04/12/2025
𝗦𝗜𝗡𝗗 𝗗𝗜𝗘 𝗧𝗜𝗘𝗙𝗘𝗡𝗚𝗘𝗢𝗧𝗛𝗘𝗥𝗠𝗜𝗘 - 𝗙𝗘𝗥𝗡𝗪𝗔𝗘𝗥𝗠𝗘𝗣𝗟𝗔𝗘𝗡𝗘 𝗥𝗨𝗡𝗗 𝗨𝗠 𝗗𝗔𝗦 𝗚𝗥𝗔𝗕𝗘𝗡-𝗡𝗘𝗨𝗗𝗢𝗥𝗙𝗘𝗥 𝗞𝗥𝗔𝗙𝗧𝗪𝗘𝗥𝗞 𝗩𝗢𝗥𝗘𝗥𝗦𝗧 𝗚𝗘𝗣𝗟𝗔𝗧𝗭𝗧?
Ein in Graben-Neudorf vorgesehenes Tiefengeothermie-Kraftwerk sollte als erstes von vielen Projekten dieser Art in der Region Teile des Stadt- und Landkreises Karlsruhe bis hin nach Bretten mit Wärme versorgen. Gewonnene Wärme sollte hierzu über bislang nicht existierende kilometerlange Fernwärmeleitungen zu den Abnehmern gelangen. Die gegründete kommunale „Projektentwicklungsgesellschaft Regionaler Wärmeverbund GmbH & Co. KG“ (PEG), sollte den Aufbau eines regionalen Wärmenetzes zusammen mit der „Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe GmbH“ (UEA) entwickeln. Die PEG hatte sich zu diesem Zweck im Juni 2023 gegründet und soll nun zum Ende des Jahres 2025, mit einem nicht gerade unerheblichen finanziellen Schaden für die Mitglieder, aufgelöst werden.
Wir zitieren von der Seite:
➡️ https://zeozweifrei.de/waermeausbaustrategie
„Seit November 2022 wurde das Projekt des regionalen Wärmeverbunds auf Basis von Wärme aus Tiefengeothermie mittels einer gemeinsamen Kooperation der UEA mit den Stadtwerken Bretten, Bruchsal und Ettlingen sowie der BBE Energie weiter vorangetrieben.“
„Am 23. Juni 2023 wurde die PEG Regionaler Wärmeverbund gegründet, welche die Machbarkeit eines solchen Verbundes weiter untersucht und vorantreibt. Mehr Informationen dazu finden Sie unter regionalerwaermeausbau.de sowie unter unsere-waerme.com“
𝗪𝗔𝗥𝗡𝗨𝗡𝗚𝗘𝗡 𝗞𝗢𝗡𝗦𝗘𝗤𝗨𝗘𝗡𝗧 𝗜𝗚𝗡𝗢𝗥𝗜𝗘𝗥𝗧?
Bereits im Vorfeld wurde mehrfach, von verschiedenen Seiten oder z. B. in unserem Post vom 06. Januar 2023 darauf hingewiesen, dass ein solches Fernwärme-Projekt wirtschaftlich gesehen eher unrealistisch wäre. Alleine an die 63 Kilometer an Fernwärmeleitungen bis Bretten, weitverzweigte Verbindungsleitungen zwischen den Kraftwerken, in den Städten und Gemeinden sind bei einem geschätzten Preis von inzwischen oftmals über 5.000 Euro pro Meter auch mit Fördermillionen aus Steuergeldern nicht wirtschaftlich gesund zu finanzieren.
Der damalige GF der Deutschen Erdwärme GmbH Lutz Stahl fantasierte ursprünglich auf einem Vortrag bei der „Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e.V.“ (derzeitiger Geschäftsführer Jürgen Scheurer) im Dezember 2020 sogar über ein in unseren Augen völlig überdimensioniertes Wärmenetz auf einer präsentierten Folie:
◾️„Eine Vision der Deutsche ErdWärme ist der Verbund der urbanen Zentren über ein überregionales Wärmenetz, welches durch Tiefe Geothermie und andere Quellen beheizt wird. Geothermie könnte mit z.B. 15 Anlagen in dieser Region etwa 2 TWh bereit stellen.“
➡️ https://youtu.be/waMc7RhCuQ8
Die Tiefengeothermie gilt im Oberrheingraben aufgrund der vielen mit ihr verbundenen Risiken und Gefahren bei kritischer Betrachtung als unzuverlässig und gefährlich. Hunderte seismische Ereignisse sprechen eine deutliche Sprache. Was im Molassebecken bei München eventuell funktioniert, ist keinesfalls übertragbar auf den seismisch aktiven Oberrheingraben. Die Geologie beider Gebiete unterscheidet sich maßgeblich. Die zum Teil jahrelangen Stillstände der TG-Kraftwerke nach Defekten bzw. auch Undichtigkeiten zeigten schon oft das fehlende Potenzial einer geforderten Zuverlässig- und Grundlastfähigkeit.
𝗚𝗘𝗣𝗟𝗔𝗡𝗧𝗘𝗦 𝗙𝗘𝗥𝗡𝗪𝗔𝗘𝗥𝗠𝗘𝗣𝗥𝗢𝗝𝗘𝗞𝗧: 𝗔𝗠 𝗘𝗡𝗗𝗘
Der SWR veröffentlichte am 02. Dezember 2025 diese Zeilen im verlinkten Beitrag:
„Das geplante Projekt regionale Fernwärme aus Tiefengeothermie in Graben-Neudorf ist gescheitert. Die Gesellschaft mit zehn beteiligten Kommunen löst sich zum Jahresende auf.“
„Die Firma könne in Graben-Neudorf eine ursprünglich zugesagte Wärmeleistung aus ihrer Tiefengeothermiebohrung für das geplante regionale Fernwärmenetz nicht mehr verbindlich zusichern.“
„Die Geothermiebetreiberin Deutsche Erdwärme (DEW) aus Karlsruhe muss sich aber noch mehr Vorwürfe gefallen lassen: Die zuletzt angebotenen Wärmepreise lägen deutlich über einem wirtschaftlich tragbaren Niveau, heißt es in der Ratsvorlage.“
„600.000 Euro Lehrgeld für die Energiewende?“
➡️ https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/regionales-fernwaermeprojekt-im-raum-karlsruhe-gescheitert-100.html
Es zeigt sich immer wieder deutlich, dass mit der Tiefengeothermie im Oberrheingraben Wärme weder zuverlässig noch wirtschaftlich darstellbar zur Verfügung gestellt werden kann. Neben der Unsicherheit der Technik sind notwendige Investitionen in Fernwärmeleitungen und Wärmenetze letztendlich teuer und wirtschaftlich fragwürdig. Insofern sie realisiert werden, bergen sie neben den inzwischen exorbitanten Erstellungskosten, hohe Folgekosten für die Wärmekunden.
Selbst die Seite „Die Tagesschau“ vermeldet am 23. November 2025 in einem recht interessanten und dazu aktuellen Artikel: „Monopolisten nehmen Kunden aus" zum Thema Fernwärme und dies sogar unabhängig zum umstrittenen Thema Tiefengeothermie.
➡️ https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/heizen-kosten-energietraeger-prognose-100.html
𝗧𝗘𝗨𝗥𝗘 𝗧𝗜𝗘𝗙𝗘𝗡𝗚𝗘𝗢𝗧𝗛𝗘𝗥𝗠𝗜𝗘
Leider wurde auf dem Weg zu einer angestrebten klimaneutralen Wärmeversorgung durch das starre Festhalten an den Planungen bis jetzt viel Zeit und Geld verloren. Etwa eine halbe Million Euro durch die PEG, bereits viele Millionen durch die Tiefengeothermiebohrung. Viele Fördermittel sind bereits an die DEW geflossen. Eine genaue Übersicht hierüber zu erhalten, würde der Firma eine Transparenz abverlangen, zu der sie unserer Meinung nach sicherlich keinesfalls bereit ist.
Alleine für die zweite Bohrung in Graben-Neudorf hat der Bund inzwischen über 600.000 €, für das Tiefengeothermieprojekt Dettenheim über 1,4 Mio. Euro an Mitteln zugesagt.
𝗪𝗜𝗘𝗗𝗘𝗥𝗛𝗢𝗟𝗧𝗘 𝗦𝗘𝗜𝗦𝗠𝗜𝗦𝗖𝗛𝗘 𝗘𝗥𝗘𝗜𝗚𝗡𝗜𝗦𝗦𝗘 𝗜𝗡 𝗚𝗥𝗔𝗕𝗘𝗡-𝗡𝗘𝗨𝗗𝗢𝗥𝗙
Die ersten zwei seismischen Ereignisse am TG-Projekt Graben-Neudorf wurden am 30.06.2024 im Rahmen einer Testung gemessen. Der Geschäftsführer Herbert Pohl betitelt in einem BNN-Interview die ersten seismischen Ereignisse im Juni 2024 als sogenannte „seismische Reaktionen im Reservoir“.
Erdbebennews.de berichtet am 16. November 2025 über insgesamt 5 seismische Ereignisse:
„An einer neuen Tiefengeothermie-Anlage in Graben-Neudorf nördlich von Karlsruhe kam es am Wochenende zu mehreren kleinen Erdbeben.“
„Die berechnete Maximalintensität beträgt 2.2. Das Beben war vermutlich für bis zu 2,3 Tsd Menschen spürbar.“
„Die Epizentren der Erdbeben lagen im Wald nordöstlich von Graben-Neudorf unmittelbar nördlich der Geothermie-Anlage.“
„Leichte Erschütterungen am Frühstückstisch. Oberfläche des Kaffees deutlich kleine Wellen zu sehen. Katzen haben sich schlagartig verzogen. Seit Tagen seltsames Geräusch intermitierend wahrnehmbar, vor allem im Kellerbereich. Seit die Tiefengeothermie mit den Erprobungen begonnen hat.“
➡️ https://erdbebennews.de/2025/11/tiefengeothermie-in-graben-neudorf-mehrere-leichte-erdbeben-gemessen
Bezeichnenderweise meldete der landeseigene Erdbebendienst Südwest anfangs nur 2 der Beben, dazu verspätet, Bruchsal zugeordnet und natürlichen Ursprungs. Erst auf unsere Intervention hin korrigierte man die Einträge.
Bemerkenswert ist, dass mit diesen Beben erstmals die Stufe „Gelb“ des seismischen Ampelsystems erreicht wurde.
Das Regierungspräsidium Freiburg / Bergamt hatte erst kurz zuvor für diese Tests höhere Grenzwerte genehmigt. Nach Angaben der Betreiber wurden alleine zum Start der Testreihe rund 700 Kubikmeter Wasser in die Bohrung gepresst, 30.000 Kubikmeter sind es nach unseren Informationen insgesamt geworden.
Versuchte man hier, die bereits dutzende Millionen Euro teure Bohrung um jeden Preis doch noch zu retten? Selbst das Regierungspräsidium Freiburg war anscheinend nicht überrascht von den Erdbeben. Man schrieb in einem BNN-Artikel am 19. November 2025, rückblickend auf die Ereignisse zu den Aussagen des befragten Bergamtes in Freiburg:
▪️„Reaktionen des Reservoirs auf die Injektionstests sind erwartbar"
▪️„Eine gewisse seismische Reaktion für die Charakterisierung des Erdwärme-Reservoirs ist erforderlich" so die Bergbaubehörde.“
𝗕𝗘𝗚𝗟𝗘𝗜𝗧𝗘𝗥 𝗗𝗘𝗥 𝗧𝗜𝗘𝗙𝗘𝗡𝗚𝗘𝗢𝗧𝗛𝗘𝗥𝗠𝗜𝗘: 𝗦𝗘𝗜𝗦𝗠𝗜𝗦𝗖𝗛𝗘 𝗘𝗥𝗘𝗜𝗚𝗡𝗜𝗦𝗦𝗘
Seismische Ereignisse finden in der Tiefengeothermie nicht ganz unwillkommen statt, denn dadurch werden im tiefengeothermischen Prozess die Fließwege für das Medium Tiefenwasser freigehalten bzw. teils auch wieder geöffnet. Ohne eine Erdbebenbegleitung ist solch ein Prozess schwer auf Dauer aufrechtzuerhalten.
Die recht erdbebenreichen TG-Projekte Insheim, Landau, Rittershoffen und auch das Projekt Vendenheim mit den ca. 3.800 Schadensmeldungen sind durch viele hunderte, amtlich dokumentierte induzierte Erdbeben gekennzeichnet.
➡️ https://www.lgb-rlp.de/fachthemen-des-amtes/projekte/landeserdbebendienst-rheinland-pfalz/erdbebenereignisse-lokal
𝗩𝗘𝗥𝗗𝗥𝗔𝗘𝗡𝗚𝗧 𝗠𝗔𝗡 𝗗𝗜𝗘 𝗣𝗥𝗢𝗕𝗟𝗘𝗠𝗘?
Man kann sich durchaus die Frage stellen, welcher Investor noch einen schläfrigen Euro in ein schon jetzt anscheinend völlig überteuertes Projekt der DEW steckt, welches mit dem Wegfallen des PEG-Wärmetrassen-Projektes nun augenscheinlich keine Abnahmesicherheit bei der Wärme mehr vorweisen kann? Auch der Geldgeber der DEW, die CIP Kopenhagen dürfte inzwischen vorsichtiger geworden sein bei einem unsicheren Finanzprojekt, oder ist man hier gegenüber seinen eigenen Anlegern nicht rechenschaftspflichtig?
Ein TG-Kraftwerk mit einer verminderten Leistung, vergleichbar einem Projekt in Bruchsal, dürfte für eine DEW ohne einen ständigen Bezug von Fördermitteln kaum lohnenswert erscheinen. Nicht umsonst gilt das Bruchsaler TG-Projekt als Forschungs- und Versuchsanlage und erhielt schon viele Zuschüsse.
➡️ https://www.tiefegeothermie.de/projekte/bruchsal
Die DEW begeistert anscheinend ihr TG-Projekt trotz des Wegfalls der Wärmeabnahme durch die PEG. Am 02. Dezember 2025 schreibt sie entsprechend auf ihrer Homepage:
„Zudem wurde die Leistungsfähigkeit des Projektes, das zukünftig Graben-Neudorf und die umliegende Region zuverlässig, sicher, nachhaltig und preisstabil mit Wärme versorgen wird, bestätigt.“
„Die Mikroseismizität, weit entfernt von der Spürbarkeit, war klar messbar, steuerbar und berechenbar.“
➡️ https://deutsche-erdwaerme.de/langzeit-injektionstest-in-graben-neudorf-mit-sehr-guten-ergebnissen-abgeschlossen
𝗦𝗧𝗥𝗢𝗠𝗘𝗥𝗭𝗘𝗨𝗚𝗨𝗡𝗚 𝗜𝗠 𝗕𝗟𝗜𝗖𝗞𝗙𝗘𝗟𝗗?
Eventuell wird man jetzt ein „SO-DA-GEOTHERMIEWERK“ bauen und dabei auf die Stromerzeugung und Lithiumgewinnung setzen?
Die Deutsche Erdwärme hatte den Eigenstromverbrauch für ihre in GN geplante Anlage selbst mit ca. 35,60 % in Relation zum evtl. erzeugten Strom auf ihrer Homepage im Jahre 2020 beschrieben. Hiermit ergibt sich für solch ein zig-Millionen-Projekt, bei einer ehemals noch hoch veranschlagten Kraftwerksleistung bei der Stromerzeugung von 6,32 MW und einem mittleren Eigenstrombedarf von 2,25 MW ein Netto-Leistungsertrag (wenn überhaupt) von 4,07 MW. Der benötigte Eigenstromverbrauch wird in der Regel aus dem Strommix des Mittelspannungsnetzes bezogen.
Der BUND beschreibt die Wirkungsgrade von TG-Kraftwerken bei der Stromerzeugung lediglich bei netto um die 10 %. Selbst ein einzelnes modernes Offshore-Windrad ist in der Lage 15 MW Leistung zu erbringen, dies wäre die fast 4-fach erzeugbare Leistung eines Kraftwerkes, wie es in Graben-Neudorf entstehen soll. Ein direkter Kosten-, Nutzen- und auch Gefahrenvergleich unter Betrachtung der möglichen Betriebsstunden, sollte die völlige Absurdität des Nutzens einer Stromerzeugung mit einem solchen TG-Millionen-Projekt für die Allgemeinheit klar darlegen.
Wir bedanken uns für das Interesse und wünschen bereits jetzt eine Frohe Weihnachtszeit. Genießen Sie und Ihre Familien, Freunde und Bekannte das besinnliche Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins Neue Jahr!
Eure
IG Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe
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