternativprojekt des Neustrelitzer Architekten Christian Peters in die Planungsphase zu geben. Statt eines Turmes – wie bisher geplant – sieht das Projekt die Errichtung einer Fassadenskulptur vor.
Dies laufe dem Denkmalschutz zuwider, so die Auffassung des Vereins. „Der Denkmalschutz hat das Ziel, wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit für künftige Generationen zu erhalten. Er soll das historische Erbe vor Zerstörung, Verfälschung oder Abriss bewahren, um die kulturelle Identität einer Region dauerhaft zu sichern“, heißt es in einer Presseerklärung.
Zwar ging das Schloss durch Kriegs- und Nachkriegszerstörung verloren, kann also nicht mehr erhalten werden. Dennoch sei eine Wiederherstellung sehr wohl im Sinne des Denkmalschutzes, weit mehr als das, was die Stadt jetzt plane, so der Verein.
Der Bürgermeister, ob als Bauherr des Schlossturms oder der im Moment geplanten Erinnerungs-Architektur, fühle sich offenbar an den geltenden Denkmalschutz nicht gebunden, heißt es in dem Schreiben. „Wo nicht ideologische Vorbehalte dies verhinderten, sind kriegszerstörte, kulturell bedeutsame Gebäude schließlich längst wiederhergestellt worden“, machen die Autoren geltend.
Das von der Stadt favorisierte Vorhaben beschreibt der Verein als „unstrukturierte Betonmauern, allenfalls mit Öffnungen an der Stelle der Fenster des Schlosses“. Das sei ein Experiment in der Sprache der Architektur der Moderne und laufe den Richtlinien des Denkmalschutzes zuwider.
Der Residenzschlossverein hingegen beruft sich auf die „Charta von Venedig“ und zitiert: „Wenn es aus ästhetischen oder technischen Gründen notwendig ist, etwas wiederherzustellen, von dem man nicht weiß, wie es ausgesehen hat, wird sich das ergänzende Werk von der bestehenden Kopie abheben und den Stempel unserer Zeit tragen.“
Das sei in Neustrelitz nicht nötig. Denn eine vom Verein unterstützte Virtualisierung der Schlossfassaden zeige eindrucksvoll, „dass wir alle genau wissen, wie das, was auf dem Schlossberg unter Denkmalschutz gestellt wurde, einmal ausgesehen hat“. Wie Neustrelitzer und ihre Gäste zur Gestaltung des Schlossberges stehen, ermittelt der Verein aktuell in einer Umfrage. Die Umfragekarten können Besucher der noch bis zum 26. Juli laufenden Operetten-Festspiele ausfüllen, wo der Verein einen Stand betreibt.
Auch an anderen Stellen liegen die Karten in der Stadt aus. Sie können zudem über die Internetseite des Vereins abgerufen werden unter www.residenzschloss-verein.de. Unter allen Teilnehmern will der Verein nach dem Tag des offenen Denkmals im September zehn Gewinner verlosen. Sie erhalten Glaskuben des Schlossturms.