26/05/2026
Bücherboxen regelmäßig „gefüttert“ mit zentnerschwerer Literatur
Neben vielen anderen sorgen Manfred Jeske und André Ratzmann dafür, dass ehemalige Telefonzellen in Neubrandenburg für Leseratten attraktiv bleiben. Dafür müssen manchmal sogar Schnapsflaschen aus dem Weg geräumt werden.
Der 74-Jährige hat sich seine Sonnabende gut eingeteilt. Nach der Schicht als Pförtner, da verdient sich der Neubrandenburger ein paar Euro zur Rente dazu, geht er auf Tour und fährt alle vier Bücherboxen in seiner Stadt ab. Dort sieht er nach dem Rechten und sorgt wieder für Ordnung. „Nicht selten“, schüttelt Manfred Jeske den Kopf, „liegt dort Müll rum“. In der Bücherzelle in der Oststadt zum Beispiel, in der Vergangenheit viel zu oft Zielscheibe zerstörungswütiger Mitbürger, stehe sogar regelmäßig eine leere Flasche Schnaps zwischen den Büchern. „Immer die gleiche Sorte“, wundert sich Jeske. Und genauso regelmäßig räumt der Rentner die Flasche weg, sammelt auf, was nicht in die Bücherzelle gehört und wischt den Staub von den Scheiben. Dann sortiert der Rentner „frische“ Ware in die Regale.
Seit sieben Jahren können die Viertorestädter ihren Lesehunger in den ausrangierten und umgebauten Telefonzellen stillen. 2019 wurde von der Bürgerstiftung die Aufstellung der ersten Bücherbox vor dem Ärztehaus an der Marienkirche initiiert, mittlerweile gibt es insgesamt vier, die anderen stehen auf dem Schulhof des Einstein-Gymnasiums, vor der Kreismusikschule in der Ziegelbergstraße und in der Oststadt.
Rentner Manfred Jeske hat auch seine Donnerstage geregelt. Alle zwei Wochen fährt er bei dem Neubrandenburger Altpapierhändler André Ratzmann vorbei und besorgt sich Nachschub. Der 41-jährige Herr über die Papierberge sortiert schon vorher gut erhaltene Bücher aus, die aus Haushaltsauflösungen stammen. „Zwei Kisten nehme ich immer mit“, sagt Jeske. Ratzmann will dafür nichts haben. Dies, sagt er, sei seine Unterstützung für die Bürgerstiftung. Wie viele Bücher in den vergangenen fünf Jahren den Weg in die ehemaligen Telefonzellen gefunden haben, kann Ratzmann beim besten Willen nicht mehr sagen. „Einige Tonnen waren das bestimmt.“
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