17/07/2026
Werkstattverfahren über die neuen Baugebiete in Grefrath
Am Mittwoch, den 15. Juli, fand von 18:00 bis 20:30 Uhr das Werkstattverfahren zu den geplanten Baugebieten in Grefrath statt. Zu der Veranstaltung in der Mehrzweckhalle hatten sich rund 150 Grefratherinnen und Grefrather eingefunden. Neben Vertretern der Stadt Neuss, des beteiligten Planungsbüros und des Moderationsteams waren auch Vertreter der Investoren vor Ort: die Green Grefrath GmbH erneut für das Baugebiet Lüttenglehner Straße sowie die DJS GmbH für das Gebiet Lanzerather Straße, Letztere in Kooperation mit dem Handelsimmobilien-Projektentwickler Ratisbona.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Nickel in seiner Funktion als Vorsitzender des Bezirksausschusses Holzheim-Grefrath erläuterte Herr Unbehaun als Leiter des Amtes für Stadtplanung der Stadt Neuss das Ziel der Veranstaltung. Das Werkstattverfahren diene dazu, den Bedarf und die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger aufzunehmen, um diese in die weitere Planung einfließen zu lassen. In diesem Kontext ging er auch kurz auf das Gewerbegebiet Grefrath Ost II ein, welches in der städtischen Potenzialanalyse zu neuen Gewerbeflächen aufgeführt ist. Dieses potentielle Gewerbegebiet soll eine Größe von ca. 19 Hektar umfassen – eine erhebliche Dimension, wenn man bedenkt, dass die gesamte bebaute Ortslage von Grefrath aktuell selbst nur ca. 40 bis 50 Hektar groß ist.
Anschließende Impulsvorträge zeigten den weiteren Weg des Verfahrens auf, erläuterten typische Bauweisen im Ort und stellten drei Entwicklungsansätze für Grefrath vor. Danach wurde zu Diskussionen in Kleingruppen übergeleitet, die sich jeweils mit den Bereichen Lanzerather Straße/Friedhofserweiterungsfläche und Lüttenglehner Straße/Trockenpützstraße beschäftigten. Da jeder Teilnehmer an beiden Diskussionsrunden teilnahm, konnten Ideen und Bedenken zu allen vier potenziellen Baugebieten eingebracht werden.
Ergebnisse und Meinungsbilder zu den einzelnen Flächen
Lanzerather Straße & Friedhofserweiterungsfläche
- Wohnbebauung: Eine entsprechende Bebauung an der Lanzerather Straße wurde von den Teilnehmern, im Gegensatz zur Lüttenglehner Straße, nicht kritisch gesehen.
- Nahversorgung: Nach Angaben des Projektentwicklers Ratisbona besteht seitens eines kleineren Einzelhändlers konkretes Interesse an einer Ansiedlung an der Lanzerather Straße. Geplant sei eine Gesamtfläche von ca. 1.400 m².
- Friedhofserweiterungsfläche: Für dieses Areal gab es Vorschläge, die Fläche als „Grüne Lunge“ (Park) im Ortskern zu gestalten oder dort altersgerechten Wohnraum zu ermöglichen.
Lüttenglehner Straße & Trockenpützstraße
- Lüttenglehner Straße: Eine Bebauung in diesem Bereich wurde von vielen Teilnehmern grundsätzlich in Frage gestellt. Es werden Konflikte mit den angrenzenden Nutzungen der Sportvereine, des Schützenfestes und der Feuerwehr erwartet. Als Alternativen wurden eine Begegnungsfläche als kleiner Park, die Nutzung durch die Baumschule aus dem Nachbardorf oder die Errichtung eines Bildungscampus mit Schule und Kindergarten vorgeschlagen.
- Trockenpützstraße: Dieses Baugebiet verfügt aktuell über diverse Eigentümer, die bisher nach derzeitigem Kenntnisstand noch nicht an die Stadt herangetreten sind, um eine Bebauung zu forcieren.
Allgemeiner Konsens zur Bauweise und Infrastruktur
Bezüglich der Gestaltung gab es unter den Teilnehmern einen klaren Konsens:
Die Bebauungshöhe muss sich zwingend am bestehenden Ortsbild orientieren. Vorgeschlagen wurde eine lockere Bebauung, die eine Höhe von zwei Geschossen plus Satteldach nicht überschreitet. Dies wurde insbesondere im Hinblick auf die ohnehin schon angespannte Parkplatzsituation im Ort gefordert.
Ein zentrales Anliegen aller Anwesenden war zudem die parallele Entwicklung der Infrastruktur. Neue Wohngebiete würden den bestehenden Parkdruck im Ort weiter verschärfen. Auch die Schule, die Sportflächen sowie die Sporthalle müssen von Beginn an im Fokus der Planungen stehen, da die Umsetzung solcher Projekte erfahrungsgemäß mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Seitens der Teilnehmer wurde gefordert, dass die Stadt Neuss parallel zur Entwicklung der Baugebiete entsprechende Investitionen in Grefrath vornimmt.
Resümee
Das Werkstattverfahren hat gezeigt, dass ein großes Interesse an der zukünftigen Gestaltung Grefraths besteht. Die rege Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger bietet der Stadtverwaltung und den Planungsbüros eine fundierte Basis, um die Wünsche und Bedenken der Bevölkerung in die anstehenden Konzepte einzuarbeiten.
Während eine maßvolle Entwicklung an der Lanzerather Straße – insbesondere in Verbindung mit der Ansiedlung eines Nahversorgers – befürwortet wird, bestehen bezüglich der Lüttenglehner Straße erhebliche Vorbehalte, die im weiteren Verfahren sorgfältig geprüft werden müssen. Entscheidend für den Erfolg zukünftiger Planungen wird sein, dass der Ausbau der sozialen und verkehrlichen Infrastruktur zeitgleich mit der Schaffung neuen Wohnraums realisiert wird.