21/07/2024
"Weg damit und gudd iss!" war die gängige Haltung der Boomer-Generation gegenüber Gebäuden. In den 1980er Jahren mussten beispielsweise in Neunkirchen viele renovierte Stadthäuser aus der Gründerzeit weichen, um Platz für den Ausbau der Straße vor dem Rathaus zu schaffen.
Organisationen wie der Bund Deutscher Architekten (BDA) und Chartas wie die Leipzig Charta zeigen, wie zeitgemäßer Städtebau aussieht - und auch aussehen muss: Die Ära der Wegwerfmentalität der 80er Jahre ist vorbei, die Anerkennung der Bedeutung historischer Bausubstanz ist mittlerweile Konsens.
Ein herausragendes Beispiel für eine erfolgreiche Umnutzung ist die ehemalige Höll-Fabrik in Illingen, die unter der Führung des damaligen Bürgermeisters Armin König gemeinsam mit den Illinger Bürger*innen umgestaltet wurde.
Allerdings scheint das Land nicht mit dieser Entwicklung Schritt zu halten: das alte Finanzamt in Saarbrücken, eines der bedeutsamsten Gebäude, die die Zeit von 1946 bis 1956 dokumentieren, die Zeit, als über die Möglichkeit einer eigenständigen saarländischen Nation mit zentraler europäischer Rolle nachgedacht wurde, steht nun vor dem Abriss.
Ein bisher anonymer Investor plant dort wohl den Bau neuer Büros.
Der Landesdenkmalrat und der Saarbrücker Städtebaubeirat schlagen Alarm. Der Umgang mit dem vorhandenen Baubestand entspricht nicht den Klimazielen und noch weniger dem Denkmalschutz. Es wird dringend empfohlen, einen zeitgemäßen Ansatz zu verfolgen, der einen demokratischen Dialog über solche Projekte ermöglicht.
Bislang wurden die beteiligten Organisationen einfach ignoriert.
Ich sehe in der Erhaltung des Baubestands noch eine andere grundlegende Bedeutung, die uns alle betrifft:
Der geplante Abriss und Neubau werden europaweit ausgeschrieben, wodurch die finanziellen Mittel in die Bauindustrie fließen. Um das Gebäude zu erhalten, muss auf lokale Handwerksbetriebe gesetzt werden. Gerade die Baubranche steht derzeit stark unter Druck. Große Projekte wie das alte Finanzamt könnten dazu beitragen, saarländische Baubetriebe durch die Krise zu bringen. Diese Betriebe werden auch nach der Krise benötigt, um den Wohnungsbedarf zu decken.
Wenn wir auch in Zukunft Handwerker für Arbeiten an unseren Eigenheimen finden wollen, sollten wir uns jetzt für den Erhalt des saarländischen Baubestandes einsetzen. Das alte Finanzamt bietet hierzu eine ausgezeichnete Gelegenheit.
BUND Saar
Greenpeace Saar
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Ministerium für Inneres, Bauen und Sport des Saarlandes
Saarland Nachhaltig!
SR info