02/05/2026
Geheime Tür
„Speicher Quermathen“
Geschichte erlebbar machen, hört sich jetzt auf dem ersten Blick nicht so interessant an. Wer hat denn auch schon Interesse an die Geschichte unserer Dörfer? Die Vergangenheit hat aber gezeigt, wenn man es richtig anstellt und die Kinder einbezieht, dann wird es ein riesen Erfolg.
Januar 2025 haben wir die Kinder im Treff gefragt, durch welche Tür sie denn als nächstes schauen möchten. Da kam gleich die Idee, der Speicher wäre doch interessant. Diesem Wunsch wollten wir sehr gern nachkommen. So nahm kurze Zeit später Mandy Köhler mit dem jetzigen Besitzer, Florian Fuchs, Kontakt auf. Herr Fuchs, dessen Familie das Haus 1990/91 erstand, war direkt mit an Bord. Da ihm der Speicher aber als Lager dient und auch wir vom Treff aus viele Termine im letzten Jahr hatten, brauchte es etwas Zeit, bis wir in die Planung gehen konnten.
Im Januar 2026 ging es dann los. Zunächst wurde durch Mathias Jung gemeinsam mit Florin Fuchs geschaut, ob es denn realisierbar ist und auch die Kinder unfallfrei das Haus ansehen können. Seit März wurde dann gemeinsam mit dem Heimatverein, dem Treffpunkt Behnitz und Florian Fuchs fleißig geplant. Da bereits zu Beginn ersichtlich wurde, dass das Interesse an dieser „Geheimen Tür“ enorm war, musste sich was für mehrere Gruppen überlegt werden. Christian Arlt und Florian Fuchs haben im Vorfeld den Speicher begehbar gemacht und der Heimatverein sich ein großartiges Konzept für den Tag ausgedacht.
54 Erwachsenen 27 Kinder und Jugendliche folgten am 02.05.26 der Einladung zur gemeinsamen Zeitreise rund um den „Speicher“ in Quermathen. Durch 3 Stationen wurden die Teilnehmer liebevoll und anschaulich mit in die Vergangenheit genommen und in Bann gezogen.
Florian Fuchs und Christian Arlt führten hingebungsvoll durch den Speicher. In dem 4-stöckigem Haus befanden sich wahre Schätze, die hier und dort das Herz höherschlagen ließen und auch evtl. neue Besitzer fanden. Auf Bildern konnte man erahnen, wie es früher in den Räumen aussah. Als Familie Fuchs 1990/1991 das Haus erstanden, hatten sie ursprünglich den Plan, eine Sporthotelanlage daraus zu machen. Jedoch wurde aus der Idee nichts. So diente der Speicher als Möbellager. Selbst die Kinder und Jugendlichen staunten nicht schlecht, als sie ihre Runden durch die Etagen zogen. Florian und Christian hatten während der Führung für jeden ein offenes Ohr und kamen so in viele interessante Gespräche.
Als Zeitzeuge war Eugen Gliege, Mitglied des Heimatverein Behnitz e.V., vor Ort und nahm uns an der 2. Station mit auf die Reise, als er noch im Anbau des Speichers lebte. Mit anschaulichen Anekdoten nahm er die Zuhörer in seinen Bann. Wusstet ihr, dass damals die Siedler wegen dem Wasservorkommen nach Quermathen zogen? Die Pfühle in Quermathen entstanden durch die Eiszeit, dadurch war der Ort so wasserreich. Auf den Feldern gibt es aus der Zeit Borsigs noch Gullis, die nicht zu unterschätzen sind. Eugen Gliege erzählte die Geschichte, wie er seinen Hund verlor und auch wiederfand (im Jahrbuch 2025 des Heimatvereins Behnitz e.V. zu finden) oder wie schön es war, im Winter auf dem Pfuhl Schlittschuh zulaufen. 1926 fand man bei Arbeiten sogar einen Silberschatz, der heute im Märkischen Museum Berlin zu sehen ist. Auch einen kurzen Einblick in die „Heimatsagen aus dem Havelland“ gab es durch die Geschichte um den Pfingstberg und sein Reiter ohne Kopf. Viele Erzählungen und Geschichten findet ihr in den Chroniken von den Dörfern. Bei Interesse an die „Chronik der Dörfer Groß Behnitz und Klein Behnitz“ von Karl-Joachim Giese oder an die Chronik von „Quermathen“ von Stefan Lindemann, darf sich gern beim Heimatverein Behnitz e.V. melden. Eugen Gliege verwies noch auf sein neustes Werk, ein Buch über das Ländliche Berlin, welches am Tag der offenen Tür am 30.5.26 im Museum Ferbellin vorgestellt wird.
An der 3. Station erwartete den Teilnehmern eine Reise durch Quermathen und die Entstehung. Christin Wick-Thiele vom Heimatverein führte uns mit geschichtlichen Eckpunkten durch die Zeit. Quermathen war eines von mehreren Vorwerken Behnitz und bekam sein Name durch seine Lage, „schräges Flurstück“. Für die Teilnehmer hatte Christin eine Übersicht der Gebäude um den Speicher herum inklusive Quiz erstellt. Wusstet ihr, dass, wenn sich Borsig nicht für die Kreisstraße an Quermathen eingesetzt hätte, es diese gar nicht geben würde? Nein, ich auch nicht. All das und vieles mehr berichtete Christin aus der Entstehungszeit bis heute.
In dieser Konstellation war es einmal mehr geglückt, wahre Geschichte erlebbar zu machen. Es war ein sehr gelungener Nachmittag mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen.
Vielen lieben Dank an Florian Fuchs und Christian Arlt für die Öffnung der „Geheimen Tür“ und der sehr liebevollen Führung durch das Haus, welches zum Verkauf steht.
Vielen lieben Dank an Eugen Gliege, für die sehr lebhafte Reise in deine Zeit in Quermathen und den Erinnerungen an dem Speicher.
Vielen lieben Dank an Chritin Wick-Thiele, für die großartige Vorbereitung und dem Vortrag über Quermathen.
Vielen lieben Dank auch an:
• Egon Dietz, für die Bereitstellung alter Karten.
• Jens und Benjamin Köhler sowie Fred Hoffmann für den Aufbau des Außenbereiches
• Heimatverein, für die großartige Vorbereitung
• alle Teilnehmer, die dabei waren und Interesse zeigten.
Behaltet euer Wissensdurst, wir freuen uns auf die nächste „Geheime Tür“, die wir gemeinsam öffnen.
Mandy Köhler, Kinder- und Jugendtreff Treffpunkt Behnitz